«business campaigning® – Über den Tellerrand schauen, querdenken und Menschen bewegen»

Dienstag und Mittwoch war das Team von business campaigning GmbH an der SuisseEMEX, mit einem Stand in der Querdenkerwelt, um Promotion für den Campaigning Summit Switzerland 2016 zu machen. Denn Campaigning ist Querdenken.

Oder anders formuliert: erfolgreiche Strategien zu entwickeln, setzt querdenkerische Kreativität voraus. Doch was ist das eigentlich und wie kann man erfolgreich querdenken? Quer wozu? In meinem Referat, das man hier auf Slideshare anschauen kann, habe ich mögliche Ansätze aufgezeigt. Ein Ansatz beginnt mit der Definition von Campaigning:

Campaigning ist die Kunst, Menschen 
zu bewegen und alle Register ziehen 
zu können, um möglichst effektiv und effizient ein Ziel zu erreichen.

Die Verbindung zum Querdenken entsteht hier durch das «alle Register» ziehen können. Wer nur auf eingetretenen Wegen geht, für wen jedes Problem ein Problem nur der Kommunikation ist oder nur des Managements, der wird nicht querdenken können. Voraussetzung für das Querdenken ist, dass es Spielraum nach links und rechts gibt, und der entsteht nur, wenn man möglichst viele Tools, Ansätze, Methoden und Strategien kennt und dabei über den Tellerrand der eigenen Profession bzw. auch über den Tellerrand von Domänen wie Kommunikation vs. Management hinausschauen kann.

Hier hilft die Campaigning-Formel, nach der Campaigning das (mathematische) Produkt aus Kommunikation und Intervention (=Management-Domäne) ist, was eine weitere Definition des Begriffs Campaigning darstellt, die aber durchaus identisch mit der obigen ist. Wer viele Register kennt, kann zwischen ihnen hin und her springen und sich entsprechend quer bewegen.

Ein weiterer Ansatz ergibt sich aus der Präzision im Texten und Formulieren, einer der Kernkompetenzen von guten Campaignern. Kernkompetenz deshalb, weil es ganz entscheidend darauf ankommt, wie gut ein Ziel formuliert ist, um eine erfolgreiche Strategie zu finden (oder eben auch nicht). Dazu muss man verstehen, warum und wozu ein Ziel erreicht werden soll und wie die Zielerreichung gehen soll. Hierzu habe ich in meinem Referat eine Anleitung in Form von vier Fragen gegeben, angelehnt an «The Work of Byron Katie»:

  1. Beschreibt das formulierte Ziel wirklich, was ich erreichen will?
  2. Würde ich mein Leben darauf verwetten?
  3. Was wäre, wenn die Zielformulierung falsch wäre –wie würde ich das Ziel dann formulieren?
  4. Wie lautet das Gegenteil dieser Zielformulierung?

Ansatz Nr. 3 ist der Wechsel des Blickwinkels. business campaigning GmbH bietet als Servicepaket die Entwicklung von Kampagnenstrategien durch die Zielgruppe an. Getreu dem Motto, wenn der Fisch den Köder selbst entwickelt, beissen auch andere Fische der gleichen Art darauf an, haben wir so schon Kampagnen entwickelt, die bis zu vier Mal wirkungsvoller waren als solche, die von Kommunikationsprofis am Schreibtisch entwickelt wurden. Wir nennen diese Strategie-Workshops «Target Community Lab™s». Sie führen dazu, dass durch die Teilnehmenden der Kristallisationskeim für die erste Fan-Community entsteht. Mehr dazu hier.

Ansatz Nr. 4 ergibt sich aus dem Konzept der Komplementoren, das ich in meinem Buch «Business Campaigning» beschreibe.

Last not least: Machen Sie es wie Anaximander! Der fand eine Lösung für das Problem, wohin die Erde fällt, wenn alles runterfällt: Er fand eine andere Formulierung, die die Beobachtungen genau gleich gut beschrieb, aber nicht erforderte, dass auch die Erde fällt. Statt «alles fällt herunter» sagte er «alles fällt zur Erde». Problem gelöst. Womit wir wieder bei der Präzision im Texten und Formulieren wären, aber auch bei Logik & Analytik, einer weiteren der fünf Kernkompetenzen von guten Campaignern.

Fazit: Querdenken bedeutet nicht notwendigerweise und primär, dass die Lösung originell ist, sondern dass es sich um eine Lösung handelt, auf die man nicht gekommen wäre, hätte man sich nur auf ausgetrampelten Pfaden bewegt. Es geht auch nicht ums Anders-sein.

Mehr zu diesen Themen können wir am Campaigning Summit Switzerland 2016 diskutieren. Nutzen Sie den Frühbücher-Rabatt, solange es ihn noch gibt. Demnächst beginnen wir mit der Bekanntgabe der Referenten. Über die erste Zusage freue ich mich ganz besonders, weil dieser Referent einen sehr wichtigen Input zu den 14 Strategischen Campaigning Grundsätzen lieferte.

Ebenfalls erwähnen sollte ich noch, dass Farner PR während der Messe die Lancierung des Swiss Campaigning Networks bekannt gab. Wer nun erwartet, dass ich darauf reagiere, wird enttäuscht sein. Was soll ich dazu schreiben, dass auf einmal ein Dutzend Agenturen als Campaigning-Agenturen bezeichnet werden, die den Begriff vor ein paar Monaten vermutlich nicht einmal kannten? Campaigning erfordert so viel Knowhow über alle möglichen Tools, Tricks und Methoden. Das kann man nicht von heute auf morgen lernen. Durchaus möglich wäre aber, dass es in der einen oder anderen Agentur Naturtalente gibt. Das kann ich nicht beurteilen, weshalb ich auch nichts dazu zu sagen habe. Ich habe Farner PR jedenfalls schon mal mitgeteilt, dass ich mir durchaus vorstellen kann, sie als Dienstleister eines Tages beizuziehen, wenn wir selbst das Network gut gebrauchen könnten und vorausgesetzt, die Agenturen verstehen in der Tat etwas davon, ALLE Register ziehen zu können (und nicht nur etwas von PR, Werbung und Social Media).

grenzdenken.ch

Ein Motto des Campaigning Summit Switzerland ist «über den Tellerrand schauen», eine Gewohnheit, die allgemein dem Campaigning nützlich ist, denn nur so ist man in der Lage, die richtigen Lösungsansätze, Tools und Massnahmen zu identifizieren, die bei einer gegebenen Herausforderung die schnellste, effektivste und effiziente Zielerreichung bewirken. Hin und wieder wird Campaigning deshalb auch als «eine spezielle Art zu denken», eine bestimmte Denkweise definiert.

Ein paar Wochen vor dem Campaigning Summit Switzerland 2015 lernte ich an einem Networking-Event der SuisseEMEX, dank Ewa Ming, Karem Albash kennen, der den Querdenker-Tag veranstaltet. Wir stellten schnell fest, dass wir eine gemeinsame Mission haben: das laterale Denken zu promoten. Laterales Denken ist ein anderes Wort für Querdenken. Edward de Bon beschreibt es sehr schön in seinem Buch «Think!: Denken, bevor es zu spät ist» und in meinem «business campaigning®» Modell findet es seinen Ausdruck im Strategischen Campaigning Grundsatz Nr. 5 (Flexibilität pflegen). Schnell entschieden wir, zusammenzuarbeiten. Karem bewarb den Campaigning Summit Switzerland mit der Message «dieses Jahr findet kein Querdenker-Tag statt, aber der Campaigning Summit Switzerland stellt eine gute Alternative dar». Zudem machte er mich auf die Veranstaltung «grenzdenken.ch», die der Internet-Unternehmer Christoph Lanter aus Weinfelden dieses Jahr zum ersten Mal veranstaltete. Als er sich dazu entschied, wusste er noch nichts vom Querdenker-Tag und vermisste eine Veranstaltung, die sich diesem Thema widmete. Also lancierte er selbst eine. So ging es ja auch uns, als wir den Campaigning Summit Switzerland lancierten.

Freitag und Samstag war ich nun dort. Es gab eine Menge spannender Referate. Auch die Hin- und Rückfahrt mit dem Motorrad auf wunderschönen Landstrassen lohnte sich. Am meisten faszinierte mich das Referat von Erich von Däniken. Nicht einmal unbedingt wegen seiner verwegenen Theorien oder wegen der Vitalität und Energie, die er mit 80 Jahren an den Tag legte. Sondern vielmehr wegen der grossen Diskrepanz zwischen seinem Image und dem, was er wirklich zu sagen hat. Ich ging mit grosser Skepsis in dieses Referat, weil ich ihn für den Spinner hielt, als der er immer dargestellt wird, erlebte aber einen Mann, der einfach nur Falten zusammentrug und auflistete und dann seine eigene Theorie dazu präsentierte mit der Botschaft, wir sollen nicht alles glauben, was uns erzählt wird, sondern uns unsere eigenen Meinungen bilden. Wissenschaftlicher geht es nicht mehr. Erich von Däniken ist bis an die Grenze mit seinem Denken gegangen, aber er hat dabei – nach meinem Eindruck vom Freitag – niemals den Boden der Plausibilität verlassen; zumindest nicht mehr als Einstein, als der die Relativität der Zeit postulierte und die Pioniere der Quantenmechanik mit ihren Theorien zur Erklärung von Unschärferelation, Orbitalen Welle-Teilchen-Dualismus und der Schrödinger’schen Katze.

Auch die anderen Referate überraschten. Referate, deren Themen auf den ersten Blick als nicht besonders grenzdenkerisch schienen, entpuppten sich als spannend und zum Nachdenken anregend. Und um letzteres ging es ja vor allem. Es hab viel zu diskutieren und ich habe interessante Menschen kennengelernt, die mit mir die Leidenschaft zum (echten) Querdenken teilen. Das nächste grenzenden.ch ist am 15. und 16. April 2016 und bereits in meinem Kalender eingetragen.