Die Kampagne easyvote

Die Kampagne easyvote läuft seit letztem Jahr und gehört zu dem Dachverband Schweizer Jugendparlamente DSJ. Getreu dem Motto «Von der Jugend für die Jugend!» ist die Förderung der politischen Partizipation von Jugendlichen bei Wahlen und Abstimmungen das primäre Kampagnen-Ziel. Insbesondere sollen auch Neu-WählerInnen durch die Abstimmungshilfe easyvote politisch neutral informiert und aufgeklärt werden.

Der Kontakt zu easyvote fand erstmals über das Campaigning Netzwerk statt, vor allem daher, weil sie mein Buch kannten und einsetzen. Es bildet die Grundlage für die Kampagnenstrategie. Besonders hilfreich seien dabei die Campaigning Arena, die Zielgruppenorientierung, SCG1 (polarisieren, profilieren, positionieren) und die Formel I^4 gewesen, so easyvote.
Bevor die Kampagne starten konnte, wurde zunächst eine Campaigning-Analyse durchgeführt. Dazu fand vor circa einem Jahr der erste gemeinsame Workshop mit zahlreichen Campaigning-Experten statt, darunter auch Daniel Jörg von Farner, der aber nur dieses eine Mal dabei war und danach nicht mehr aufgeboten wurde.

Aufgrund meines Inputs und auch, weil mein Buch so klar betont, wie wichtig es ist, herauszufinden, was die Zielgruppe WIRKLICH bewegt, wurde eine Umfrage in Auftrag gegeben, um die Zielgruppe der jungen Wähler besser zu verstehen. Die Durchführung der Studie wurde von der gfs.bern AG (http://www.gfsbern.ch/de-ch/) übernommen. Die aus den Daten erstellte Zielgruppenanalyse zeigte die richtigen Tools und Methoden auf, mit denen Jungendliche WIRKLICH zu bewegen sind. (Es liegt in der Natur des business-campaigning-Modells auf echte Zielgruppen-Orientierung hinzuwirken und den Fehler zu vermeiden, man wisse, wie diese ticken.) So zeigte sich, dass nicht etwa – wie zuerst vermutet – Partys oder fancy Aktionen effektiv sind, nein es sind die seriösen, persönlichen Gespräche, die die Jugendlichen aktivieren. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde die Kampagnenstrategie entwickelt, die auf die beiden Stränge «Hemmnisse abbauen» und «Politisches Interesse wecken» setzt.
In der ersten Aprilhälfte leitete ich aus diesem Anlass bei easyvote zwei weitere Campaigning-Workshops. Das Team von easyvote hatte mit Hilfe meines Buches eine tolle Vorarbeit geleistet und einen Kampagnenplan entwickelt, der sich sehen lassen konnte. Es gab aber dennoch eine ganz wichtige Arbeit zu tun, vor der man sich nur allzu gern drückt, die aber den Schlüssel zum Erfolg liefern kann: die Ziele konkretisieren. Gemeinsam machten sich das Team von easyvote, externe Experten wie Marc Balsiger, Nicola Forster und Daniel Graf sowie Vertreter verbündeter Organisationen an die Arbeit. (An dieser Stelle nochmal vielen Dank an meine Kollegen und das engagierte Team von easyvote für die sehr gute Zusammenarbeit).
Zur Konkretisierung der Strategie wurden klare Ziele definiert: Steigerung der Wahlbeteiligung von 32% auf 40% (im Vergleich zur letzten Wahl 2011), d.h. 20.000 zusätzliche WählerInnen, insbesondere auch die NeuwählerInnen zwischen 18 und 23 Jahren. In der Diskussion darüber, wie man diese erreicht, wurden verschiedene Zielgruppen-Kategorien festgelegt. Als Ergebnis wurde folgende Zielsetzung für Oktober 2015 definiert: 10’000 NeuwählerInnen, 5’000 Wechselwähler/innen und 5’000 in der gfs-Studie als Internet-affin bezeichnete WählerInnen. Die konkrete Vorstellung vom Ziel machte auf einmal auch die Vorstellung davon konkret, wie man das Ziel erreichen kann. So entstand schnell die Idee, die Zielgruppe über so genannte WahlhelfernInnen zu mobilisieren, welche die Jugendlichen in persönlichen Gesprächen informieren. Um die Anzahl von 20’000 jungen Wählern zu erreichen, braucht es circa 1’000 solcher WahlhelferInnen. Gleichzeitig sollen diese ihr Engagement online sichtbar machen.

Die Ergebnisse des Workshops können in folgender Medienmitteilung nachgelesen werden:
https://www.easyvote.ch/fileadmin/files/News_und_Medien/Medienmitteilungen/2015_04_16_Medienmitteilung_easyvote.pdf

Kampagne in eigener Sache – gegen die tägliche Schikane auf Zürichs Strassen

Letzten Oktober erhielten wir Freitags einen Brief, in dem wir darauf hingewiesen wurde, ab Montag sei unsere Strasse für einen sechsmonatigen Versuch sieben Stunden lang täglich durch zwei Barrieren für den motorisierten Verkehr gesperrt. Es gebe zu viel „Schleichverkehr“ in unserer als Quartierstrasse deklarierten Verbindungsstrasse zwischen dem industriegebiet Binz und dem Goldbrunnenplatz. Ich dachte zuerst, das müsse ein Missverständnis sein, und kontaktierte das Tiefbauamt der Stadt Zürich, um in Erfahrung zu bringen, wie wir Anwohner und die hier arbeitende Bevölkerung die Schranken öffnen könnte. Antwort: nicht vorgesehen. Auch uns Anwohnern wurde die Benutzung unserer Strasse unmöglich gemacht. Schlaflose Nächste angesichts von so viel Willkür, Bevormundung und Ohnmacht waren die Folge.

Ein paar Wochen später machte ich mich auf die Suche nach Verbündeten und fand sie in der Buchbinderei Renfer, einem kleinen Familienbetrieb direkt an der Barriere. Diese alteingesessenen Quartierbewohner bekamen nun den ganzen Lärm, die Luftverschmutzung und den Ärger all der Autofahrer ab, die völlig überrascht vor einer geschlossenen Barriere standen und die Punktlichkeit ihres Ankommens am jeweiligen Ziel bachab schwimmen sahen… Die meisten wendeten sehr schnell und fuhren mit überhöhtem Tempo zurück. Überhaupt waren die Folgen dieses Versuchs, der der Verkehrsberuhigung dienen sollte, katastrophal: Die Barrikaden führten zu mehr Verkehr und für uns Anwohner zu mehr Lärm und mehr Luftverschmutzung. Sie erhöhten das Unfallrisiko, weil überraschte Autofahrer mit erhöhter Geschwindigkeit zurück rasten oder die Barrikaden ignorierten und über den Fussgängerweg fuhren. Einigen Anwohnern wurde mehrfach der Gartenzaun beschädigt. Im gesamten Wohnviertel wurden die Einbahnstrassen missachtet, Fahrzeuge kamen mit hoher Geschwindigkeit aus der falschen Richtung an einem vorbeigeschossen. Hätte ein Ambulanzwagen durch die Haldenstrasse müssen, wären wertvolle Minuten – und möglicherweise sogar Menschenleben – verloren gegangen.

Nach einer Rücksprache mit Gemeinderätin Cäcilia Hänni (FDP), die, wie ich von den Renfers erfuhr, ebenfalls aktiv in dieser Sache war, luden wir zu einer Gründungsveranstaltung für eine Interessengemeinschaft ein. So wurde am 19. Dezember 2011 die Interessengemeinschaft Freie Zufahrt Haldenstrasse gegründet, zu Beginn mit 22 Mitgliedern, heute sind wir schon 39.

Der Rest war Kampagnen-Handwerk: WordPress-basierte Website (www.FreieDurchfahrt.ch), Medienarbeit, eigene Verkehrszählungen, Kontakt mit den Behörden, Unterschriftensammlung für eine Petition. Denn die Stadt will noch diesen Monat entscheiden, wie es mit unserer Strasse weitergehen soll. Zur Strategie möchte ich mich nicht äussern, da wir sehr engagierte und auch in politischen Dingen erfahrene Gegner haben, die am liebsten das ganze Quartier mit Barrieren zupflastern würden. Ausser, dass wir für kreative Lösungen plädieren, die die Interessen aller berücksichtigen und in der Kommunikation auch kreative Lösungsfindung als Thema behandeln – frei nach Edward de Bonos Lateralem Denken.

Zudem ist es kein Geheimnis, dass wir als strategisches Thema die Verkehrspolitik der Stadt Zürich insgesamt aufgegriffen haben. Denn Durchgangsverkehr in den Quartierstrassen entsteht vor allem dann, wenn die Hautpstrassen verstopft sind. Und dass die Stadt Zürich den täglichen Stau bewusst und gezielt herbeiführt, ist ein offenes Geheimnis. Gegenüber der New York Times gab ein Zürcher Verkehrsplaner letztes Jahr offen zu, dass man sogar Überstunden mache, um möglichst viel Stau zu produzieren. (Er wurde dann ganz schnell zurückgepfiffen.) Stau bedeutet mehr Lärm und eine höhere Luftbelastung. Aus ökologischen Gründen könnte man das gut finden, wenn man annehmen würde, dass es dazu führen würde, dass weniger Personen Auto fahren. Dem ist aber nicht so. Wir sind überzeugt, wer heute noch Auto fährt, tut dies, weil er es muss. Somit werden die Leute unnötig gestresst. Hinzu kommt, dass ja auch der öffentliche Verkehr an der Kapazitätsgrenze ist. Vorbei sind die Zeiten, als ich noch Tram fuhr, um in Ruhe im Tram arbeiten zu können. Heute kann man froh sein, wenn es nicht zu eng ist, um sms schreiben zu können. Da ist man als ÖV-Benutzer für jeden Autofahrer dankbar..

Vorgestern durften wir Stadträting Ruth Genner unsere Petition überreichen. Mit 918 Unterschriften (heute schon 922, es kommen immer noch weiche rein) haben wir deutlich mehr als die Barrikaden-Fans. Wir sind gespannt, ob die Stadt dies berücksichtigt.