Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und der Strategische Campaigning Grundsatz Nr. 9

SCG 9: Achtsamkeit und Weitsicht

Nicht wenige Firmen und Organisationen handeln und kommunizieren an ihren Zielgruppen und am Markt vorbei, weil sie wichtige Entwicklungen ihres Umfelds nicht mitbekommen, weil sie den Bogen überspannen oder einfach zu viel von ihren Marktpartnern erwarten. Bei diesem Grundsatz geht es darum, dies zu vermeiden, permanent das Umfeld zu beobachten, die Situation permanent zu analysieren und rollend zu planen, wobei sämtliche Informationen ständig auf dem aktuellsten Stand gehalten werden.

Man muss dazu ein Gespür für die anderen Akteure entwickeln, immer offen für Kontakte mit Anderen sein und aktiv danach streben. «Dabei nicht nur von den Kunden lernen, sondern vor allem auch ihnen Plattformen anbieten, wo sie ihre Meinung, ihren Frust, ihre Kritik und konstruktive Vorschläge kundtun können. (…) Die globalen Zusammenhänge und Auswirkungen der lokalen Aktivitäten sehen und berücksichtigen; global denken, lokal handeln. (…) Permanenten Zielgruppenkontakt pflegen, um die Zielgruppe zu kennen und die eigenen Aktivitäten besser auf dieses Wissen abstimmen zu können. (…) Auf Intuition und die innere Stimme achten. Richtig zuhören. Kein Detail ist zu klein.»

Und was hat das mit AC/DC zu tun? Auf die Gefahr hin zu langweilen, sei einfach nochmals daran erinnert, dass AC/DC ständig im Austausch mit ihren Fans sind. Das geht so weit, dass sie in den siebziger Jahren, als die Konzerte immer grösser wurden, ein echtes Problem damit hatten, dass damit auch die Distanz zu ihren Fans wuchs. Diese Distanz zu überbrücken, ist ihnen irgendwie gelungen, und ich vermute, es hat viel mit Bescheidenheit zu tun, damit, dass AC/DC nicht grössenwahnsinnig wurden. Wie oben erwähnt, teilen sie sogar gratis Essen an ihre treuesten Fans aus, die ihnen zu jedem Konzert hinterher reisen. Mehr braucht man zu diesem Strategischer Campaigning Grundsatz gar nicht sagen.

Fortsetzung folgt.

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Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und der Strategische Campaigning Grundsatz Nr. 7

SCG 7: Wirkungsorientierung und Abstimmung von Zielen und Mitteln 

Strategisches Handeln und Denken beinhaltet, vom Ziel aus rückwärts zu denken. Man sollte nicht überlegen, wie man mit Standard-Instrumenten (PR, Werbung, Social Media, Flyer, usw.) oder Standard-Verfahren seine Ziele erreicht. „Wer nur den Hammer kennt, für den wird jedes Problem wie ein Nagel aussehen“ drückt deutlich aus, was von diesem Vorgehen zu halten ist. Stattdessen sollte man „rückwärts aus der Zukunft“ vorgehen.

Letztendlich geht es bei diesem Grundsatz darum, dass das Ziel bestimmt, wie das richtige Vorgehen aussieht und mit welchen Instrumenten bzw. auf welchen Wegen man sein Ziel erreicht.

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Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und das Thema Strategie – Nachtrag

Nachdem ich vorgestern einen Beitrag zum Strategischen Campaigning Grundsatz Nr. 6 geschrieben hatte, kamen mir noch ein paar Zitate aus AC/DC – Two Sides to Every Glory:, Paul Stenning in den Sinn, die ich vergessen hatte, die ich Euch aber auf gar keinen Fall vorenthalten will, denn sie zeigen eindrücklich, wie klar AC/DC ihr Konzept im Kopf und wie sehr sie es verinnerlicht haben. So sehr, dass sie sich auch von den schlimmsten Stürmen nicht vom Kurs abbringen lassen:

„Uns konnte man nie in eine Schublade oder ein Schema A, B oder C einordnen. Wir fingen als Rock-’n‘-Roll-Band an. Das spielen wir immer noch; das ist, was wir am besten können. Wir haben nie behauptet, etwas anderes zu sein. Und dann im Jahr 1980 haben sie uns als Heavy Metal Band bezeichnet. Davor hatten sie schon etwas anderes: Power-Pop. Blödsinn! „Brian Johnson

Die reine Rock’n’Roll Ideologie von AC/DC hat Brian, wie auch die anderen Mitglieder der Gruppe vereinnahmt. Zur Frage musikalischer Trends, lautete seine Antwort: „Sie setzen alle Namen zusammen und es ergibt Bullshit.“ Angus stimmt zu: „Es ist wahr. Ich meine, okay, das Wort ‚Blues‘ zaubert etwas Bestimmtes hervor. Du weisst, wohin du gehst. Aber dieses Heavy-Metal-Ding? Ich denke sofort an Männer in Rüstung ….“

„Ich kenne eine Menge Leute, die Erfolg an Zahlen messen. Für uns war das immer ein tolles Album.“ Angus Young

„Die Kritiker mochten uns nicht, wie Angus gestern schon sagte. „Wir haben jedes Jahr die gleiche Platte produziert, immer mit einem anderen Cover.‘ Aber die Kids mögen es immer noch, und das ist alles, was uns kümmert. „Malcom Young

„Mitte der achtziger Jahre (…) kam die Plattenfirma auf uns zu, um uns mitzuteilen, wir sollten die Kleider wechseln. Sie sagten: ,Es wäre am besten, wenn Ihr Euer Image ändern würdet.‘ Unsere Reaktion  war ca. ,Verpisst Euch!‘ All die Bands, die sich veränderten, gibt es heute nicht mehr.“ Brian Johnson

„Ich habe es satt, dass manche Leute sagen, wir hätten 11 Alben gemacht, die genau gleich klingen. Tatsache ist, dass wir 12 Alben gemacht haben, die genau gleich klingen.“ Angus Young

Fortsetzung folgt.

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Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und der Strategische Campaigning Grundsatz Nr. 6

SCG 6: Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit in der Strategieverfolgung

Das Wichtigste in diesem Zusammenhang ist, überhaupt einmal eine Erfolg versprechende Strategie zu finden und sie dann auch noch richtig zu formulieren. Was eine Strategie ist, und was sie von konkreten Massnahmen unterscheidet, werde ich weiter unten erläutern.

«Langfristig planen», «strategisch denken und vorgehen», «manchmal vorübergehende oder anfängliche Verluste in Kauf nehmen, wenn daraus langfristig ein Vorteil entstehen kann», sind weitere wichtige Aspekte, ebenso wie – gerade im Zusammenhang mit AC/DC  – «hartnäckig auf Kurs bleiben, (…) keine Zick-Zack-Strategiewechsel», «keine Kompromisse – nur der Sieg (Erfolg) zählt, und der kann lange auf sich warten lassen», «nicht jede Mode mitmachen», «Geduld haben», «Disziplin, bei den Themen, Zielen und Botschaften zu bleiben», «keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass man am Ball bleiben und es mit der Kampagne weitergehen wird».

All das bringt einer der ersten – und am meisten gespielten – Songs von AC/DC zum Ausdruck: „It’s A Long Way To The Top (if you wanna Rock’n’Roll)“

 

Der Begriff „Strategie” stammt ursprünglich aus dem Griechischen und kommt vom Wort „strategos“ (der Heerführer). Strategie hat also etwas mit der Planung von Auseinandersetzungen zu tun, wobei das Wort Auseinandersetzungen durchaus neutral gemeint sein kann – Auseinandersetzung im Sinne von Interaktion, Beschäftigung mit den Aktionen und Reaktionen von Zielgruppen.

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Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und der Strategische Campaigning Grundsatz Nr. 5

SCG 5: Flexibilität pflegen

Zu diesem Grundsatz gehören Empfehlungen wie «Gedanklich und im Handeln flexibel bleiben. Sich bei aller Prioritätensetzung nie endgültig auf eine einzige Linie festlegen lassen», «Sowohl-als-auch-Mentalität („Ambivalenz“) bzw. in Paradoxien denken», «Bewährtes kritisch in Frage stellen. Dabei auch keine Angst vor Selbstkritik haben», «Chancen spontan und sofort ergreifen. Gefahren neutralisieren und vermeiden. Voraussetzungen pflegen, die das ermöglichen», «Rollende Planung bei permanenter Situationsanalyse» usw. (aus: Business Campaigning, Peter Metzinger, Springer 2006)

Es ist praktisch nicht möglich, von aussen zu beurteilen, inwiefern AC/DC dies alles berücksichtigen. Am ehesten kann man noch etwas darüber aussagen, ob sie «immer in Bewegung bleiben». – Ja, das tun sie. Nach eigenen Aussagen entstehen die meisten Songs unterwegs, während ihrer Tourneen, inspiriert von dem,was sie erleben. Immer wieder auf Tour zu sein, ist ein Teil ihres Erfolgsrezepts.

Was man sicher auch noch AC/DC sagen kann, ist, dass AC/DC immer «unkonventionelle und kreative Lösungen suchen». Sie grenzen sich ab von Mainstreams wie Heavy Metal, betonen, dass ihre Musik Blues und Rock’n’Roll im Stil von Chuck Berry & Co. ist, haben diese aber sehr kreativ auf eine Art und Weise interpretiert und weiterentwickelt, dass ihr eigener Stil unverkennbar wurde und viele, die die Musik nur oberflächlich hören, nicht einmal merken, worum es sich eigentlich handelt („sowohl Hardrock als auch Blues“).

An den Wurzeln festzuhalten, ohne konservativ zu werden, macht Flexibilität im Denken besonders schwierig. Dies zu meistern ist eine hohe Kunst, die AC/DC jahrzehntelang mit Bravour geleistet haben. Sie hatten aber auch ihre Tiefpunkte. Mit Bon Scott ging vermutlich der unkonventionellste Denker der Band verloren. Paul Stenning schreibt über Bon: „Das Glitzern in seinen Augen war nicht das Produkt von Alkohol, es war echt.“  (aus: AC/DC Two Sides to Every Glory:, Paul StenningMenschen mit diesem Blick sind keine Menschen, die starr irgendwelchen Regeln folgen, sondern sie stellen alles Bewährte ständig kritisch in Frage und sind dementsprechend unkonventionell und gedanklich flexibel. Letztendlich war es wohl auch diese Eigenschaft, die das Unkonventionelle an Bon Scott, das sich meist im Rebellischen ausdrückte, und sein Charisma am meisten ausmachte, und weshalb ihn praktisch alle AC/DC Fans so sehr vermissen.

Axel Zimmermann und Steffen Leaehold aus Deutschland machen zum 30. Todestag von Bon Scott ihre Aufwartung, auf dem Friedhof von Fremantle am 19. Februar 2010 in Perth, Australien. Scott starb im Alter von 33 Jahren in London an einer Alkoholvergiftung und wurde in seinem Auto, wo er zunächst schlief, gefunden. (18. Februar 2010, 20102010-02-18 16:00:00 – Photo by Paul Kane/Getty Images AsiaPac)

Fortsetzung folgt.

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Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und der Strategische Campaigning Grundsatz Nr. 4

SCG 4: Aufbauen auf bestehenden Stärken

Aufbauen auf bestehenden Stärken kann man dann, wenn man sich seiner eigenen und wichtigsten Stärken überhaupt bewusst ist, und dann gezielt darauf aufbaut, sie pflegt und weiter ausbaut. «Konzentration auf Symbole», «permanente, strategische Ausweitung von Vernetzung und Terrains – unter Beachtung der „Konzentration der Kräfte“», «offene und selbstkritische Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen, ohne Rücksicht auf Verluste», «Wiedererkennbarkeit und Redundanz in der Kommunikation», «never change a winning Team», sind weitere, im Zusammenhang mit AC/DC relevante, Interpretationen dieses Strategischen Campaigning Grundsatzes.

«Never change a winning team» ist die deutlichste der Interpretationen. Seit 1980 hat es – mit Ausnahme der mehrjährigen Auszeit von Schlagzeuger Phil Rudd – keinen Wechsel in der Band gegeben.  Und Phil kam zurück.

Wer die Musik von AC/DC versteht, weiss auch, wie wichtig das war. Oberflächlich betrachtet scheint es, wie wenn Lead-Gitarrist Angus Young und Sänger Brian Johnson die Hauptrollen spielen. In Wahrheit jedoch könnten diese beiden ihre Jobs bei weitem nicht so gut erledigen, wäre da nicht die Rhythmus-Sektion bestehend aus Phil Rudd, Malcom Young und Cliff Williams. Jeder einzelne von ihnen spielt eine derart individuelle und wichtige Rolle, dass die Musik von AC/DC einfach anders wäre, würde man sie austauschen. Wer genau zuhört, stellt zum Beispiel fest, dass Malcolm niemals genau auf den Takt anschlägt. Es gibt immer eine ganz leichte Verzögerung zwischen Schlagzeug und Rhythmus-Gitarre. Diese Verzögerung gehört zu dem, was die Musik von AC/DC so einzigartig und gleichzeitig wiedererkennbar macht. Sie baut auch die Spannung auf, durch die die Musik getragen wird. Sie ist mit ein Grund dafür, warum es nur wenigen Bands gelingt, so zu klingen, wie AC/DC, obwohl viele es versucht haben. Persönlich kenne ich nur eine einzige Band, die eigene Musik schreibt und trotzdem genau so klingt wie AC/DC, nämlich ´77 aus Barcelona.

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Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und der Strategische Campaigning Grundsatz Nr. 3

SCG 3: Konzentration der Kräfte

Bei diesem Grundsatz geht es unter anderem (ich liste nur auf, was mir im Zusammenhang mit AC/DC passend zu sein scheint) darum, Prioritäten zu setzen, nicht zu viele Ziele auf einmal zu verfolgen, sich auf Verbündete zu konzentrieren anstatt auf Gegner, positive Rückkoppelungen zu fördern, und darum, dass Konsens Nonsens ist, weil klare, vielleicht schmerzhafte Entscheidungen besser sind als faule Kompromisse.

Wie gut AC/DC Prioritäten setzen, ist von aussen schwierig zu beurteilen. Denn wie kann man als Aussenseiter wissen, ob die Band Prioritäten setzt, und welche?

Man kann zumindest sagen, dass sie sich beim Komponieren der Songs auf einen Stil und auf wenige Akkorde beschränken, und nach eigenen Angaben ständig versuchen, ihre Musik ständig noch mehr aufs Wesentliche zu reduzieren. In dieser Reduktion sehen sie selbst einen wesentlichen Erfolgsfaktor. „Die einfachsten Riffs auf der Welt sind die, die am schwierigsten zu schreiben sind, denn es gibt nur sehr wenige.“ (Why AC/DC Matters, Anthony Bossa, HarperCollins 2009)

AC/DC experimentieren nicht viel, und wenn, dann nur, um ihren Stil noch weiter zu vereinfachen – ohne ihn zu simplifizieren. Es geht immer darum, den Kern, das Wesentliche herauszuarbeiten. So zumindest schildern sie das seit Jahrzehnten in zahlreichen Interviews. Dabei gilt dieser Grundsatz nicht nur für das Gitarrenspiel, sondern auch für die Rhythmus-Abteilung, deren nicht zu erschütterndes Fundament eine grundsolide Basis darstellt, auf der sich Gesang und Leadgitarre austoben können.

Ihre Strategie, die ich im sechsten Beitrag etwas ausführlicher behandeln werde, ist ebenfalls von einer Konzentration der Kräfte durchtränkt, denn sie beinhaltet nicht viel mehr als „wir machen eigentlich nur Rock’n’Roll. Den Kids gefällt das“. AC/DC konzentrieren sich auf ihre Verbündeten, ihre Fans, und nicht auf ihre Gegner. Sie haben nie versucht, ihren Kritikern zu gefallen und lieber jahrzehntelange Häme ertragen, als sich irgendwelche Modewellen anzupassen. Sie blieben ihren Wurzeln, ihrem Talent und ihren Fans treu und konzentrierten sich darauf, denn sie wussten immer ganz genau, dass Konsens Nonsens ist. „Rock’n’Roll Ain‘t Noise Pollution“

Fortsetzung folgt.

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Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und der Strategische Campaigning Grundsatz Nr. 2

SCG 2: Die Agenda kontrollieren

Bei diesem Grundsatz geht es unter anderem darum: «der Konkurrenz den eigenen Rhythmus aufzwingen und sie in der Defensive behalten», «selber bestimmen, wann was wie und wo geschieht», «Spielregeln nicht akzeptieren, sondern gezielt verändern», «das Gebiet der Auseinandersetzung selbst bestimmen», «auf gewisse Dinge bewusst nicht reagieren», «das reale Umfeld und den Kontext, in dem man sich bewegt und in dem man gesehen wird, aktiv und zielgerichtet gestalten. Eine fortlaufende Geschichte erzählen», «den Informationsfluss kontrollieren und geschickt dosieren».

AC/DC akzeptieren nur solche Regeln, die sie freiwillig akzeptieren. Wenn eine Spielregel weder ihrer Musik noch ihren Fans etwas nützt, dann brechen sie sie („Just keep on breaking the rules“, „no stop signs, speed limits – nobody’s gonna slow me down“).

Selbst, als sie in vielen australischen Städten verboten wurden, haben Sie sich nicht angepasst und stattdessen klar an ihrem Konzept festgehalten. Sie spielten einfach woanders, und schliesslich machte es eine wachsende und mehr und mehr loyale Fan-Gemeinschaft unmöglich, Ihnen noch irgendwo einen Auftritt zu verbieten. Am 30. Todestag von Bon Scott läuteten in Sidney die Kirchenglocken, um die Welt an diesen aussergewöhnlichen Sänger zu erinnern, der mittlerweile auf dem Highway To Hell war. AC/DC hatten nun definitiv ihr Umfeld (mit) verändert.

AC/Sie haben die Spielregeln verändert, statt sie zu akzeptieren. Sie haben eine klare Vorstellung von dem, was sie wollen und erlauben es niemandem, sich ihnen in den Weg zu stellen: Let There Be Rock. Schon in jungen Jahren vertraten sie die Meinung, alles sagen und tun zu können, und obendrein damit noch durchzukommen.

AC/DC wird in englischsprachigen Ländern auch als heterosexuell/homosexuell verstanden. Während einer USA-Tournee wurde Bon Scott von einem Roadie gefragt, ob er jetzt AC oder DC sei. Seine Antwort lautete „Weder noch – ich bin der Blitz dazwischen“, gefolgt von einem Faustschlag zwischen die Augenbrauen. Es geht bei diesem Grundsatz eben auch darum, einen dritten Weg zu finden, wo andere nur zwei Wege erkennen können.

Nach eigenen Aussagen „wissen (sie), was die Kids wollen“ – weil sie die gleichen Werte und Erwartungen teilen. Sie komponieren Songs, die sie selbst lieben, für Leute mit dem gleichen Geschmack. Und sie sind bemüht, niemals zu enttäuschen. Sie halten an ihrer Linie fest, an ihrem Erbe und ihrer fortlaufenden Geschichte. Mit jeder Tournee wird ihre Bühnenshow umfangreicher, denn es müssen all die Requisiten aus früheren Tourneen vertreten sein. AC/DC bestimmen und erzählen ihre Geschichte selber. So behalten sie die Kontrolle. Dazu gehört auch, dass man kaum etwas aus ihrem Privatleben erfährt. Aktuell ist bekannt, dass ein Bandmitglied erkrankt ist. Wer und woran ist nicht zu erfahren – trotz all dem Medieninteresse und Millionen von Fans. AC/DC kontrollieren die Agenda!

Fortsetzung folgt.

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Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und die 14 Strategischen Campaigning Grundsätze – Nr. 1

„Ich denke, wir haben überlebt, weil wir die gleichen geblieben sind. Du versuchst einfach,  Du selbst zu sein. “ Angus Young (aus: AC/DC Two Sides to Every Glory:, Paul Stenning)

Die Idee für die folgenden Blog-Beiträge kam mir gegen Ende der letzten Welttournee von AC/DC, der dritterfolgreichsten Musik-Tournee überhaupt, mit ca. 4.9 Mio. Besuchern, einem Umsatz von 441.6 Mio. Dollar und 168 – meist ausverkauften – Konzerten. (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Black_Ice_World_Tour) Ich war gerade auf dem Rückflug von einem Konzert in Hannover.

Die Geschichte von AC/DC sah nicht immer so erfolgversprechend aus, und das lag nicht nur daran, dass sie während der ersten 3 Jahrzehnte vor allem negative Kritiken bekamen. AC/DC wurden 1973 gegründet. Keine sieben Jahre später erlebten sie eine Krise, an der so manche Band zerbrochen wäre. Bon Scott, der Sänger, der so stark ihr Image geprägt hatte, kam auf tragische Art und Weise ums Leben.

Zwar wurde schnell ein Ersatz gefunden. Mit dem neuen Sänger Brian Johnson – er wird heute noch „der Neue“ genannt – nahm die Band dann sogar ihr bisher erfolgreichstes Album (Back In Black) auf. Doch es dauerte noch viele Jahre, bis der Verlust von Bon wirklich verkraftet war. Schlagzeuger Phil Rudd musste zwischendurch sogar eine Auszeit von 8 Jahren nehmen.

Ich bin überzeugt, was AC/DC in dieser Zeit rettete, und was auch der Schlüssel zum Verständnis ihres Erfolgs ist, war eine kompromisslose Strategie, die sie auch dann noch weiter verfolgten, als es nicht mehr weiterzugehen schien.

AC/DC hatten immer ganz klare Vorstellungen und ein sehr klares – und einfaches – Konzept von dem, wer sie waren, was sie vertraten und warum es sie überhaupt gab. Dieses Wissen war wie ein Anker, der auch dem schlimmsten Sturm noch standhielt, und der Band nicht nur das Überleben sicherte, sondern sie im vierten Jahrzehnt ihres Bestehens auf nie gekannte Höhen hievte, als eine Band, von der so manche sagen, wenn ein Ausserirdischer wissen möchte, was Rock’n’Roll ist, müsse man ihm nur AC/DC vorspielen, mehr brauche es nicht. Für viele Millionen Menschen verkörpert AC/DC den Rock’n’Roll wie keine andere Band. All you need is AC/DC, sozusagen.

Ich selbst bin seit 1980 eingefleischter AC/DC-Fan. Doch erst in den letzten Jahren wurde mir so richtig bewusst, dass das, was mich an ihnen fasziniert, weit über ihre Musik hinausgeht. Es geht um die Frage, wie man das Phänomen AC/DC erklären kann, den Kult, die starke und immer noch wachsende Fan-Gemeinde und die Tatsache, dass sie nach mittlerweile fast 40 Jahren des Bestehens immer noch alle Rekorde brechen, mit Konzerten, die in wenigen Minuten ausverkauft sind. AC/DC haben sich eine Fangemeinde erarbeitet, zu der sogar Leute gehören, die sonst zu Disco tanzen gehen, wie mir meine Frau vorgestern versicherte. (Sie kennt sich da besser aus…)

Betrachtet man diese Frage aus dem Blickwinkel des Campaigners, kann man sich des Verdachts nicht erwehren, das könne mit den 14 Strategischen Campaigning Grundsätzen zusammenhängen, die den Kern meines „business campaigning“ Modells bilden. Schliesslich geht es ja auch beim Campaigning darum, (mit möglichst wenig Mitteleinsatz) Menschen zu motivieren, einem dabei zu helfen, ein bestimmtes Ziel zu erreichen (via wohl durchdachte Aktivitäten, so dass man effektiv seine Ziele auf konkrete und messbare Art und Weise erreicht).

AC/DC setzen diese Grundsätze so perfekt in die Tat um, dass man daraus lernen und sich davon inspirieren lassen kann, auch wenn man kein Musiker ist, sondern vielleicht ein Marketing- oder Kommunikationsprofi oder eine Führungskraft.

In den kommenden 14 Blogbeiträgen werde ich deshalb versuchen, aufzuzeigen, wie AC/DC die 14 Strategischen Campaigning Grundsätze (SCG) in ihren Kontext übersetzen, ohne überhaupt von deren Existenz zu wissen. (Man könnte meinen, sie seien als Kinder in ein Fass mit Campaigning-Elixier gefallen…)

Manchmal werde ich dabei aus meinem Buch zitieren (Business Campaigning, Peter Metzinger, Springer 2006, 2. Auflage). Diese Zitate sind dann durch die folgenden Anführungszeichen gekennzeichnet: «…», Ergänzungen in runden Klammern.

SCG 1: Polarisieren, profilieren, positionieren

Bei diesem Grundsatz geht es darum, «mit Hilfe von Gegensätzen und/oder einer elektrisierenden und emotionalisierenden Vision oder Idee ein Spannungsfeld bzw. einen Spannungsbogen aufzubauen, der das Zielpublikum anzieht und emotional auflädt.» und «diese Bewegung in eine Anhängerschaft (zu) verwandeln, die sich aus eigenem Antrieb für die gemeinsame Sache einsetzt.» Es geht darum, «vorgegebene Polaritäten zur Verstärkung des eigenen Profils (zu) nutzen» und «wo sinnvoll und möglich diese Polaritäten bewusst (zu) vergrössern.» Es geht immer auch darum, sich im Spannungsfeld «Good Guy vs. Bad Guy» richtig zu positionieren, als der Good Guy für die eigene Zielgruppe, der aber durchaus auch der Bad Guy für die Anderen sein kann.

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