Blick, Jolanda Spiess-Hegglin, Shitstorm und ich auf einmal mittendrin…

Montags habe ich immer durchgehend One-on-one-Meetings mit  Mitarbeitenden. Ich war letzten Montag in solch einem Meeting, als eine Journalistin des Blick anrief. Ausnahmsweise unterbrach ich die Besprechung, um abzunehmen und zu fragen, ob ich zurückrufen kann. Man weiss ja nie, wie dringend eine solche Anfrage ist. Und als Inhaber einer Campaigning-also-auch-Kommunikationsagentur sollte man sich um Medienanfragen immer sofort kümmern. Das allerdings erwies sich als Fehler. Denn ich tat genau das, wovon ich jeden anderen abhalten würde.

Die Journalistin wollte eine Stellungnahme zur Reporter-Sendung vom Vorabend, in der Frau Spiess-Hegglin Einblicke in ihr Leben gab, in der Wohnung filmen und auch ihren Mann zu Wort kommen liess. Vor allem aber stand, nach Aussage der Journalistin, die Geschichte, die Frau Spiess-Hegglin im ganzen Land berühmt gemacht hatte, im Zentrum der Dokumentation. Ich will diese Geschichte hier bewusst nicht aufwärmen, indem ich einen Link setze. Wer sie kennt, weiss worum es geht, und alle anderen dürfen jetzt aufhören zu lesen.

Ich sagte, dass ich wohl die falsche Person sei, weil ich weder die Sendung gesehen noch die Geschichte von damals gut genug kannte.

Vielleicht hätte ich dazu sagen sollen, dass ich letztere wohl vor allem deshalb nicht kannte, weil ich sie bewusst ignoriert hatte. Mir war aus der Arbeit der letzten 19 Jahre mit betroffenen Personen, Organiationen und Unternehmen – und auch aus der Zeit davor bei Greenpeace – bewusst genug, dass man nicht immer alles glauben darf, was in den Medien steht und dass es Journalisten bzw. Medien gibt, die vor nichts zurückschrecken, wenn sie eine skandalträchtige Geschichte wittern. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Und vor allem war ich ja in diesem Meeting und wollte das Telefongespräch kurzhalten.

Die Journalistin sagte, ich müsse weder den Film noch die Geschichte von Frau Spiess-Hegglin kennen, um ihre Frage zu beantworten. Sie wolle lediglich wissen, ob ich der Meinung sei, dass eine solche Dokumentation dazu geeignet sei, einen möglichen Reputationsschaden wieder gutzumachen. Darauf dachte ich antworten zu könnnen, denn das ist eine Frage im Stil von «Wird die Strasse nass, wenn es regnet?».

Meine Antwort war dann natürlich nicht so einfach, wie es im Artikel scheint. Ich sagte, ich kenne die Ziele nicht, die Sie mit der Dokumentation vielleicht erreichen wollte. Ohne diese Ziele zu kennen, falle es schwer, zu beurteilen, ob das eine gute Idee war oder nicht, und ich möchte dazu auch gar nichts sagen. 

Aber wenn es nur um den Wiederaufbau der Reputation ginge, dann wäre es sicher besser, Gras über die Sache wachsen zu lassen und sie langsam der Vergessenheit preiszugeben, indem sie sich neuen Themen zuwendet. 

Zu dieser Aussage stehe ich weiterhin, denn ohne neue Fakten wird es nicht gelingen, weniger gut Gesonnene von ihrer Sicht zu überzeugen, ihre Anhänger werden sie sowieso weiterhin unterstützen und die breite Masse dazwischen fragt sich nur, wieso die Geschichte dauernd wieder aufgewühlt wird. 

Letzteres kann für die Reputation sogar noch schädlicher sein, als nichts zu tun. 

Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass das nicht einfach ist, denn ich stand auch schon in der Schusslinie. Manchmal macht es dann Sinn, sich zu wehren und manchmal macht es die Sache nur noch schlimmer. 

Ich sagte aber auch, dass dies anders sei, wenn es neue Fakten gebe. Dann könne es sich unter Umständen lohnen, wieder aktiv zu werden. Aber wenn nicht, sei es besser, durch neue Themen die Sache vergessen zu machen. 

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich von Netzcourage.ch nichts. Hätte ich das gewusst, hätte ich ergänzt, dass sie die Erinnerung und an die damalige Geschichte vielleicht bewusst aufrecht erhalten unter Inkaufnahme des «Reputationsschadens», wenn man das überhaupt so nennen will, denn für manche UnterstützerInnen ist sie nun eher eine Heldin, die sich auflehnt und wehrt. Da können ihr die anderen ja vielleicht egal sein, die anders denken. 

Ich bin unbedacht in ein Fettnäpfchen getreten und habe mich dafür bei Frau Spiess-Hegglin mittlerweile entschuldigt. Denn das war sicher nicht meine Absicht. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Wüsste ich nicht, Verantwortung für mein Tun zu übernehmen, würde ich mich wahrscheinlich sogar vom Blick übertölpelt fühlen. Aber ich wusste ja, wie man sich richtig verhält. Dass ich es nicht getan habe, kann ich nicht auf den Blick schieben. 

Meine Lehre daraus wird deshalb sein, was ich anderen in solchen Situationen rate (in eigener Sache macht man ja immer alles falsch, so wie ein Arzt sich nicht selbst kurieren kann…): statt schnell zu antworten zuerst einmal recherchieren, mir ein umfangreiches Bild machen und erst dann, in Kenntnis auch der Dinge antworten, die mir sonst nicht bewusst gewesen wären. Einen Rückruf vereinbaren anstatt zwischen Tür und Angel sofort zu antworten.

Netzcourage.ch wünsche ich viel Mut, Kraft und ein gutes Urteilsvermögen, beim Engagement für Ausgewogenheit in der Berichterstattung und Frau Spiess-Hegglin, dass sie erreicht, was für sie und ihre Familie das Beste ist.

„Herzlichen Glückwunsch! Ihr Buch wurde im Kindle-Shop veröffentlicht!“

Hallo von Amazon KDP!

Das Buch, „Das AC/DC Prinzip“ welches Sie für KDP eingereicht haben, wurde nun im Kindle-Shop veröffentlicht und steht bereits zum Verkauf zur Verfügung hier. (…)

Gestern Abend während des ‚77-Konzerts im Hirscheneck in Basel erreicht mich diese freudige Nachricht. Nun ist mein zweites Buch endlich veröffentlicht: „Das AC/DC Prinzip„. Zweieinhalb Jahre dauerte es von der Idee bis zur Publikation.

Das Buch geht zurück auf eine Überlegung, die ich mir während des Rückflugs vom AC/DC Konzert in Hannover 2010 machte – wie die 14 Strategischen Campaigning Grundsätze vielleicht mithelfen können, den enormen Erfolg dieser Band zu verstehen.

Im Frühling 2012 setzte ich die Idee endlich in Form von 14 Blogbeiträgen um.

Weitere Recherchen und die Mithilfe von ein paar hartgesottenen AC/DC-Fans liessen dann ein Buch entstehen, das Einblick in die Natur von AC/DC gibt, dabei hilft, deren Erfolg zu verstehen und vielleicht auch Inspirationen für eigene Erfolgsgrundsätze vermitteln kann – im Beruf, in der Kommunikation, im Marketing und bei der Unternehmensstrategie; immer dann, wenn es darum geht, Menschen zu bewegen, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen oder eine Idee zu verwirklichen.

Das Buch ist vorerst nur im Kindle-Store und auf Deutsch erhältlich. Eine gedruckte, sowie eine englische Ausgabe sind in Planung.

Das AC/DC Prinzip gibt es hier.

Die Theorie zum Buch als Seminar gibt es im Rahmen meines nächsten Campaigning Seminars am 14./15. Januar 2013 hier.

„Community-Marketing erweitert den klassischen Marketingmix“ (reloaded)

Heute morgen hat SonntagsZeitung-Redakteur Barnaby Skinner darüber getwittert, dass Lady Gaga nun ihr eigenes Social Network gegründet hat. Das erinnerte mich an einen Artikel, den ich am 13. Deze,her 2006 in der Handelszeitung veröffentlichen  durfte, in dem ich voraussagte, dass Agenturen in Zukunft eigene Communities aufbauen werden, innerhalb derer sie dann für ihre Kunden ganz gezielt kommunizieren und vermarkten können, weil sie diese Community sehr gut kennen und ein gewisses Loyalitätsverhältnis besteht:

Community-Marketing erweitert den klassischen Marketingmix

Diesen September kaufte Rupert Murdoch die Jugendplattform MySpace, im Oktober Google die Plattform YouTube, und Sat1 beteiligte sich an Lokalisten.de. Hintergrund für das wachsende Interesse an Online-Communities ist die Erkenntnis, dass sie für das Marketing in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden – unter anderem, weil man hier gezielt das junge Publikum ansprechen kann, das sich von den klassischen Kanälen mehr und mehr abwendet.

Communities – ob online oder offline – zeichnen sich durch eine Reihe von Faktoren aus, die sie für das Marketing besonders interessant machen. Sie haben gleiche Interessen oder stehen hinter einer verbindenden Idee, teilen sich quasi eine Lebenswelt, sind ohne grosse Streuverluste effizient und effektiv zu erreichen und nicht selten untereinander vernetzt. Letzteres erleichtert das Initiieren von viraler Kommunikation, bei der Informationen, Ideen oder Botschaften sich ähnlich verbreiten wie Viren, im Wesentlichen also gratis. Communities sind auch relativ leicht zu mobilisieren, weil die gemeinsame Idee dazu führt, dass sie sich auch gerne ehrenamtlich engagieren. Dies wiederum erleichtert den direkten Dialog mit der Zielbzw. DialogGruppe, was hilft, die Kommunikation permanent zu verbessern und eine effiziente Wirkungskontrolle zu betreiben.

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business campaigning Modell auf nur einer DIN A4 Seite

Das nenne ich echte Leistung und Engagement. Martin Gallmann, Betriebswirtschafter und Personalberater, der mich kürzlich als Referent im MAS Communication Management an der Hochschule Luzern erlebte, hat es geschafft, mein business campaigning Modell auf einer einzigen DIN A4 Seite unterzubringen, ohne etwas wesentliches auslassen zu müssen. Ich war wirklich tief beeindruckt, als ich diese Darstellung zum ersten Mal sah, und möchte mich bei dieser Gelegenheit bei Martin bedanken und die Grafik anderen Interessierten zur Verfügung stellen. Hier geht’s zum Download: business campaigning Modell à la Martin Gallmann (pdf).

Weil’s so schön war…

Kürzlich bekam ich ein Feedback zum letzten Campaigning-Seminar, das ich hier anonymisiert wiedergebe:

„Liebe Mit-Campaigner, ich habe gestern meinen Input zum „(Name des Projekts)“ in der Vorstandssitzung präsentiert. Mein Vorschlag für „back to the roots“ d.h. Ansetzen bei der Vision (was will die (Name der Organisation)? was wollen die (Name des Projekts)-Kunden?), ist – nach einer lebhaften Diskussion – auf fruchtbaren Boden gefallen. Sich der „vier Ebenen“ (Vision, strategisch, operativ, taktisch) bewusst zu werden, hilft sehr, (scheinbar) festgefahrene Probleme nochmals neu anzugehen. Es ist halt oft so, dass man die eigentlichen Ziele während des taktischen „Feuerlöschens“ aus den Augen verliert und sich dann möglicherweise irgendwo wiederfindet, wo man gar nicht hin wollte…“

Und weil’s so schön ware, biete ich gerade nochmal ein Seminar an, am 14. und 15. Januar 2013:  http://www.amiando.com/CampaigningSeminar

10 Jahre pro:campaigning – wir feiern, wer feiert mit?

Am 13. Juni wird pro:campaigning 10 Jahre alt!

In diesen zehn Jahren haben wir Qualitätskriterien entwickelt und viel Erfahrungsaustausch betrieben. Grund genug, zu feiern, und die interessierte Öffentlichkeit dazu einzuladen.

Und zwar am Montag, den 11. Juni

16:30 – 17:00 Referat 1: Rock’n’Roll like Campaigning – AC/DC und die 14 Strategischen Campaigning GrundsätzePeter Metzinger
Die 14 Strategischen Campaigning Grundsätze sind eine Liste von Spielregeln, die die Erfolgswahrscheinlichkeit von Kampagnen und Veränderungsprozessen erhöhen, wenn man sich daran hält. Peter Metzinger wird am Beispiel AC/DC aufzeigen, wie das aussehen kann. Kein Wunder, denn das Motto seiner Agentur business campaigning Switzerland GmBH lautet «Campaigning like Rock’n’Roll».
17:00 – 17:15 Pause
17:15 – 17:45 Referat 2: Corporate Publishing in Zeiten von Social Media, Martin Fritsche
Martin Fritsche von infel wird aufzeigen, wie der Shift von ‚bought media‘ zu ‚owned media‘  Corporate Publishing auf den Kopf stellt:
1. neue Anforderungen an Medienmix (von print zu digital und interaktiv)
2. neue Anforderungen an Content (von Issues zu Streaming)
3. neue Anforderungen an die Strategie (seedening, deepening, broadening).
Anschliessend Diskussion, Erfahrungsaustausch, Bier, SIR MOUNT H, Currywurst nach Berliner Originalrezept, 10-Jahresfeier mit Rock’n’Roll, Open End (am besten den 12. Juni morgens freinehmen)

Kinospot für Privatkliniken Schweiz produziert

Ab dem Jahr 2012 tritt das neue Krankenversicherungsgesetz in Kraft. Dann wird die Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten Spitälern aufgehoben. In Zukunft beteiligt sich der Kanton mit 55% der Kosten an allen Spitälern, auch an den Privatkliniken. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass ein Spital auf der so genannten Spitalliste steht. Weil die Kantone, als Besitzer der öffentlichen Spitäler, darüber entscheiden, wer auf die, für das Überleben eines Spitals essentielle, Liste kommt und wer nicht, ist Fairness bei der Auswahl ganz entscheidend. Nicht zuletzt deshalb beauftragte der Verband Privatkliniken Schweiz meine Agentur business campaigning Switzerland schon 2009 mit der Verwirklichung eines angemessenen Online-Auftritts, der vor allem aufzeigen soll, dass Privatkliniken nicht teurer sind als öffentliche Spitäler: www.unserspital.ch

Eine weitere Konsequenz war die Produktion eines Imagefilms, der zur Zeit in den Schweizer Kinos läuft, und der das Ziel hat, beim Kinopublikum zu verankern, dass Privatkliniken auch in der Grundversicherung Dienstleistungen anbieten, die für uns alle unverzichtbar sind. Sie sind in jeder Situation für uns da.

Ein Koproduktion von business campaigning Switzerland GmbH und 4-Films GmbH

Kodex für professionelle Krisenkommunikation verabschiedet

Die 2. Generalversammlung des Schweizer Verbandes für Krisenkommunikation (VKK) hat am Dienstag einen Kodex für Krisenkommunikation (pdf) verabschiedet. Dieser legt erstmals Qualitätsmassstäbe für die Beratungsarbeit fest und ist für die VKK-Mitglieder verpflichtend, wenn sie Kunden in Krisensituationen kommunikativ unterstützen. Also auch für mich verpflichtend. Leider konnte ich am Dienstag nicht dabei sein, freue mich aber sehr, dass folgende Passage entsprechend meinem Vorschlag aufgenommen wurde: „Wir orientieren uns am Grundsatz der offenen, transparenten und wahrhaftigen Kommunikation.“ Dieser Formulierung gingen Diskussionen darüber voraus, dass es manchmal durchaus besser sein kann, nicht immer alles sofort zu kommunizieren, sondern den richtigen Zeitpunkt abzuwarten, ohne dadurch etwas vertuschen oder die Unwahrheit erzählen zu wollen.

Pro Nuclear Campaigning Strategy in Germany

Just now I posted an article on a leaked strategy paper by the German nuclear industry to the blog of pro:campaigning. It is a masterpiece of campaigning concept that you can learn a lot from. Read it here.

Kurs mit mir: Krisenmanagement – Organisation, Kommunikation und Bewältigung von Krisen

Kursinhalt

Wenn die Reputation eines Unternehmens Schaden nimmt,  zeigt sich das nicht selten im Aktienkurs und an der Verkaufsfront. Internet und soziale Medien erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem Vorfall eine Krise wird. Rechtzeitige Krisenprävention hilft Schaden vermeiden: Feuerlöscher und Rauchmelder installiert man, bevor es brennt! Wer vorbereitet ist, hat bessere Chancen und kann auch die Potentiale nutzen, die in jeder Krise stecken. Sie verantworten die organisatorische und kommunikatorische Bewältigung von Krisen Ihres Unternehmens? Sie möchten einer Krisensituation mit den richtigen Werkzeugen begegnen? Der strategische Krisenplan soll gut vorbereitet sein? Dieser media workshop vermittelt Ihnen die notwendige Sicherheit.

 

Themenschwerpunkte

  • Arten und Früherkennung von Krisen
  • Verlauf und Dynamik von Krisen
  • Arbeitsweise von Journalisten und Medien in Krisensituationen
  • Aufbau eines nationalen oder internationalen Krisenmanagements
  • Media-Relations während der Krise
  • Social Media: eine neue Qualität in der Kommunikation
  • Erarbeitung von Krisenmanagement- und -kommunikationskonzepten

Bonus: Jeder Teilnehmer erhält ein Set von praxiserprobten Checklisten, die bei der Krisenprävention helfen.

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