«Ist der Mensch beim Campaigning ersetzbar, Herr Metzinger?»

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Am Freitag startet der diesjährige Campaigning Summit Zurich. Im Vorfeld der Veranstaltung sprach p&k mit Organisator Peter Metzinger über die Automatisierung von Kampagnenarbeit und darüber, welche Trends die Szene derzeit bewegen.

p&k: Herr Metzinger, am Freitag findet der 2. Campaigning Summit Zurich statt. Welche übergreifenden Trends werden dieses Jahr auf der Veranstaltung präsentiert?

Peter Metzinger: Für mich ist das Hauptthema Innovation und die Frage, was die Zukunft bringt. Es gibt technologische Entwicklungen, die dazu führen, dass Campaigning immer einheitlicher wird. Immer mehr Prozesse werden automatisiert. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, aus der Masse herauszustechen. Wenn man Software hat, die anhand von Nutzerprofilen erkennt, wo wann welche Werbung eingeblendet werden soll, stellt sich die Frage, wozu man dann überhaupt noch Marketing-Leute benötigt. Welche Fähigkeiten, die uns die Maschinen noch nicht abnehmen können, sind in Zukunft gefragt? Eins ist klar: Kreativität, strategische Analyse und Erfahrung werden unverzichtbar bleiben.

Mehr gibt’s hier: http://www.politik-kommunikation.de/ressorts/artikel/ist-der-mensch-beim-campaigning-ersetzbar-herr-metzinger

SCG3, Konzentration der Kräfte: aufs Wesentliche

Wir kennen es alle, und ich nur allzu gut. Man tut das, was drängt, was dringend ist, das was nicht warten kann. Nicht erledigt wird der Blog-Beitrag, den man schon lange schreiben wollte, das Erlernen eines neuen Tools, die Auszeit zum Nachdenken über ein wichtiges Problem und seine Lösung, der Austausch mit einem wertvollen Kollegen, der zu neuen Einsichten führen könnte.

Der Strategischer Campaigning Grundsatz Nr. 3 besagt, dass man seine Kräfte konzentrieren soll; aufs Wesentliche, auf die Massnahmen mit dem grössten Durchschlagspotential usw.

Gehört dazu auch die Konzentration auf die wirklich dringenden Dinge? Vermutlich eher nicht. Denn die Liste der dringenden Dinge ist unendlich. Es ist prinzipiell unmöglich, sich darauf zu konzentrieren. Anders die Liste der wirklich wichtigen Dinge. Mit einer guten Strategie oder wenigstens klaren Zielen im Hinterkopf ist diese Liste endlich, vielleicht sogar klein. Auf die wichtigen – und unter diesen dann auf die dringendsten – Dinge sollte man seine Kräfte konzentrieren.

Fragen? – Besprechen wir das am Campaigning Summit Zurich 2013.

Und noch auf Deutsch: Es ist die Magie, die den Unterschied macht

Letzte Woche vor einem Konzert unterhielt ich mich mit LG von ’77 über den Wandel, den die Musikindustrie in den letzten 15 Jahren erfahren hat. Schon vor dem Gespräch war mir der Gedanke gekommen, dass es nicht die gratis (illegalen) Downloads an sich sind, die ein Problem darstellen. Vielmehr, so meine These, ist deren indirekte psychologische Wirkung verheerend. Diese besteht darin, dass die Wertschätzung für die Künstler und ihre Leistung verloren geht. Wer alle Songs einer Band gratis herunterladen kann, wird niemals die Magie des Moments erleben, der nur im Plattengeschäft entstehen kann, wenn man sich vom hart ersparten Geld mal wieder eine Scheibe leisten kann. Es war diese Magie, die wir im letzten Jahrtausend mit den Alben der Künstler und mit diesen selbst verbanden. Jedes Konzert wurde dadurch ebenfalls zum magischen Erlebnis. Wie soll das heute noch möglich sein? Abgesehen von der Schwemme an Freizeitangeboten fehlt es schlicht und einfach auch an der mit der Magie verbundenen Wertschätzung der künstlerischen Arbeit.
Meine These lautet deshalb, dass vor allem der Mangel an Wertschätzung, der mit gratis Angeboten einhergeht, das wesentliche Problem der kreativen Branche darstellt. Was nichts kostet, ist nichts wert. Das ist das Problem. Wenn also die Musikindustrie, Verleger und Zeitungen sich überlegen, wie sie in Zukunft noch Geld verdienen können, müssen sie diese Frage in den Mittelpunkt stellen. Was können wir unseren Nutzern bieten, das sie wirklich schätzen, vielleicht so sehr, dass es eine gewisse Magie enthält?
Und auch eine Band wie ’77 wird sich überlegen müssen, wie sie ihren Fans magische Erlebnisse bieten kann, oder wenigstens, welche Erlebniswelt sie schaffen kann, die die Fans auch wirklich schätzen. Eigentlich nicht wirklich etwas Neues. Nur die Technik hat sich geändert.

It’s The Magic Of The Experience, Dude

Last week before a concert, I chatted with LG from ’77 (the band that I support) about the change that the music industry has seen in the last 15 years. Already before the interview I had come to the conclusion that it is not free (illegal) downloads themselves, that constitute the problem. Rather, I argue, their indirect psychological effect is devastating. This is that the appreciation of the artist and their skills is lost. If you can download all the songs of a band for free, you will never experience that magic of the moment, that can only occur in the record store, when you hold the record in your hand and you think of the hard-saved money that allows you to buy it. In the last millennium it was this magic, that we associated  with the albums and the artists. Each concert was thus also a magical experience. How can this still be possible today? Apart from the plethora of leisure activity offerings the magic associated with the appreciation of the artistic work is simply gone.

My thesis is, therefore, that in particular the lack of appreciation that goes along with free offers, represents the essential problem of the creative sector. What costs nothing is worth nothing. That’s the problem. So when the music industry, publishers and newspapers consider, how they can make money in the future, they need to ask themselves this question at the center. What can we offer to our users that they REALLY appreciate, perhaps so much so that it has a certain magic?

And a band like ’77 will have to consider how they can provide their fans magical experiences, or at least which world of experiences they can offer that their fans really appreciate.

Actually, not really anything new. Only the technology has changed.

Nachtrag zum Beitrag von gestern: Das AC/DC Prinzip ist seit gestern als Taschenbuch erhältlich

Als ich Das AC/DC Prinzip am 25. Oktober veröffentlichte, geschah dies aus Zeitgründen erstmal nur als Kindle-Edition. Erst danach suchte ich einen Verlag für die Taschenbuch-Ausgabe. Verschiedene Gründe bewegten mich schliesslich dazu, den Print-On-Demand-Service von Amazon in Anspruch zu nehmen. Damit ging es dann recht schnell. Seit gestern gibt es das Buch nun auch als Taschenbuch.

AC/DC bei iTunes – und nun?

Am 19. November gab Apple bekannt, dass nun auch AC/DC auf iTunes vertreten sind. Dies nachdem die Band sich mehr als zehn Jahre geweigert hatte, bei iTunes mitzumachen. Vor allem aber kurz nachdem mein neuestes Buch, „Das AC/DC Prinzip„, gerade eben fertig war, in dem ich unter anderem darauf eingehe, dass und warum AC/DC so lange nicht bei iTunes waren.

Laut eigenen Angaben sieht sich die Band als Album-Band. Sie wollten angeblich nicht, dass man auf iTunes einzelne Songs kaufen kann. Tatsächlich bietet iTunes den dort vertretenen Bands aber die Wahl, nur ganze Alben zu verkaufen. Dass AC/DC davon keinen Gebrauch machen, sondern auf iTunes einzelne Songs anbieten, wirft eine ganze Menge Fragen auf.

Hat die Band ihre Strategie aufgegeben und verraten?

Und sollte ich mein Buch nun kurz nach der Erstveröffentlichung schon umschreiben neu auflegen? – Ich habe mich dagegen entschieden. Zum einen hat die Band sehr lange am Konzept festgehalten, so dass die wesentlichen Aussagen in meinem Buch durch diese jüngste Entwicklung nur unwesentlich beeinträchtigt werden. Zum anderen kennen wir die Gründe nicht. Jede Strategie funktioniert nur so lange, wie die dominierenden Umfeldfaktoren sich nicht wesentlich verändern. Vielleicht gab es also gute Gründe, diesen einen Schritt zu machen, um den Kern der Strategie beibehalten zu können.

In den kommenden Jahren werden wir vielleicht mehr erfahren.

„Consumer Invented Strategies“ (reloaded)

Als ich letzte Woche an der Social Media Akademie SOMEXCLOUD über Strategielehre dozierte, kam mir ein Artikel in den Sinn, den ich schon 2007 für das Wirtschaftsmagazin geschrieben hatte, und der an Bedeutung nichts verloren hat. Langer Rede kurzer Sinn: ich veröffentliche ihn hier nochmals. Für alle, die ihn noch nicht kennen.

Die Werbung kommt nicht an. Das interne Change-Projekt verfehlt seine Wirkung. Die Website wird schnell weggeklickt. Die Ideen gehen aus. So verschieden die Themen, sie haben eins gemeinsam: Keiner weiss so richtig, wie man wirkungsvoll seine Zielgruppe erreicht. Wie aber kommt man zu guten Ideen für die richtige Zielgruppenansprache?

Zürich Limmatquai, Januar 2004. In den Marktforschungsstudios von «management tools» findet ausnahmsweise keine Marktforschung im eigentlichen Sinne statt. Zur Entwicklung einer Strategie für eine Produkteinführung hat 4C business campaigning GmbH (die Agentur wurde vor ein paar Jahren umbenannt und heisst heute business campaigning Switzerland) das Studio gemietet und acht Studenten eingeladen. Sie sollen gemeinsam mit den Strategieexperten der Agentur den Rohstoff für eine «business campaigning»Strategie erarbeiten. Dieser Rohstoff wird später in der Agentur zum fertigen Konzept weiterverarbeitet. Die Erfahrung zeigt: Werden Strategien mit der Zielgruppe zusammen entwickelt, ist der Erfolg so gut wie garantiert.

Win-win

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