«Eine Kampagne geht nach hinten los» – weiss man das wirklich?

Ein anonymes Flugblatt konfrontiert Regierungsratskandidatin Silvia Steiner mit heftigen Vorwürfen. Statt dies auszunutzen, solidarisiert sich die Konkurrenz mit der CVP-Politikerin. (….) Gut möglich, dass Fehr und Walker Späh durch das Flugblatt weiter Aufwind erhalten. (…) Politikberater Mark Balsiger spricht von «negative capaingning», wie sie vor allem in den USA erfolgreich angewandt werde. Ziel solcher Kamagnen sei, das Wählerlager der Kandidaten mittels Enthüllungen zu verunsichern. Das gelinge jedoch nur, wenn die Vorwürfe auch zutreffen, sagt Balsiger. Die Verleumdung sei in diesem Fall jedoch so offensichtlich, dass die Kampagne sich mit grosser Wahrscheinlichkeit kontraproduktiv auswirken werde: «Frau Steiner wird nicht darunter leiden, sondern eher einen Profit daraus ziehen.» (…) Was jetzt schon gesagt werden kann: Steiners Bekanntheitsgrad wurde durch das Flugblatt erheblich gesteigert.(Tages-Anzeiger)

Das einzige, was man meiner Meinung nach wirklich sagen kann, ist, dass niemand genau weiss, was die Kampagne auslöst, denn dazu müssten Antworten auf die folgenden Fragen mit Sicherheit bekannt sein:

  1. Führt schlicht und einfach die höhere Bekanntheit dazu, dass mehr Wählerinnen und Wähler den Namen auf den Wahlzettel schreiben?
  2. Gibt es eine breite Solidarisierungswelle in der Bevölkerung?
  3. Wem würde die Solidarisierung nützen – der angegriffenen Kandidatin Silvia Steiner oder deren Konkurrenz, die  durch ihre Solidarität Grösse und Verantwortung zeigen, wie man sie von einer Regierungsrätin erwartet?
  4. Stossen die Angriffe vielleicht sogar in die richtige Richtung und mobilisieren Wählerinnen und Wähler gegen Silvia Steiner, die sich sonst dem Urnengang enthalten hätten?

Dies sind nur ein paar der offenen Fragen, aber schon zu viele. Sie zeigen, dass eine Einschätzung der Wirkung dieser Kampagne schlicht und einfach nicht möglich ist. Man bräuchte eine gute Umfrage, wie sie in US-Wahlkämpfen täglich gemacht werden, um eine realistische Einschätzung abzuliefern.

«Ein Chef wie ein Rockstar» – Campaigning like Rock’n’Roll

«Der Boss von morgen muss denken wie ein Rockstar», wird Ståle Økland im gestrigen Tages-Anzeiger zitiert (Quelle). Der Artikel beschreibt Øklands «ganz eigene Managementtheorie», wonach Firmen, die in Zukunft die besten Mitarbeiter gewinnen wollen, mehr wie Musikbands und weniger wie gewöhnliche Konzerne funktionieren müssen – idealerweise also ohne Chef, dafür mit viel Freiheit für jeden.

Als hartgesottener AC/DC-Fan, dem eine Firma gehört, deren Motto lautet «Campaigning like Rock’n’Roll», fühle ich mich da natürlich sofort angesprochen. Wie ist es denn bei meiner Firma, business campaigning Switzerland GmbH? Was ich im folgenden (be)schreibe, behaupte ich nicht einfach nur so. Ständige Mitarbeiter-Feedbacks lauten konstant, dass es »rockt» bei uns zu arbeiten.

Folgende Zitate aus dem Artikel treffen auch auf business campaigning Switzerland GmbH zu:

«Obwohl es keinen Chef gibt, sind die Bands straff organisiert. Es braucht keine Hierarchie, jeder weiss, was er zu tun hat.»

In der Tat fühle ich mich weniger wie ein Chef denn als Teammitglied, einfach eines, das mehr zu entscheiden und mehr zu koordinieren hat. Das zeigt sich konkret beim Feierabendbier oder bei Weihnachtsfeiern und ähnlichen Anlässen, wenn abends genauso hart gefeiert wird wie tagsüber (oder wann auch immer) gearbeitet. Und der zweite Satz stimmt definitiv. Er entspricht dem Strategischen Campaigning Grundsatz Nr. 10: Unité de doctrine.

Dieses System funktioniere, «weil alle dasselbe Ziel verfolgen: gute Konzerte zu spielen».

Auch das ist bei uns so, nur dass «Konzerte spielen» bei uns «Kampagnen machen» oder «Konzepte schreiben» heissen würde.

«Aber die nachfolgenden Generationen stellen andere Ansprüche an ihren Arbeitgeber: Sie streben nach Freiheit, nach flexiblen Arbeitszeiten, Home-Office und Jobsharing. Sie wollen Teil eines hervorragenden Teams sein und gleichzeitig selbstbestimmt.» … Wer zwischen 1980 und 2000 geboren wurde, ist demnach nicht mehr so sehr auf Status aus wie die Generation davor. Man will sich selbst verwirklichen, einer «sinnvollen» Aufgabe nachgehen, dabei eine gesunde Work-Life-Balance haben. Feste Hierarchien und Reglementierungen sind dieser Altersgruppe ein Graus, lieber arbeitet sie in ihrem eigenen Tempo, nach ihren eigenen Regeln.

Das trifft alles auch auf uns zu. Die meisten unserer Mitarbeitenden stammen auch aus dieser Generation.

«Eine gute Firma motiviert ihre Angestellten nicht. Sie stellt nur die Leute ein, die so begeistert sind, dass sie von sich aus Leistung erbringen wollen.»

Besser könnte man meine Rekrutierungsstrategie nicht beschreiben.

«Führung ist eine Dienstleistung am Team…»

So beschreibe ich meine Rolle am besten.

Zum Originalartikel geht es hier. Und wer noch mehr darüber wissen will, wie man Engagement in der eigenen Firma erzeugt und/oder aufrecht erhält, der kann dies am Campaigning Summit Switzerland 2015 erfahren. Referentin Sunnie J. Groeneveld (Consultant, CEO Inspire 925, CH) spricht dort zum Thema «Katalysator Engagement – Inspiration als Business Strategie erfolgreich umsetzen».

Sunnie J. Groeneveld ist CEO ihres Beratungsunternehmens Inspire 925 in Zürich, Mitglied der «Global Shapers Community» World Economic Forum (WEF) und unter den Top 50 Business Frauen, die 2014 im Rahmen der Gender 50/50 Initiative ans SEF eingeladen wurden. Sie schreibt Kolumnen, u.a. für die Huffington Post. Groeneveld hat Wirtschaft an der Yale University studiert und ihre Diplomarbeit über «The Economic Value of a Positive Work Environment» verfasst. Kürzlich erschien Ihr neues Buch «Inspired at Work – 66 Ideen für mehr Engagement und Innovation im Unternehmen».

P.S. Ich bin richtig stolz auf unser Team.

Wie misst man Innovation? – Gastbeitrag von Business Aktivist Sven Donhuysen

Der Tages-Anzeiger berichtete kürzlich über ein neues Buch von Nobelpreisträger Edmund Phelps (hier). Phelps erhielt den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften,  „für seine Analyse intertemporaler Zielkonflikte in makroökonomischer Politik“. Auch wenn ich mich dadurch bei dem einen oder der anderen unbeliebt mache, aber als Physiker streite ich ab, dass es sich bei den althergebrachten Wirtschaftswissenschaften tatsächlich um eine Wissenschaft handelt. Zu viele Grundsätze wurden da verletzt. Man muss nur an den nicht existenten Homo Oeconomicus denken, den zu widerlegen es erst richtiger wissenschaftlicher Experimente bedurfte, wo doch ausnahmsweise mal der gesunde Menschenverstand gereicht hätte. In diesem Zusammenhang sehe ich auch die Aussagen von Herrn Phelps zum Thema Innovation. In einer Zeit, in der ganze Branchen durch neue innovative Produkte und Businessmodelle umgekrempelt werden, und dank Internet praktisch jeder eine Firma gründen und weltweit handeln kann, behauptet dieser Ökonom doch allen Ernstes, wir hätten«den Schlüssel zur Innovation verloren». Die Innovation habe sich deutlich verlangsamt. Im Zentrum steht die folgende Aussage auf die Frage, wie man Innovation misst:

Indem man auf das Wachstum der Produktivität schaut. Das ermöglicht eine plausible Einschätzung der Innovationskraft.

Ich könnte dazu zwar einiges selbst schreiben. Aber ich unterhielt mich darüber mit Sven Donhuysen, Chairman der Megadon AG, den ich nun hier in einem Gastbeitrag zu Wort kommen lassen. Sven Donhuysen sieht sich als Business Aktivist, der Innovation fördert und sucht und innovative Startups mit seinem Netzwerk und seinem Wissen unterstützt. Darunter zum Beispiel das Startup Cashcloud mit einer mobile Payment App.

Gastbeitrag von Sven Donhuysen

Edmund Phelps behauptet in seinem Buch, dass das schwache Wachstum der Wirtschaft damit zusammenhängt, dass sich die Innovation seit der industriellen Innovation verlangsamt hat. Er misst Innovation am Wachstum der Produktivität. Merkt er nicht, dass er hier einen Zirkelschluss begeht, einen fatalen Fehler in der Logik, wenn er Wachstum auf Innovation zurückführt und es gleichzeitig als Messgrösse für Innovation definiert?

Aber was ist Innovation wirklich?

Herr Phelps stammt aus einer anderen Generation. Er hat offensichtlich nicht verstanden, wie sich die Welt in den letzten 20 Jahren aufgrund der digitalen Revolution verändert hat. Ganze Wirtschaftszweige wie z.B. das Verlagswesen, die Musikindustrie oder die Unterhaltungsindustrie haben einen grossen Umbruch erlebt. Sie mussten sich von der Basis an neu aufstellen um nicht unterzugehen.

Dank des Internets steht uns heute das gesamte Wissen der Welt per Knopfdruck zur Verfügung. Wir sind durch Facebook und Twitter mit Menschen und Institutionen auf der ganzen Welt vernetzt und werden ohne Zeitverzögerung über wichtige Neuigkeiten informiert. Wir können Meetings per skype abhalten anstatt rund um die Welt zu fliegen.

Ich behaupte sogar, dass es noch nie eine bessere Zeit als heute gab für Innovation.

Neue Ideen können schneller umgesetzt werden. Es wird dazu weit weniger Kapital und Ressourcen benötigt. Und dies geschieht nicht nur im Silicon Valley, sondern an vielen anderen Orten weltweit. Die digitale Revolution kommt nicht mit einem lauten Paukenschlag daher wie damals die industrielle Revolution, als grosse Maschinen in Fabriken aufgestellt wurden und man den Fortschritt unübersehbar vor Augen hatte.

Die digitale Revolution ist eine leise, schleichende Entwicklung, die sich teilweise im Hintergrund vollzieht und die immer noch immenses Entwicklungspotential besitzt. Wir können selbst heute noch nicht genau einschätzen, wohin sich das digitale Zeitalter auf lange Sicht hin entwickelt. Man denke nur an das grosse Potential von 3D-Druckern, die ein Ende der Massenproduktion einläuten könnten und die die Verwendung von Produkten weitgehend loskoppeln von Transportdistanzen.

Eins wissen wir jedoch. Produktivität ist kein messbarer Faktor mehr für den Erfolg einer Innovation, da die Innovation im digitalen Zeitalter nicht mehr an menschliche Arbeitsleistung gekoppelt ist.

Somit stellt sich die Frage, wie definiert man Innovation im heutigen Sinne?

Gesamthaft betrachtet ist sie mehr als die Summe der genialen, bahnbrechenden Ideen, die das Leben der Menschen vereinfachen, verbessern und/oder unterhaltsamer machen, und die den Erhalt der Umwelt fördern und richtungsweisend sind. Man bezeichnet diese auch als „disruptive“ Ideen. Dies wäre ein gutes Mass für Innovation. Der Diskurs ist eröffnet.