«Covid-19 – Das Totalversagen der Schweizer Politik»

Diesen Kommentar in der Mittelländischen Zeitung muss man gelesen haben. Treffender kann man #SwissCovidFail kaum auf den Punkt bringe. Ein paar Zitate:

Innerhalb einiger Monate hat sich die Schweiz zum lächerlichen Mittelpunkt der weltweiten Pandemie entwickelt, zum Gespött und zur Gefahr für und der Nachbarstaaten.

Mitten in der Pandemie wird Werbung für Skiferien gemacht, marode ausländische Fluggesellschaft „gerettet“, nicht einsatzfähige Kriegsspielzeugflieger gekauft, die Kulturbranche nachhaltig zerstört, politische Fehlentscheide (wie immer) auf dem Buckel der Ärmsten getroffen, um nur einige Eckpunkte des Totalversagens zu erwähnen. Nur die Schweizer selber haben immer noch das Gefühl, sie seien etwas Besonderes. Ein Land, das den Start der Pandemie verpennt hat, trotz xfacher Warnungen verschiedenster Experten. Kein Pandemieplan, keine Strategie, keine Masken, keine Desinfektionsmittel, ein unfähiges Gesundheitssystem – in einem der reichsten Länder der Welt. Zurecht zu einer Lachnummer avanciert. Trotzdem stolzieren Politiker und Wirtschaftsgrössen durch die Medien, als hätten sie gerade die Welt gerettet. Über 7000 zusätzliche Todesfälle gehen auf deren Konto. Schlechtes Gewissen? Fehlanzeige! …

Sogar Herren, die das Volk über Monate schamlos belogen haben (Masken, Beatmung, Rolle der Kinder, Desinfektionsmittel usw.), werden von einer verirrten Minderheit als Schweizer des Jahres skandiert. Einen Lügner! Unglaublich. … „Daniel Koch missachtete bei seiner Aussage also wiederholt die bereits damals vorliegenden medizinisch-wissenschaftlichen Datenlagen…“

Auch jetzt, heute, wo feststeht, dass bisher Eingetroffenes erst das Vorspiel war und die richtige Katastrophe erst am Entstehen ist, vergnügt man sich lieber auf Skipisten. Jedes andere Land hätte solch unfähige Exponenten längst freigestellt und zur Verantwortung gezogen. Hier lobt man lieber, …

Auch jetzt bei der Beschaffung von Corona-Impfstoffen … Totalversagen. Wer das erneut ausbaden muss, steht ebenso fest wie die Ausreden für das erneute Versagen.

Es ist ein politisches Versagen, dass verschiedene Minister oder Behördenleiter nicht gefeuert wurden, die nicht rechnen können und bis heute keine Infektionszahlen in Echtzeit liefern. Aber dass viele Entscheidungsträger schlicht inkompetent sind, ist ein tiefergehendes gesellschaftliches Problem. …

Der Schweizer Historiker und Politikwissenschafter Joseph de Weck hat darüber einen viel beachteten Artikel («Switzerland Is Choosing Austerity Over Life» – also sinngemäss «Die Schweiz stellt Sparsamkeit vor Menschenleben») im renommierten US-Magazin «Foreign Policy»
geschrieben. Er geht davon aus, dass Aussagen wie jene von Ueli Maurer in Frankreich zu einem Rücktritt führen würden. Unprofessionalität, Arroganz, mangelnde Ethik und teilweise Ignoranz der Landesregierung stossen nicht nur ihm auf.

… Für die Schweiz ist es vollkommen in Ordnung, eine Debatte über eine vermeintliche Güterabwägung zwischen Gesundheit und Geld zu führen.
Der Unterschied zur Schweiz ist, dass die anderen Nationen irgendwann kapiert haben, dass sie es nicht hinkriegen, die Zahlen stabil zu halten, sondern dass sie dabei sind, in eine exponentielle Steigerung hinein schlafzuwandeln. Dann haben sie einen Kurswechsel vollzogen, die Schweiz nicht.

In einem Interview mit SRF sagt de Weck: „Ich verwende immer dieses Beispiel von dem Satz von Herrn Ueli Maurer, dass die Schweiz sich keinen zweiten Lockdown leisten könne. … Wenn ein französischer Minister so einen Satz sagen würde, müsste er sehr wahrscheinlich ein paar Stunden später zurücktreten. …

Der Satz ist zudem erstaunlich, weil er inhaltlich einfach falsch ist. Die Zinsen auf Schweizer Staatsanleihen sind im negativen Bereich. Die Finanzmärkte sind sogar bereit, der Schweiz Geld zu zahlen, damit sie sich verschuldet. Der Schuldenstand des Bundes liegt bei 40 Prozent. Das ist für eine entwickelte Wirtschaft extrem tief. Die Frage ist nicht, ob sich die Schweiz das leisten kann, sondern, ob sie sich das leisten will. …

Auf dem Facebook-Kanal der SVP lässt Bundesrat Ueli Maurer so richtig Dampf ab. Er kritisiert eine allgemeine Expertengläubigkeit bei Corona, viele Experten seien zudem einseitig. «Da sind auch die, die alles besser wissen und moralisieren», sagte er. «Sie sehen nur die Gesundheit.» Die Bedürfnisse der Wirtschaft und der Gesellschaft würden zu wenig berücksichtigt. Ein Schlag ins Gesicht der Risikogruppen (40% der Bevölkerung) und der betroffenen Familien. „Ein Verhalten, das einem Staatsmann nicht würdig ist.“

… Viele Todesfälle hätten durchaus vermieden werden können. Die Schweiz opfert also ganz bewusst Menschen. Zudem findet der Epidemiologe, die Menschen in der Schweiz seien nicht genügend über Aerosole und das Risiko in Restaurants informiert und gewarnt worden.

Den Artikel in voller Länge gibt es hier:
https://www.mittellaendische.ch/2021/01/03/covid-19-das-totalversagen-der-schweizer-politik/#gsc.tab=0

Es stellt sich die Frage der Zurechnungs­fähigkeit unserer politischen Führung

“Was ist das für ein Land, in dem unter Ökonomen Konsens herrscht, dass der volks­wirtschaftliche Schaden nur durch die entschlossene Eindämmung der Epidemie minimiert werden kann, in dem aber jede Anti-Covid-Massnahme vom lautstarken Gebrüll irgendwelcher Wirtschafts­verbände begleitet und häufig tatsächlich verhindert wird? Besteht die eigentliche Regierung der Eidgenossenschaft aus dem Hotellerie-Verband und Gastro Suisse? Ist «Seil­bahnen Schweiz» die oberste Autorität für Entscheide über Leben und Tod?

Wir konnten uns lange an die Überzeugung klammern, Fragen dieser Art seien polemische Überspitzungen. Schliesslich schien in Granit gemeisselt: In der Schweiz pflegen die Dinge zwar immer quälend lange zu dauern, dafür triumphiert am Ende die Vernunft auch verlässlicher als andernorts. Im Land mit der besten Bunker­infrastruktur der Welt und einem der teuersten Gesundheits­systeme wird man schutz­bedürftige Mitbürger ganz gewiss nicht kaltschnäuzig ihrem Schicksal überlassen. Die Nation mit einem der höchsten Wohlstands­niveaus überhaupt und einem der niedrigsten Verschuldungs­grade in ganz Europa wird alles Menschen­mögliche tun, um ihre Bürgerinnen an Leib und Leben zu schützen. Was könnte evidenter sein?

Es mag unangenehm sein, aber wir müssen diese Evidenzen von Grund auf revidieren: Dieses Land sind wir nicht. Auch weiterhin ist eine umsichtige, konsequente, langfristige Covid-Strategie nicht in Sicht. Weiterhin sterben jeden Tag über 80 Menschen, jede Woche deutlich über 500. Von kollektivem Entsetzen und der Forderung nach radikalen Gegen­massnahmen spürt man in der Politik weiterhin nur wenig. Im Gegenteil: Der grosse nationale Notstand sind nicht die Todes­opfer, sondern der Ski­tourismus. Bis Ende Jahr werden wohl über 6000 Bürgerinnen und Bürger der Epidemie zum Opfer gefallen sein. Wir hätten es verhindern können, aber wir werden es nicht verhindern. Das ist nicht, wer wir sind. Wir haben anders entschieden.

Inzwischen stellt sich nun auch so etwas wie eine Frage der Zurechnungs­fähigkeit.”

Weiterlesen in der Republik:https://www.republik.ch/2020/12/05/festtage-mit-vollem-risiko

COVID-19: Opfern sich die Alten für die Jungen?

Falls dieser Bericht von Watson stimmt, dann kann man nur vermuten, dass die Krankenhäuser nur deshalb noch nicht voll sind, weil sich sehr viele ältere Menschen für die jüngeren opfern. Ein Gedanke, der sehr traurig macht. Und etwas, mit dem die COVID-19 Taskforce wohl nicht rechnete, als sie voraussagte, dass die Krankenhäuser jetzt schon voll sein sollten.

Corona Schweiz: Das stille Sterben in den Heimen
von Reto Fehr
Im Kanton Zürich sterben mehr als 50 Prozent aller Corona-Opfer nicht im Spital, sondern im Altersheim. bild: shutterstock

Nicht alle, die wegen Covid-19 ins Spital müssten, um sich behandeln zu lassen, tun dies auch. Vor allem im Alters- oder Pflegeheim sterben je nach Kanton mehr als die Hälfte der Corona-Opfer.

Das Gesundheitssystem der Schweiz könnte an seine Grenzen stossen durch das Coronavirus. Je nach Berechnungen sollen Mitte November die Spitäler ausgelastet sein, wie die Task Force schon mehrmals berechnete.

Mit Stand vom 10. November um 9.30 Uhr hat es in den Spitälern noch rund 28 Prozent freie Betten auf den Akut- und Intensivstationen. 59,2 Prozent der Patienten auf der Intensivstation sind Covid-19-Patienten, wie Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD), am Point de Presse des Bundes am Dienstag informierte.

Andreas Stettbacher zeigte am Dienstag auf: Aktuell hat es rund 28% freie Akut- und ebenfalls 28% freie Intensivbetten in den Schweizer Spitälern. Bild: keystone

Doch nicht alle, die wegen Covid-19 ins Spital eingeliefert werden müssten, tun dies auch. So sterben in den verschiedenen Kantonen der Schweiz bis zu 50 Prozent der Corona-Toten nicht in Spitälern und damit ohne die letzte Möglichkeit, die Krankheit zu besiegen.

Weiterlesen: https://www.watson.ch/!188669435

Wieso es seit dem 12. April in Taiwan nicht mehr zu lokalen Ansteckungen gekommen ist

Im Newsletter der Republik stand heute ein sehr eindrücklicher Artikel über die sehr effektive COVID-19-Bekämpfung in Taiwan. Demgegenüber sehen wir in der Schweiz aus wie im Mittelalter. Wer felsenfest der Meinung ist, wir müssten lernen, mit dem Virus zu lernen, muss jetzt nicht weiterlesen, denn er oder sie könnte Gefahr laufen, seine Meinung ändern zu müssen…

Jeden Tag müssen Menschen ins Spital, weil sie Covid-19 haben. Die Intensivbetten füllen sich. Und was ist unser Plan? Die Schweizer Covid-Strategie lautet: Einerseits sollen die Fallzahlen wieder zum Sinken gebracht werden, andererseits soll ein landesweiter Lockdown so lange wie irgend möglich vermieden werden. Kann das funktionieren? Es kann.

Wie? Daniel Binswanger hat sich im Ausland nach Vorbildern umgesehen:

Zwei Länder gibt es, welche die Epidemie im Griff haben, nie in den Lockdown gingen, einen geringen Wirtschaftseinbruch verzeichnen. Länder, in denen das Leben nur wenig beeinträchtigt weitergeht und die trotzdem geringe Todes- und Fallzahlen ausweisen. Es handelt sich um Südkorea und Taiwan. Wie schaffen sie das? Schauen wir nach Taiwan.

Der Inselstaat im Südchinesischen Meer hat seit Ausbruch der Krise bis heute insgesamt 569 nachgewiesene Fälle und 7 Tote zu verzeichnen. 7 Tote auf knapp 24 Millionen Einwohner, obwohl Taiwan in nächster Nähe zu China liegt, dem Ursprungsland der Pandemie. Der Unterschied dazu, wie die meisten westlichen Staaten sich schlagen, könnte kaum grösser sein.

Wie ist das erklärbar?

Einen Startvorteil können wir hier nicht reproduzieren: die Insellage. Taiwan liegt 180 Kilometer vor dem chinesischen Festland und hat eine Kontrolle über Ein- und Ausreisen, die ein Binnenland wie die Schweiz niemals ausüben könnte. Allerdings sollte man diesen Unterschied nicht überschätzen: Der Personenverkehr zwischen dem Festland und dem taiwanesischen Staatsgebiet ist intensiv. Am 25. Januar dieses Jahres, zwei Tage nachdem Wuhan in den Lockdown ging, kehrten rund 500’000 taiwanesische Staatsbürger von den Feiern zum chinesischen Neujahrsfest vom Festland nach Hause zurück. Dennoch stiegen die Covid-Infektionen bis zum 17. Februar nur auf 166 bestätigte Fälle und stabilisierten sich dann. Seit dem 12. April ist es innerhalb von Taiwan nicht mehr zu lokalen Ansteckungen gekommen – zu keiner einzigen. Zwar werden vereinzelt neue Fälle diagnostiziert, aber diese sind allesamt aus dem Ausland eingeschleppt – und werden sofort in Quarantäne gesetzt. Dem Land gelingt es nun seit Monaten, sämtliche Infektionsketten auf seinem Staatsgebiet zu unterbrechen. Wie ist das möglich?

Es gibt dazu eine Reihe von Mitteln:

  • Taiwan hat eine Regierungsagentur geschaffen, die im Ernstfall effizient agiert. Die Tatsache, dass das Land 2003 von der Sars-Epidemie stark betroffen war, kam ihm jetzt zugute. Im Anschluss an Sars wurde das CECC geschaffen, das Central Epidemic Command Center, das die Führung und Koordination zwischen den verschiedenen Behörden und Ministerien übernimmt und blitzschnell handeln kann. Geschwindigkeit ist matchentscheidend.
  • Bereits am 31. Dezember 2019 wurden in Taiwan Flugpassagiere aus Wuhan bei der Einreise einem Screening unterzogen – eine Woche bevor die chinesischen Behörden offiziell vermeldeten, dass in Wuhan auffällige Lungenentzündungen gehäuft auftraten. Das CECC war auf Online-Diskussionen unter Ärzten in Wuhan aufmerksam geworden – und handelte. Am 28. Januar mussten alle aus China ankommenden Reisenden in Quarantäne.
  • Im Februar wurden die Winter-Schulferien um 10 Tage verlängert. Staatsbedienstete bekamen Urlaub zur Kinderbetreuung. Bis heute gilt: Wenn in einer Schulklasse ein Kind oder eine Lehrkraft positiv getestet wird, kommt die ganze Klasse in Quarantäne. Wenn in einem Schulhaus oder einer Schulklasse 2 Kinder positiv sind, wird die ganze Schule in Quarantäne geschickt.
  • Bereits im Januar regulierte die Regierung die Maskenverteilung, zunächst durch rationierte Abgabe an die Bevölkerung. Im Februar wurden unter anderem Militärtruppen zur staatlichen Maskenproduktion eingesetzt. Masken sind in Taiwan sehr schnell zu einem Grundpfeiler der Hygieneregeln für alle geworden – Monate vor Europa.
  • Das Rückverfolgen der Kontakte ist lückenlos und schnell. Innerhalb von 24 Stunden werden alle Kontakte eines gemeldeten Infizierten ermittelt und kontaktiert. Im Schnitt vergehen in Taiwan zwischen dem Kontakt mit einer potenziellen Infektionsquelle und der In-Quarantäne-Setzung der exponierten Person 3 Tage. 88 Prozent der Personen, die sich lokal angesteckt haben, sind über das Contact-Tracing identifiziert worden, also in einer sehr frühen Phase ihrer Infektion. Die Strategie wird auch mit digitalen Hilfsmitteln vollzogen, insbesondere werden Bürger in Quarantäne mit Telefon-Tracking überwacht. Trotz sehr niedriger Fallzahlen kann Taiwan 400 bis 600 ausgebildete Tracer einsetzen und verfügt über eine digitale Tracing-IT-Plattform, die es erlaubt, verschiedenste Informationen automatisch abzugleichen. Bestimmte Datenschutzgarantien können im Epidemiefall ausser Kraft gesetzt werden.

Das Virus ist überall auf der Welt gleich ansteckend, gleich schwierig einzudämmen, gleich gefährlich. Taiwan wird dieses Jahr einen der mildesten Wirtschaftseinbrüche weltweit erleben. Die Regierung geht sogar von einem leichten Wachstum aus. Taiwan kann Corona – und es führt die Gründe vor Augen, weshalb viele andere Länder an der Kontrolle ohne Lockdown scheitern.

Und zum Schluss: Warum man im Moment (wie eigentlich immer) besonders vorsichtig sein sollte bei der Interpretation von Corona-Statistiken

Diverse Kantone, Testzentren und Spitäler haben nun den Zugang zu Coronavirus-Tests wieder eingeschränkt. So dürfen sich etwa im Kanton Waadt nur noch Personen mit eindeutigen Symptomen testen lassen. Der Grund: Die Kapazitäten (zumindest mit den genauen PCR-Tests) sind ausgereizt. Aus logistischen Überlegungen ergibt die Einschränkung also durchaus Sinn – sie schafft aber ein neues Problem. Die Basler Epidemiologin Emma Hodcroft warnt nun auf Twitter eindringlich vor den möglichen Auswirkungen auf die Datengrundlage. Weil in der Schweiz so wieder weniger Fälle erfasst würden, sei es schwierig zu beurteilen, ob die vom Bund und den Kantonen erfassten Massnahmen auch wirklich wirken. Oder anders gesagt: Stagniert die Zahl der Positiven, weil die Ansteckungen sinken oder weil weniger getestet wird? «Die Schweiz hat den Rand des Lichtkegels erreicht», schreibt Hodcroft. «Machen wir also keine Freudensprünge. Im Halbdunkeln sieht man schlecht.»

Bleiben Sie umsichtig. Bleiben Sie freundlich. Und bleiben Sie gesund.

Aerosol transmission of Covid-19: A room, a bar and a classroom: how the coronavirus is spread through the air

It is time to stop believing that washing hands and keeping distance is sufficient to prevent an infection. Aerosols have the potential to infect you in a distance of 14 metres (evidence of real case)

The risk of contagion is highest in indoor spaces but can be reduced by applying all available measures to combat infection via aerosols. Here is an overview of the likelihood of infection in three everyday scenarios, based on the safety measures used and the length of exposure

english.elpais.com/society/2020-10-28/a-room-a-bar-and-a-class-how-the-coronavirus-is-spread-through-the-air.html

Gibt es einen Zielkonflikt zwischen Gesundheit und Wirtschaft?

Die COVID-19 Task Force hat soeben ihre Einschätzung zu dieser Frage veröffentlicht. Weil sie nur als pdf online gestellt wurde, veröffentliche ich sie hier als Text:


Wir analysieren die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Studien zeigen, dass mit einer vollständigen Erholung erst zu rechnen ist, wenn die Epidemie unter Kontrolle ist. Die getroffenen Massnahmen verursachen zwar erhebliche wirtschaftliche Kosten, aber die Wirtschaftsleistung wäre auch ohne sie stark beeinträchtigt. Staatliche Unterstützungsleistungen an Unternehmen und Bevölkerung sind wirksame Strategie, die Schäden zu begrenzen und einen Aufschwung zu ermöglichen.

Die Covid-19-Pandemie und die Massnahmen, die zu ihrer Eindämmung ergriffen wurden, haben erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) schätzt den Rückgang des Schweizer BIP im zweiten Quartal 2020 auf 8,4% und prognostiziert für 2020 einen Rückgang um 4,9%, d.h. einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um rund 45 Milliarden Franken. Die direkten Gesundheitskosten (Pflege- und Krankheitskosten) sind dabei deutlich geringer als die makroökonomischen Effekte (Rückgang der Produktion und des Konsums, Arbeitslosigkeit usw.). Ein grosser Teil (rund die Hälfte im Fall der Schweiz) ist der internationalen Entwicklung geschuldet. Darin enthalten sind der Einbruch der Nachfrage nach Schweizer Gütern und Unterbrechungen der Lieferketten

Die staatlichen Massnahmen zur Kontrolle der Epidemie (Lockdown, Verbot von Grossanlässen, soziale Distanzierung, Maskenpflicht usw.) sind aus gesundheitspolitischer Sicht unerlässlich, zeitigen aber hohe wirtschaftliche Kosten. Diese genau abzuschätzen ist äusserst schwierig, weil sie mit einer hypothetischen Situation verglichen werden müssten, in der gar keine Massnahmen ergriffen worden wären. Auch ohne verordnete Massnahmen ändern Bevölkerung und Firmen ihr Verhalten teilweise stark, sie konsumieren und investieren weniger. So ist in Schweden, das auf einen Lockdown verzichtet hat, der Konsum um 25% eingebrochen, verglichen mit 29% in Dänemark.

Nach der ersten Welle ist das Ziel, auf drastische Massnahmen wie ein Lockdown zu verzichten. Dazu braucht es allerdings neben weicheren Massnahmen wie Masken und Abstandsregeln griffige Eindämmungsstrategien. «Testen, Rückverfolgung, Isolation und Quarantäne» (TRIQ) ist mit erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteilen verbunden, da sie die Zahl der Infektionen wirksam und mit geringeren wirtschaftlichen Kosten reduziert als ein Lockdown.

Die verschiedenen Wirtschaftssektoren sind in hohem Masse voneinander abhängig. Eine Massnahme, die einen bestimmten Tätigkeitsbereich (z. B. Gastronomiebetriebe) betrifft, wirkt sich indirekt auch auf andere Sektoren (Zulieferer) aus. Die Bewilligung eines Grossanlasses kann dazu führen, dass zahlreiche Personen in Quarantäne geschickt werden müssen. In vielen Ländern plädieren daher die ÖkonomInnen, Massnahmen dort zu ergreifen, wo die Anzahl der Kontakte hoch und der Beitrag zur wirtschaftlichen Leistung relativ gering ist (im Freizeitbereich, zum Beispiel).

Eine rasche Wiedereröffnung verringert kurzfristig zwar die Auswirkungen auf die Wirtschaft, kann sich aber als kontraproduktiv herausstellen, wenn sie zu einer Zunahme der Fälle führt und die vollständige wirtschaftliche Erholung verzögert. Diese kann erst dann stattfinden, wenn das Vertrauen der Bevölkerung vollständig wiederhergestellt ist. Bis dahin sind staatliche Unterstützungsmassnahmen von Unternehmen und Bevölkerung dank den geringen Kreditkosten ein äusserst wirksam, um die negativen Auswirkungen der Krise zu mildern und Investitionen und Konsum zu stützen.


Diese Einschätzung wird auch von StopCovidCH geteilt, einer Gruppe, der ich angehöre, und die mit einer Petition eine konsequente Eindämmungsstrategie mit einem 12-Punkte-Programm fordert.

Zur Petition: https://act.campax.org/efforts/stopcovidch

Wieso ich im Parlament eine Maske trage

Nachdem die Limmattaler Zeitung heute zum zweiten Mal darüber informierte, dass ich im Dietiker Gemeinderat, dem hiesigen Stadtparlament, als einziger eine Schutzmaske trage, nehme ich dies gerne zum Anlass, das zu tun, weshalb ich diese Maske überhaupt trage: darauf hinweisen, wie hilfreich es wäre, wenn in geschlossenen Räumen alle Personen eine Maske tragen würden.

Persönlich habe ich keine Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19, auch wenn der wirtschaftliche Schaden gross wäre, würde ich über mehrere Wochen ausfallen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich zu den wenigen gehören würde, die mit einem milden Verlauf der Erkrankung davonkommen würden. Ich gehöre zu keiner Risikogruppe und wenn eine Grippewelle durchs Land rollt, die viele Personen für zwei Wochen ins Bett zwingt, spüre ich meistens nur ein leichtes Kratzen im Hals, habe vielleicht eine verstopfte Nase und manchmal auch ein wenig leicht erhöhte Temperatur. Nur ganz selten muss ich – für maximal einen Tag – ins Bett. Und COVID-19 soll ja auch nicht schlimmer als eine Art Grippe sein… (Ich weiss natürlich, dass das nicht stimmt, aber wenn mein Immunsystem mit einem Virus gut zurechtkommt, besteht doch gewisse Hoffnung, dass es das auch mit einem anderen tut.)

Seit Jahren habe ich mir angewöhnt, bei (milden) Anzeichen einer Grippeinfektion Besprechungen zu verschieben und mir die Hände zu desinfizieren, wenn ich unbedingt raus muss. Denn auch eine normale Grippe tötet Menschen und ich möchte nicht ein Glied in der Kette der Infektionen sein. Aber bei einer Grippe spürt man es wenigstens, wenn man infektiös ist.

Bei COVID-19 ist es anders. Hier finden viele Übertragungen statt, lange bevor der Infizierte seine Erkrankung bemerkt. Dies kann man nur verhindern, indem man generell die Wahrscheinlichkeit reduziert, durch die Massnahmen, die wir nun genügend kennen.

Aber eine Massnahme, die ebenfalls einen erheblichen Beitrag leisten könnte, wird einfach zu wenig unterstützt: das Tragen von Masken. Würden alle Personen in geschlossenen Räumen eine Maske tragen, würden sie sich weniger ins Gesicht und an die Augen fassen und vor allem würden sie beim Sprechen, Husten und Niesen ihre Tröpfchen weniger weit schleudern und viele davon würden einfach in den Masken hängenbleiben. Dies kann ganz konkret Infektionen und so genannte Superspreader-Events verhindern.

Darauf möchte ich mit dem Tragen einer Maske in geschlossenen Räumen explizit hinweisen. Deshalb werde ich auch weiterhin im Gemeinderat eine Maske tragen und hoffe, dass ich Nachahmer finde, denn als Volksvertreter sollten wir uns vorbildlich verhalten, hat erst vor kurzem einer der Stadträte im Gemeinderat gesagt.

Um diesen Artikel abzurunden noch ein Leserbrief, der heute in der Limmattaler Zeitung stand:

Nicht ohne Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr

Coronakrise: Diverse Artikel zur Lockerung des Lockdowns

Nun also kommt die lang­ersehnte Lockerung aus dem Lockdown. Schiffe, Postauto, Bergbahnen und Gondeln etc. laden zu Ausflügen ein. Für uns ältere Generation ist daran jedoch nicht zu denken, solange der Bundesrat keine Maskenpflicht verfügt. Wir sind gezwungen, auf solche Ausflüge zu verzichten, wollen wir nicht eine Ansteckung im überfüllten ÖV riskieren, wo ein Zweimeterabstand reine Illusion ist. Warum verzichtet der Bundesrat hier auf eine klare Verordnung? Sein höchstes Ziel ist doch, die Ansteckungsgefahr auf ein Minimum zu reduzieren und uns trotzdem wieder etwas Normalität zurückzugeben. Hier vermisse ich einen klaren Entscheid zu Gunsten der Sicherheit in touristischen Angeboten, die wir gerne ohne Ansteckungsgefahr nützen würden.

Paula Rigassi, Basel

«Eine ganz andere Wucht»: Drosten warnt vor zweiter Corona-Welle

Nicht nur ich, sondern auch die deutsche «Kanzlerin ist von den „Öffnungsdiskussionsorgien“ genervt. Weil die Distanzierungsmaßnahmen jetzt von allen Seiten in Frage gestellt würden, warnt Virologe Christian Drosten vor einer zweiten Infektionswelle, die außer Kontrolle geraten könnte.»

«Ließe man dem Coronavirus jetzt «freien Lauf, würde dies unser Gesundheitssystem überfordern. Man muss also Wege finden, R so lange unter 1 zu halten, bis ein Impfstoff gefunden und großflächig verfügbar ist. Drosten erklärt, warum dieses Unterfangen durch übereilte Lockerungen nicht nur zunichte gemacht werden, sondern auch in einem Desaster enden könnte. Auch bei einem Reproduktionswert unter 1 verbreite sich das Virus „unter der Decke“ weiter, warnt er.

Das bedeute, dass es sich in Deutschland über die kommenden Wochen und Monate nahezu unbemerkt verteile, während Covid-19-Fälle zuvor überwiegend in Hotspots aufgetreten seien. Würde die Zahl R durch Leichtsinn und voreilig zurückgenommene Distanzregeln wieder über 1 steigen und sich das Virus damit wieder exponentiell verbreiten, hätte dies voraussichtlich verheerende Folgen. Weil die Infektionswelle dann überall gleichzeitig starte, hätte sie „eine ganz andere Wucht“, so Drosten. Die bekannten Gegenmaßnahmen reichten dann zu einer Eindämmung nicht mehr aus, die Pandemie gerate außer Kontrolle. »

Gleiches gilt natürlich analog auch für die Schweiz.

— Weiterlesen www.n-tv.de/panorama/Drosten-warnt-vor-zweiter-Corona-Welle-article21726926.html

COVID-19 – eine Zwischenbilanz und Analyse der Moral, der medizinischen Fakten und der politischen Entscheidungen

Warum COVID-19 absolut gar nicht mit einer Grippe verglichen werden kann und warum eine aktive Durchseuchung der nicht-Risiko-Gruppen mit dem COVID-19-Virus mit Sicherheit ein absolutes Hirngespinst Ist, das nur Leuten in den Sinn kommen kann, die keine Ahnung von Biologie, Medizin und Ethik haben. Das Beste, was ich bisher zur Pandemie und dem Versagen unserer Behörden gelesen habe. Von einem, der an der Front arbeitet und wirklich weiss, was Sache ist.

Weiterlesen: http://www.mittellaendische.ch/2020/04/07/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zukünftigen-politischen-entscheidungen

Genug gejammert… COVID-19 als Chance

Mit diesem Beitrag könnte ich mich bei manchen Leuten sehr unbeliebt machen. Deshalb möchte ich eines vorwegstellen:

  1. Ich unterstütze das Wirtschaftspaket des Schweizer Bundesrats, genauso wie die von ihm angeordneten Massnahmen zum Schutz des Gesundheitssystems.
  2. Ich bin und bleibe in meinen Ansichten ein liberal denkender Mensch, dem unnötige Vorschriften und Bürokratie zutiefst zuwider sind.
  3. Ich möchte auch möglichst schnell den Lockdown beenden.
Meine Firma hiess einmal «4C», was sowohl für Campaigning and Crisis Communication Consulting stand, als auch für das englische «foresee» (vorausschauen).

Aber trotzdem sehe ich momentan keine andere Möglichkeit, unsere Krankenhäuser und das Gesundheitssystem zu schützen, als den Lockdown so lange fortzusetzen, bis eine wissenschaftlich fundierte und geordnete Ausstiegsstrategie gefunden und umfassend vorbereitet wurde. Das kann noch dauern.

Deshalb hat der Bundesrat meine fast volle Unterstützung. Nur «fast», weil ich der Meinung bin, man hätte besser vorbereitet sein und die harten Massnahmen früher treffen sollen und können, und man könnte und müsste die Kommunikation besser machen.

Dass man nicht vorbereitet war, kann ich ganz und gar nicht verstehen, denn die WHO hat 15 Jahre lang vor einer solchen Pandemie gewarnt.

Genauso wenig Verständnis habe ich aber auch für das Gejammere der so genannten Wirtschaft, für zu viele von denen, die von der Krise überrascht wurden und nun wirtschaftliche Hilfe zulasten des Steuerzahlers brauchen.

Ich finde es unfassbar, dass teilweise die gleichen Leute, die jahrelang (zurecht) Steuersenkungen und immer weniger Staat verlangten (was ich voll und ganz unterstütze), nun in Windeseile beim Staat anklopfen und um Hilfe betteln (was ich unterstützen muss, weil es nicht anders geht, aber zutiefst im Innern ablehne).

Was haben die denn die letzten 15 Jahre getan? Warum haben die die Warnungen der WHO nicht wahr- oder ernstgenommen?

Wieso haben sie keine Reserven aufgebaut? Hätte nicht jeder, der sich Unternehmer schimpft, mit einem solchen Szenario konfrontiert, für mindestens 3 Monate Reserven aufbauen müssen, wenn sein Geschäft bei einem Lockdown sofort wegbricht?

(Ausnahmen, die wirklich nicht vorbereiten konnten und einfach Pech hatten, bestätigen die Regel.)

Und haben nicht sehr viele, die nun nicht Home-Office-fähig sind, es schlicht und einfach mutwillig und fahrlässig versäumt, im Unternehmen die Digitalisierung voranzutreiben, von der seit Jahren (fast nur) geredet wird? Und nun müssen die Steuerzahler für die Folgen dieser Fahrlässigkeit aufkommen…

Wo sind die unternehmerischen Vorräte an Schutzmasken und Desinfektionsmitteln, mit denen man die Mitarbeitenden im Notfall hätte ausstatten können?

(Um die Frage zu beantworten, die sich manche/r nun sicher stellt: ja, ich habe die Warnungen ernstgenommen und meine Firma war vorbereitet, bei uns läuft das business «as usual», ausser dass ich um einiges produktiver bin, weil Meetings endlich online durchgeführt werden und ich nicht mehr so viel hin und her reisen muss. Wir arbeiten seit über 11 Jahren mit Cloud-Lösungen, dezentral, mobil, mit Videokonferenzen und Collaboration Tools, hatten Desinfektionsmittel und Schutzmasken.)

Wer nicht so vorgesorgt hatte, braucht jetzt Hilfe, das ist klar und das unterstütze ich auch. Zähneknirschend…

Aber gleichzeitig ärgert es mich, dass der gleiche Staat, dessen Einmischung wir immer unisono kritisieren, nun für unternehmerische Versäumnisse einspringen muss.

Ein guter Liberalismus oder einfach nur gutes Unternehmertum hätte dieser «Einmischung des Staates in den Markt» – denn um nichts anderes handelt es sich hier – vorausschauend vorgebeugt. Dann hätte sich der Wert des unternehmerischen Denkens zeigen können, der Wert von «Verantwortung übernehmen», «voraussschauend denken» und von «Gemeinsinn».

Die Chance dieser Krise liegt nun darin, daraus für den Wiederaufbau die richtigen Lehren zu ziehen und eine resilientere Wirtschaft aufzubauen, wenn der Spuk vorbei ist.

Denn eins ist klar: Fortsetzung folgt («Klimawandel»)…

P.S. Nachtrag

Aufgrund von Feedback auf Facebook möchte ich folgendes noch ergänzen.

Es gibt Risiken, die kann man tatsächlich unmöglich noch managen. Vor allem, wenn sie dann noch zu unwahrscheinlich sind, muss man sie ignorieren.

Hier wende ich eine Priorisierungsmatrix an, die zwei Kriterien beinhaltet:
1. Wie leicht ist es, sich vorzubereiten?
2. Wie gross sind die Auswirkungen?
Als drittes Kriterium könnte man dann noch die Eintretenswahrscheinlichkeit nehmen.

Risiken mit einer grossen Auswirkung, auf die man sich leicht vorbereiten kann, sind die, auf die man sich vorbereiten sollte. Atomare Super-Gaus und Asteroideneinschläge gehören nicht dazu. Denn man kann sie nicht managen.

Aber Risiken mit einer praktisch 100igen Wahrscheinlichkeit müssen dazu gehören, wenn man sie managen kann.

Ein langer Blackout wäre nicht zu managen, gerade weil wir schon zu sehr vom Strom abhängig sind. Ein vorübergehender wäre zu managen, erfordert dann lediglich ein Notstromaggregat. Er kommt sicher, spätestens beim nächsten grossen Sonnensturm auf der erdzugewandten Sonnenseite. Die Frage ist einzig wann.

Gleiches gilt für eine Pandemie: dass sie kommen würde, war sicher, nur nicht wann. Hier aber waren die Massnahmen entweder einfach (Vorrat an Desinfektionsmitteln und Masken) oder – wenn auch nicht ganz so einfach – sowieso ein Gebot der Stunde (Digitalisierung).

Im Grund genommen geht es mir um die Kernaussage, dass wir als Unternehmer/innen im Hinblick auf die Zukunft unsere eigenen Versäumnisse thematisieren müssen, statt einfach nur sofort nach dem Staat zu schreien.

Denn die nächste Katastrophe – der Klimawandel – ist ja auch schon lange angekündigt.