Was ist Zielgruppen-Autismus? (Aktualisiert bzw. korrigiert)

Gestern schrieb ich den Beitrag ganz unten und erlebe seitdem auf Twitter eine Überflutung mit kritischen Kommentaren (wie ich sie mir lieber für gewisse Präsidenten wünschen würde), die mich veranlassten, mich näher mit dem Thema zu befassen, um das es geht: Autismus.

Die meisten Zwitscheren haben mich einfach nur angegriffen, wie wenn ich absichtlich etwas Verletztendes geschrieben hätte, was mir – und das können alle bestätigen, die mich kennen – fern liegen würde. Mir war einfach nicht bewusst, welche Sensibilitäten mit dem Begriff Autismus verbunden sind und dass der umgangssprachliche Gebrauch nach Angaben meiner Kritiker/innen nicht nur falsch, sondern sogar verletzend ist.

Aber eine der Kritiker/innen hat mir einen Link mit Hintergrundinformationen geschickt, und das hat mir zu einer neuen Sicht verholfen.

Auf https://dasfotobus.wordpress.com/2017/02/17/linksammlung-autismus-metapher/ steht zu lesen:

Die Begriffe Autismus, Autist, autistisch werden seit einigen Jahren inzwischen inflationär als Metapher für … ungefähr alles benutzt, das jemand gerade negativ darstellen möchte. Das ist unschön und verletzend. Und meist unpassend und komplett falsch.

Treffend für meinen Fall ist wohl der Artikel über «Vergleichende Metaphern». Da steht

ich fand bisher noch keine Autismus-Metapher, die irgendetwas anderes als die Vorurteile transportiert. Sei es Engstirnigkeit, die fehlende Bereitschaft zur Kommunikation, Egoismus in allen Varianten und vieles mehr.

Fair enough. Ich habe zwar in meinen Augen nirgendwo etwas Abwertendes geschrieben, aber wenn das so empfunden wird, muss ich das respektieren und werde aus diesem Fehler lernen.

Da es wenig bringt, meinen Beitrag zu löschen, nachdem er schon veröffentlicht wurde, und dann vor allem auch keinen Beitrag mehr zur Aufklärung leisten würde, hier der Blogbeitrag von gestern, immer zu betrachten unter zwei Aspekten. Erstens, dass ich den Begriff umgangssprachlich benutzte und keine Ahnung hatte, was das bei Betroffenen auslösen würde, und zweitens unter dem Aspekt, dass er ein Beispiel dafür darstellt, wie man den Begriff Autismus nicht verwenden sollte, in der Hoffnung, dass andere aus meinem Fehler lernen können.

Das ist ein neuer Begriff, den ich heute gehört habe, bzw. der heute im Gespräch über unsere Zusammenarbeit mit Kuno Spirig, dem Veranstalter des Swiss Green Economy Symposiums, entstanden ist. Seine Veranstaltung richtet sich an so genannte «Smart Change Makers». Der Campaigning Summit Switzerland richtet sich an Campaigner, die meiner Meinung nach auch Change Makers sind. Campaigning ist die Gestaltung von Change.

Wir diskutierten auch darüber, was das Campaigning von anderen Ansätzen wirklich unterscheidet. Meiner Meinung nach gehört dazu die richtige Zielgruppenorientierung, dass man vielleicht sogar so weit geht, die Zielgruppe bestimmen zu lassen, wie sie die Kampagne für sich selbst gerne hätte (in einem Target Community Lab™).

Auch für interne Transformationsprozesse ist die richtige Zielgruppenorientierung entscheidet. Was nützt es, wenn das Management einen neuen Kurs entscheidet und das Team nicht dort abholt, wo es ist? -> Rohrkrepierer.

Wenn man sich nicht 100%ig in die Zielgruppe hineinversetzen kann, muss jede Kampagne zwangsläufig Federn lassen. Und dann entfuhr es Kuno auf einmal: «Das ist ja wie Autismus» und ich stimmte ihm zu. Wir waren uns dann aber auch einig, dass das arrogant klingen kann, und dass ich in diesem Beitrag betonen sollte, dass uns das allen passiert. Ich selbst kann aus dem Stand heraus ein halbes Dutzend Beispiele nennen, bei denen ich dachte, ich würde die Zielgruppe gut kennen und wurde dann eines Besseren belehrt. Da war ich selbst zielgruppen-autistisch. Zielgruppen-Autismus haben wir also alle. Man nennt das auch The Curse of Knowledge – den Fluch des Wissens. Aufgrund unseres Vorwissens können wir uns unmöglich in Personen hineinversetzen, die sich noch nie mit unserem Thema auseinandergesetzt haben.

Den Unterschied macht, ob man sich dessen bewusst ist und über Tools verfügt, die einen davor bewahren.

Zielgruppen-Autismus wäre vielleicht ein gutes Thema für eine BarCamp-Session beim 5. Campaigning Summit Switzerland am 31. März. Das könnte man dann hier anmelden.

 

Rocker fördern Rocker! Mit dem AC/DC-Strom!

In meiner Heimat, dem schönen Saarland, das auch ein Innovations-Hotspot ist, heisst der Energieversorger energis. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist wie ich ein eingefleischter AC/DC-Fan. Und so verwundert es nicht, dass er eines Tages auf die Idee kam, AC/DC-Strom zu vermarkten. Denn AC/DC heisst bekanntlich Wechselstrom/Gleichstrom.

Coole Idee, nur was bedeutet AC/DC-Strom?

Um die richtige Abntwort zu finden, tat energis genau das, was ich allen Unternehmen empfehle: den Dialog mit der Zielgruppe führen. Wo diese zu finden war, wusste ein Bekannter der Produktmanagerin, beide aus dem gleichen Dorf wie ich, Hemmersdorf. Er arbeitet in der Musikindutrie bei Hughes & Kettner. Vor allem aber weiss er, dass ich AC/DC-Fan bin und gleichzeitig Campaigning sich von anderen Kampagnen-Ansätzen durch seinen authentischen Einbezug von Zielgruppen unterscheidet. Für Campaigner sind Zielgruppen nicht Leute, denen man etwas verkaufen will, sondern Menschen, die einem bei der Erreichung der eigenen Ziele helfen. Also empfahl er das Gespräch mit mir.

Ich diskutierte die Sache dann mit anderen AC/DC-Fans, und so entstand die Idee, eine Initiative zur Förderung des Rock’n’Roll zu gründen. Deren Notwendigkeit war kurz vorher durch das Ausscheiden von AC/DC-Sänger Brian Johnson belegt worden. Gibt es ein Leben nach AC/DC überhaupt?

Wie auch immer, vier AC/DC-Fans aus dem Saarland trafen sich dann Ende April in Kirriemuir, Schottland, dem Geburtsort des 1980 verstorbenen legendären AC/DC-Sängers Bon Scott anlässlich der Einweihung einer Statue des Sängers. Dort legten wir den Grundstein für diese Initiative. Die Leitplanken wurden auf ein Blatt Papier geschrieben, das Gespräch mit energis gesucht und vor kurzem wurde bekanntgegeben, welche Band durch die Einnahmen des AC/DC-Stroms als erste unterstützt wird: Hardbone aus Hamburg.

Denn nun hat der AC/DC-Strom eine Identität: der Strom, der den Rock’n’Roll fördert.

Das passiert, wenn man Campaigner und Leute aus der Zielgruppe zusammenbringt: ein Konzept, das funktioniert. 🤘 (Den Target Community Labs™ meiner Firma liegt dieses Prinzip ja auch zugrunde.)

Die zweite Band, die gefördert wird, geben wir im Januar bekannt. Und hier kann man noch einen Artikel im Music’n’Stuff nachlesen.