Was hat eine Körperpositivitäts-Aktivistin mit Algorithmen zu tun?

Campaigning im Zeitalter der Algorithmen

Campaigning-Summit-Switzerland-2019-Teaser-Harnaam V02Am 5. April findet der siebte Campaigning Summit Switzerland statt, unser jährliches Gipfeltreffen für Campaigning, das ich gerne als mein teuerstes Hobby bezeichne, weil diese Veranstaltung ohne erhebliche Eigenleistungen seitens business campaigning GmbH nicht möglich wäre.

Der Summit steht unter dem Motto «Campaigning im Zeitalter der Algorithmen». Es geht also um neue Technologien und Strategien für Marketing, Kommunikation und Kampagnen der Zukunft und die Frage, wie sich all dies durch Algorithmen verändern wird. Steffen Konrath zum Beispiel wird über «Augmented Campaigning: Wie die künstliche Intelligenz Kampagnen bereits intelligenter macht» reden.

Und wie passt das britische Model und Life-Coach Harnaam Kaur in dieses Programm?

Jeder Megatrend hat einen Gegentrend. Wenn eines Tages Algorithmen den Grossteil unserer Arbeit verrichten können, was bleibt dann noch für uns? Was macht uns Menschen aus und unterscheidet uns von den Maschinen? Bei der Digitalisierung führen diese Fragen zum Gegentrend – hin zu mehr Menschlichkeit.

Wenn eine Person weiss, was sie als Mensch ausmacht, dann ist das Harnaam Kaur. Das vollbärtige, weibliche Model ist weltberühmt als The Bearded Dame und als Körperpositivitäts-Aktivistin. In England geboren und aufgewachsen leidet sie am Polyzystischen Ovar-Syndrom und verbrachte ihre Jugend damit, ungewollte Körperbehaarung zu entfernen. Im Alter von 16 Jahren beschloss sie, ihren Körper anzunehmen, wie er ist. Harnaam, die ihre Energie aus Narben und Kämpfen als gemobbter Teenager zieht, inspiriert Menschen auf der ganzen Welt, ihre Schönheit anzunehmen, egal in welcher Form sie auftritt! Mit einer Reichweite von über zehn Millionen Fans in den sozialen Medien verbindet sich die bärtige Dame täglich mit Menschen und verändert Leben auf der ganzen Welt!

Letztes Jahr sprach Harnaam sogar vor dem «House of Parliament» und diskutierte Themen rund um die psychische Gesundheit, Cyber-Mobbing und LGBTQIA und erklärte, wie Social Media, Unternehmen, Schulen und die Regierung bei der Entwicklung positiver Körperbilder helfen können. Mit ihrem Weg aus der Defensive in die Offensive lebt sie den Strategischer Campaigning Grundsatz Nr. 2: «Die Agenda kontrollieren» und selbst bestimmen, wann, was, wie und wo geschieht.

Harnaam Kaur tritt zum ersten Mal in der Schweiz auf.

Eine Übersicht über die Referent/inn/en und Themen:

  • Lucero Oyarzun – Wie man Millennials und die Generation von morgen bewegt
  • Harnaam Kaur – Sei die Veränderung, die du anstrebst, indem du dich liebst, wie du bist
  • Sophie Hundertmark, Christoph Süess – Zuschauen, wie ein Chatbot ins Leben kommt
  • Steffen Konrath – Augmented Campaigning: Wie die künstliche Intelligenz Kampagnen bereits intelligenter macht
  • Dr. Peter Hogenkamp – Content Marketing der Zukunft im Zusammenspiel von Mensch und Maschine

Und was motiviert uns, jedes Jahr so viel Zeit und Geld in diese Veranstaltung zu stecken?

Es ist das Feedback.

15% der Teilnehmenden sichern sich ihr Ticket für das Folgejahr unmittelbar am Nachmittag nach dem Summit – ohne das Programm zu kennen. «Ich bin an so vielen Events. Bei den meisten schaut man 2-3 Mal vorbei, dann hat man es gesehen. Bei Euch ist das anders, jedes Jahr aufs Neue spannend. Ich habe soeben mein siebtes Ticket gekauft», so eine Teilnehmerin direkt nach dem 6. Campaigning Summit Switzerland.

«ALOHA, ich bin sogar aus Hawaii angereist. Ich finde es wundervoll, dass der Campaigning Summit eine Plattform bietet, Menschen zusammenzubringen, die auch das vermeintlich Unerreichbare erreichen wollen und können und dabei bereit sind, kreativ und gegebenenfalls auch ungewöhnlich zu denken und zu handeln. So wird das scheinbar Unmögliche möglich, was uns u.a. die Speaker 2018 aufs feinste verdeutlicht haben 🙂 – Katharina Becker, www.TouchKauai.de»

Es lohnt sich also, dabei zu sein.

Weitere Informationen: www.campaigning.swiss

Blick, Jolanda Spiess-Hegglin, Shitstorm und ich auf einmal mittendrin…

Montags habe ich immer durchgehend One-on-one-Meetings mit  Mitarbeitenden. Ich war letzten Montag in solch einem Meeting, als eine Journalistin des Blick anrief. Ausnahmsweise unterbrach ich die Besprechung, um abzunehmen und zu fragen, ob ich zurückrufen kann. Man weiss ja nie, wie dringend eine solche Anfrage ist. Und als Inhaber einer Campaigning-also-auch-Kommunikationsagentur sollte man sich um Medienanfragen immer sofort kümmern. Das allerdings erwies sich als Fehler. Denn ich tat genau das, wovon ich jeden anderen abhalten würde.

Die Journalistin wollte eine Stellungnahme zur Reporter-Sendung vom Vorabend, in der Frau Spiess-Hegglin Einblicke in ihr Leben gab, in der Wohnung filmen und auch ihren Mann zu Wort kommen liess. Vor allem aber stand, nach Aussage der Journalistin, die Geschichte, die Frau Spiess-Hegglin im ganzen Land berühmt gemacht hatte, im Zentrum der Dokumentation. Ich will diese Geschichte hier bewusst nicht aufwärmen, indem ich einen Link setze. Wer sie kennt, weiss worum es geht, und alle anderen dürfen jetzt aufhören zu lesen.

Ich sagte, dass ich wohl die falsche Person sei, weil ich weder die Sendung gesehen noch die Geschichte von damals gut genug kannte.

Vielleicht hätte ich dazu sagen sollen, dass ich letztere wohl vor allem deshalb nicht kannte, weil ich sie bewusst ignoriert hatte. Mir war aus der Arbeit der letzten 19 Jahre mit betroffenen Personen, Organiationen und Unternehmen – und auch aus der Zeit davor bei Greenpeace – bewusst genug, dass man nicht immer alles glauben darf, was in den Medien steht und dass es Journalisten bzw. Medien gibt, die vor nichts zurückschrecken, wenn sie eine skandalträchtige Geschichte wittern. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Und vor allem war ich ja in diesem Meeting und wollte das Telefongespräch kurzhalten.

Die Journalistin sagte, ich müsse weder den Film noch die Geschichte von Frau Spiess-Hegglin kennen, um ihre Frage zu beantworten. Sie wolle lediglich wissen, ob ich der Meinung sei, dass eine solche Dokumentation dazu geeignet sei, einen möglichen Reputationsschaden wieder gutzumachen. Darauf dachte ich antworten zu könnnen, denn das ist eine Frage im Stil von «Wird die Strasse nass, wenn es regnet?».

Meine Antwort war dann natürlich nicht so einfach, wie es im Artikel scheint. Ich sagte, ich kenne die Ziele nicht, die Sie mit der Dokumentation vielleicht erreichen wollte. Ohne diese Ziele zu kennen, falle es schwer, zu beurteilen, ob das eine gute Idee war oder nicht, und ich möchte dazu auch gar nichts sagen. 

Aber wenn es nur um den Wiederaufbau der Reputation ginge, dann wäre es sicher besser, Gras über die Sache wachsen zu lassen und sie langsam der Vergessenheit preiszugeben, indem sie sich neuen Themen zuwendet. 

Zu dieser Aussage stehe ich weiterhin, denn ohne neue Fakten wird es nicht gelingen, weniger gut Gesonnene von ihrer Sicht zu überzeugen, ihre Anhänger werden sie sowieso weiterhin unterstützen und die breite Masse dazwischen fragt sich nur, wieso die Geschichte dauernd wieder aufgewühlt wird. 

Letzteres kann für die Reputation sogar noch schädlicher sein, als nichts zu tun. 

Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass das nicht einfach ist, denn ich stand auch schon in der Schusslinie. Manchmal macht es dann Sinn, sich zu wehren und manchmal macht es die Sache nur noch schlimmer. 

Ich sagte aber auch, dass dies anders sei, wenn es neue Fakten gebe. Dann könne es sich unter Umständen lohnen, wieder aktiv zu werden. Aber wenn nicht, sei es besser, durch neue Themen die Sache vergessen zu machen. 

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich von Netzcourage.ch nichts. Hätte ich das gewusst, hätte ich ergänzt, dass sie die Erinnerung und an die damalige Geschichte vielleicht bewusst aufrecht erhalten unter Inkaufnahme des «Reputationsschadens», wenn man das überhaupt so nennen will, denn für manche UnterstützerInnen ist sie nun eher eine Heldin, die sich auflehnt und wehrt. Da können ihr die anderen ja vielleicht egal sein, die anders denken. 

Ich bin unbedacht in ein Fettnäpfchen getreten und habe mich dafür bei Frau Spiess-Hegglin mittlerweile entschuldigt. Denn das war sicher nicht meine Absicht. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Wüsste ich nicht, Verantwortung für mein Tun zu übernehmen, würde ich mich wahrscheinlich sogar vom Blick übertölpelt fühlen. Aber ich wusste ja, wie man sich richtig verhält. Dass ich es nicht getan habe, kann ich nicht auf den Blick schieben. 

Meine Lehre daraus wird deshalb sein, was ich anderen in solchen Situationen rate (in eigener Sache macht man ja immer alles falsch, so wie ein Arzt sich nicht selbst kurieren kann…): statt schnell zu antworten zuerst einmal recherchieren, mir ein umfangreiches Bild machen und erst dann, in Kenntnis auch der Dinge antworten, die mir sonst nicht bewusst gewesen wären. Einen Rückruf vereinbaren anstatt zwischen Tür und Angel sofort zu antworten.

Netzcourage.ch wünsche ich viel Mut, Kraft und ein gutes Urteilsvermögen, beim Engagement für Ausgewogenheit in der Berichterstattung und Frau Spiess-Hegglin, dass sie erreicht, was für sie und ihre Familie das Beste ist.

In Szenarien denken bei Kooperationsverträgen

Vor ein paar Tagen las ich diesen Blog-Beitrag  von Seth Godin (unten zitiert). 

A deal, whether in writing or orally, is not to be considered lightly, because you fully expect to keep your end of the bargain. Three things to consider before saying, „yes“:

What happens now: Who owes who what? What, precisely, does each side promise to do, and what does each side get? It can’t hurt to write this out in English and add it to the agreement, just to be sure you both agree.

What happens if things don’t work out: If you don’t do what you say you’ll do, what happens? If the other person can’t pay or can’t deliver, or wants to walk away, then what? When you leave yourself (and the other person) an out, you’re almost certainly investing in a better future, because you know in advance what the options are.

What happens if things do work out: If everyone’s wildest dreams come true, then what? Does that person who gave you three days of advice end up owning half your gourmet foods business that you’ve worked on for twenty years? Describe the hypotheticals, and plan them out together, because today’s hypothetical is tomorrow’s unfair reality.

The fine print is there for a reason, and if you don’t like it or can’t live with it, cross it out or walk away. There’s no better time than this very moment to be clear, to be honest and to have a difficult conversation.

Besonders interessant daran ist, dass Seth hier genau das emfpiehlt, was ich zum Strategischen Campaigning Grundsatz Nr. 12 immer erzähle: dass man sich drei Szenarien ausmalen soll, ein Business-As-Usual-Szenario («What happens now»), ein Worst-Case («if things don’t work out») und ein Best-Case-Szenario («if things do work out:»).

Und wenn man das macht, fällt es einem leichter, den Strategischen Campaigning Grundsatz Nr. 2 zu befolgen: die Agenda kontrollieren.

«Washington’s New Blitzkrieg and How Integrated Campaigns Could Help Swiss Banks»

Our US-Partner Sid Balman published an article today in Switzerland’s leading blog for the banking industry: «Washington’s New Blitzkrieg and How Integrated Campaigns Could Help Swiss Banks»

The virtual artillery barrage the US Justice Department launched recently on the heart of Switzerland’s banking center – Zurich’s venerable Paradeplatz – shattered a peace agreement for which the Union Bank of Switzerland had paid dearly. (…) It has become clear that the Obama Administration is employing a campaigning approach that relies on an overall strategy – tied to short, medium and long-term goals – as well as a determination not to stop until they are successful. Swiss banks will continue to be frustrated until they arm themselves with the same types of campaigning “weapons” as the Obama Administration. (…) What is required is a toolbox containing integrated online and offline strategies tailored to grow a community of supporters that can move those who influence an issue. (…)

Read the full article here. Sid confirms what we wrote already in our Campaigning Summit Switzerland media release of 17th November:

Campaigning Summit Switzerland: Stop the Nett-Working! (English: nice, friendly, polite)
When it comes to campaigning the USA play a pioneering role — employing a holistic approach where all the stops are pulled to reach a particular goal. In Switzerland on the other hand the focus lies on Nett-Working (English: nice, friendly, polite) which quickly leads to a defensive style of communication.

I made it my mission to raise awareness for my hypothesis that there must be players in Washington D.C. with a hidden agenda who are actively campaigning against our finance industry and that the only cure can be to apply the same approach, in a pro-active way, from a position of sovereignty instead of from a defensive position as it has been so far.

That is the reason why Sid is going to give a speech during the Campaigning Summit Switzerland «Seize the conversation in Washington — Don’t build you strategy on a House of Cards.» (Program)

And why we shall also have a workshop on this topic the night before, during which he wants to learn what the practical problems are and work on solutions which will be included in his speech the next day:

«How to make your voice heard in DC – practical insights» (Link)

Admission to the workshop requires a Campaigning Summit Switzerland ticket or an official invitation by business campaigning Switzerland GmbH.

www.CampaigningSummitSwitzerland.com

CO2-Sanktionen und Strategischer Campaigning Grundsatz Nr. 2

Das folgende Beispiel zeigt auf, wie man den Strategischen Campaigning Grundsatz Nr. 2 – die Agenda kontrollieren – in der Praxis umsetzen kann, speziell die Interpretationen «Kann man die gegnerischen Argumente erahnen, nimmt man ihnen den Wind aus den Segeln» und «das Gebiet der Auseinandersetzung selbst bestimmen».

Seit 2013 ist die Climeworks AG ein Kunde meiner Agentur business campaigning Switzerland GmbH. Climeworks ein Startup, das einen CO2-Kollektor entwickelt hat. Dieser filtert kostengünstig und energieeffizient CO2 aus normaler Umgebungsluft. (Die Idee für den Namen CO2-Kollektor stammt dabei von uns.) Mit diesem CO2 als Rohstoff, sowie Wasser und erneuerbarem Strom produziert Audi Sprit für Autos. Im Prinzip handelt es sich um nichts anderes als eine Umkehr des Verbrennungsprozesses, der im Motor passiert. Die Vision von Climeworks ist ein geschlossener Kohlenstroffkreislauf, durch den heutige Fahrzeuge praktisch klimaneutral gefahren werden können, denn der (synthetische) Treibstoff stammt ja aus der Luft und man benötigt keine fossilen Erdölquellen mehr. Weitere Informationen gibt es hier: www.CleanFuelNow.com.

Audi möchte im Jahr 2016 eine Produktionsanlage für synthetische Treibstoffe in der Schweiz bauen. Allerdings gibt es noch ein Hindernis, das nur die Politik aus dem Weg räumen kann: die CO2-Emissionsvorschriften, die im Juli 2012 in Kraft getreten sind. Sie schreiben für die Fahrzeugflotten der Auto-Importeure eine Reduktion des CO2-Ausstosses bis Ende 2015 auf durchschnittlich 130 Gramm vor – analog zum Ziel, das die EU festgelegt hat. Wer den Grenzwert überschreitet, muss CO2-Sanktionen zahlen, ab dem vierten Gramm den Vollbetrag von 142.50 Franken. Sportwagen mit mehr als 200 Gramm CO2/km können so schnell um 10’000 Franken teurer werden. Und es steht bereits die nächste Verschärfung an. Die Pläne der EU sehen vor, dass Neuwagen in Europa ab 2020 durchschnittlich nur noch 95 Gramm CO2/km ausstossen dürfen.

Mit diesen CO2-Sanktionen sollen Auto-Importeure dazu angehalten werden, möglichst viele Fahrzeuge der Typen zu importieren, die möglichst wenig Sprit pro Kilometer verbrauchen, man will die Effizienz der Fahrzeugflotte verbessern.

Im Sinne des Klimaschutzes macht dies natürlich Sinn. Das Problem entsteht nun bei den Fahrzeugen, die mit synthetischen Treibstoffen gefahren werden. Obwohl sie dank geschlossenem Kohlenstoffkreislauf praktisch klimaneutral fahren, müssen die Importeure trotzdem CO2-Sanktionen zahlen, wie wenn diese Fahrzeuge mit fossilem Sprit betrieben würden. Dies ist nicht nur in dem Sinne falsch, dass man für etwas bestraft wird, was man gar nicht begeht. Es hemmt auch die Innovation und Investitionen in die Entwicklung und Produktion klimaneutraler synthetischer Treibstoffe.

Climeworks hat uns deshalb ein Mandat erteilt, in der Schweiz eine Anrechnung synthetischer Treibstoffe bei der Berechnung der CO2-Sanktionen zu erreichen, d.h., dass die entsprechenden Fahrzeuge mit einem Wert von Null Gramm CO2 pro Kilometer angerechnet werden können und damit den Gesamt-Durchschnitt senken.

Unterstützung haben wir dabei durch Nationalrat Thomas Böhni (Grünliberale Fraktion) erhalten. Er reichte am 10. Dezember eine Motion ein, um den Bundesrat mit folgendem zu beauftragen:

a. die rechtliche Grundlage im CO2-Gesetz zu schaffen, dass Importeure und Hersteller von Fahrzeugen, welche mit CO2-neutralen, synthetischen, in der Schweiz hergestellten Treibstoffen betankt werden, entsprechend reduzierte CO2-Emissionswerte im Rahmen der Flottenemissionsregelung angerechnet erhalten und

b. ein administratives Verfahren ausarbeiten zu lassen, dass die Anrechenbarkeit auf Einzelfahrzeuge (z.B. analog den Ökoinnovationen) ermöglicht.

Diverse Gespräche mit Umwelt- und anderen Verbänden in den letzten Monaten zeigten uns, dass die Idee zar grundsätzlich auf grosse Unterstützung stiess, dass aber ein Argument kritisch sein könnte: die Befürchtung, mit der Anrechnung werde der Druck auf die Autoiindustrie abgebaut, effizientere Fahrzeuge zu bauen. Denn wenn  «Spritfresser» als klimaneutral angerechnet werden können, wo ist dann der Anreiz, verbrauchsarme Fahrzeuge zu bauen bzw. zu importieren?

Wir wussten zwar um dieses Argument und waren dagegen mit dem Gegenargument gewappnet, dass der Druck gar nicht sinkt, weil bei einem begrenzten Angebot synthetischer Treibstoffe der Durchschnitt der Fahrzeugflotte gleich bleibt, egal welcher Fahrzeugtyp angerechnet wird. Aber damit würden wir immer in der Defensive sein, weil wir dieses Gegen-Argument nur dann würden spielen können, wenn das Argument in die Diskussion geworfen wird. Dieser Punkt bereitete mir Sorgen.

Der Ausweg aus dieser unangenehmen Situation kam mit einem Vorschlag seitens eines der Bundesämter, mit denen wir im Gespräch sind. Dort schlug man Thomas Böhni vor, ob es denkbar sei, die Anrechnung nur für solche Fahrzeuge zu beantragen, die sowieso schon die CO2-Grenzwerte einhalten. Damit würde man den Druck zur Effizienzsteigerung nicht verkleinern. Nach kurzem Überlegen stimmten wir diesem Vorschlag zu. Indem es in der Begründung zur Motion nun heisst

Damit die Ziele des CO2-Gesetzes zur Effizienzsteigerung nicht ausgehebelt werden, kann die Anrechenbarkeit auf Fahrzeuge beschränkt werden, die den entsprechenden CO2-Flottengrenzwert einhalten.

ist dem Argument möglicher Kritiker von vornherein der Wind aus den Segeln genommen. Die Anrechnung wird den Druck zur Effizienzsteigerung nicht abbauen. Und das ist auch gut so.

Für die Kampagne bedeutet dieser Satz, dass der Strategische Campaigning Grundsatz Nr. 2 eingehalten werden kann.

Hier noch der Link zur Motion:

http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20144128

Die Agenda kontrollieren und die richtige mentale Einstellung dazu

Kürzlich bin ich über den folgenden Beitrag gestossen: 13 Things Mentally Strong People Don’t Do

1. They Don’t Waste Time Feeling Sorry for Themselves

2. They Don’t Give Away Their Power

3. They Don’t Shy Away from Change

4. They Don’t Waste Energy on Things They Can’t Control

5. They Don’t Worry About Pleasing Everyone

6. They Don’t Fear Taking Calculated Risks

7. They Don’t Dwell on the Past

8. They Don’t Make the Same Mistakes Over and Over

9. They Don’t Resent Other People’s Success

10. They Don’t Give Up After the First Failure

11. They Don’t Fear Alone Time

12. They Don’t Feel the World Owes Them Anything

13. They Don’t Expect Immediate Results

Alles zusammengenommen könnte man dies als eine Liste von Interpretationen des Strategischen Campaigning Grundsatzes Nr. 2 sehen (Die Agenda kontrollieren). Detaillierte Erläuterungen gibt es hier: 13 Things Mentally Strong People Don’t Do

Diskutieren können wir das am Campaigning Summit Zurich 2014.

Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und der Strategische Campaigning Grundsatz Nr. 2

SCG 2: Die Agenda kontrollieren

Bei diesem Grundsatz geht es unter anderem darum: «der Konkurrenz den eigenen Rhythmus aufzwingen und sie in der Defensive behalten», «selber bestimmen, wann was wie und wo geschieht», «Spielregeln nicht akzeptieren, sondern gezielt verändern», «das Gebiet der Auseinandersetzung selbst bestimmen», «auf gewisse Dinge bewusst nicht reagieren», «das reale Umfeld und den Kontext, in dem man sich bewegt und in dem man gesehen wird, aktiv und zielgerichtet gestalten. Eine fortlaufende Geschichte erzählen», «den Informationsfluss kontrollieren und geschickt dosieren».

AC/DC akzeptieren nur solche Regeln, die sie freiwillig akzeptieren. Wenn eine Spielregel weder ihrer Musik noch ihren Fans etwas nützt, dann brechen sie sie („Just keep on breaking the rules“, „no stop signs, speed limits – nobody’s gonna slow me down“).

Selbst, als sie in vielen australischen Städten verboten wurden, haben Sie sich nicht angepasst und stattdessen klar an ihrem Konzept festgehalten. Sie spielten einfach woanders, und schliesslich machte es eine wachsende und mehr und mehr loyale Fan-Gemeinschaft unmöglich, Ihnen noch irgendwo einen Auftritt zu verbieten. Am 30. Todestag von Bon Scott läuteten in Sidney die Kirchenglocken, um die Welt an diesen aussergewöhnlichen Sänger zu erinnern, der mittlerweile auf dem Highway To Hell war. AC/DC hatten nun definitiv ihr Umfeld (mit) verändert.

AC/Sie haben die Spielregeln verändert, statt sie zu akzeptieren. Sie haben eine klare Vorstellung von dem, was sie wollen und erlauben es niemandem, sich ihnen in den Weg zu stellen: Let There Be Rock. Schon in jungen Jahren vertraten sie die Meinung, alles sagen und tun zu können, und obendrein damit noch durchzukommen.

AC/DC wird in englischsprachigen Ländern auch als heterosexuell/homosexuell verstanden. Während einer USA-Tournee wurde Bon Scott von einem Roadie gefragt, ob er jetzt AC oder DC sei. Seine Antwort lautete „Weder noch – ich bin der Blitz dazwischen“, gefolgt von einem Faustschlag zwischen die Augenbrauen. Es geht bei diesem Grundsatz eben auch darum, einen dritten Weg zu finden, wo andere nur zwei Wege erkennen können.

Nach eigenen Aussagen „wissen (sie), was die Kids wollen“ – weil sie die gleichen Werte und Erwartungen teilen. Sie komponieren Songs, die sie selbst lieben, für Leute mit dem gleichen Geschmack. Und sie sind bemüht, niemals zu enttäuschen. Sie halten an ihrer Linie fest, an ihrem Erbe und ihrer fortlaufenden Geschichte. Mit jeder Tournee wird ihre Bühnenshow umfangreicher, denn es müssen all die Requisiten aus früheren Tourneen vertreten sein. AC/DC bestimmen und erzählen ihre Geschichte selber. So behalten sie die Kontrolle. Dazu gehört auch, dass man kaum etwas aus ihrem Privatleben erfährt. Aktuell ist bekannt, dass ein Bandmitglied erkrankt ist. Wer und woran ist nicht zu erfahren – trotz all dem Medieninteresse und Millionen von Fans. AC/DC kontrollieren die Agenda!

Fortsetzung folgt.

Mehr zu den 14 Strategischen Campaigning Grundsätzen im Seminar Campaigning am 21. und 22. Mai (hier klicken).