Campaigning soll auch Spass machen

So lautet zumindest eine Interpretation des 14 Strategischen Campaigning Grundsatzes Nr. 8 («Ausnützung von Synergien und Multiplikationseffekten»). Deshalb haben wir Comedian-Newcomerin Sam-Elise Etienne mit «Peanuts» auf dem 6. Campaigning Summit Switzerland: http://www.de.campaigning.swiss/sam-elise-etienne
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Was, wenn es uns nicht gäbe?

Ich bin gerade in Bern an der Generalversammlung eines Wirtschaftsverbands und mache mir meine Gedanken über dessen Corporate Identity, die mir zu wenig klar und auf den Punkt gebracht definiert zu sein scheint. Was würde passieren, wenn es den Verband nicht mehr gäbe? Diese eine Frage zu beantworten könnte hier ganz sicher mehr Klarheit bringen.

Erster Kampagnen-Chatbot der Schweiz lanciert, für die Ja-Kampagne zur «Altersvorsorge 2020»

Mit der folgenden Medienmitteilung betreten wir – business campaigning GmbH – Neuland. Denn Chatbots gibt es bisher nur für den Dialog zwischen einem Anbieter und den Nutzern von dessen Online-Angebot. Mit dem heute präsentierten Chatbot für die «Altersvorsorge 2020» steht nun ein Chatbot zur Verfügung, der nicht nur dem Dialog zwischen dem Schweizerischen Pensionskassenverband ASIP und der Öffentlichkeit dient, sondern der gleichzeitig vom Kampagnenteam der Ja-Kampagne als Textdatenbank und Informationsquelle genutzt werden kann.

Diese Massnahme setzt die folgenden Strategischen Campaigning Grundsätze um: Nr. 3 (Konzentration der Kräfte), Nr. 7 (Wirkungsorientierung und Abstimmung von Zielen und Mitteln), Nr. 8 (Ausnützung von Synergien und Multiplikationseffekten), Nr. 10 (unité de doctrine), Nr. 11 (Effizienz und Einfachheit) und Nr. 14 (Goldene Brücken bauen)

 

Medienmitteilung vom 29. Mai 2017

business campaigning GmbH entwickelt Chatbot als Dreh- und Angelpunkt für die Ja-Kampagne zur «Altersvorsorge 2020»

Dietikon. Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP und business campaigning GmbH präsentieren den ersten Chatbot, der auch als Kampagnen-Werkzeug eingesetzt werden kann. Man kann ihm auf der Facebook-Seite von dringendereform.ch Fragen zur «Altersvorsorge 2020» stellen. Getreu dem Mitmach- und Empowerment-Campaigning-Ansatz der ersten Schweizer Campaigning-Agentur dient der Chatbot aber auch der Kommunikation mit den Kampagnenteams. Denn er liefert zu Argumenten der Gegner die entsprechenden Argumente der Befürworter. Unterstützer der Ja-Kampagne können den Chatbot deshalb für ihre Überzeugungsarbeit nutzen.

Weiss jemand zum Beispiel nicht, was man auf ein kritisches Argument antworten soll, kann man den Chatbot fragen. Er gibt dann eine fachlich korrekte Antwort, die man einfach kopieren kann. Weiss der Chatbot einmal nicht weiter, werden durch das Redaktionsteam laufend neue Antworten ins System gegeben. Der Chatbot wird dadurch zum Dreh- und Angelpunkt der Kampagne. Er wird permanent weiterentwickelt.

Der Schweizerische Pensionskassenverband ASIP hat business campaigning GmbH mit einer Faktencheck-Kampagne zur «Altersvorsorge 2020» beauftragt. Wie der Verband am 12. Mai in Bern bekannt gab, sagt er «mit Vorbehalten Ja zum beschlossenen Kompromiss und fokussiert sich im Abstimmungskampf auf einen Faktencheck». Dazu gehört die Weiterentwicklung der bereits bestehenden und ebenfalls durch business campaigning GmbH konzipierten und betreuten Website dringendereform.ch und der dazugehörigen Social Media Konten.

Als unabhängiger Fachverband ist der ASIP Ansprechpartner für alle Akteure im Umfeld der beruflichen Vorsorge. Er wird sich daher keinem Abstimmungskomitee anschliessen. Gleichwohl wird sich der ASIP im Abstimmungskampf engagieren: Mittels einer primär im digitalen Bereich geführten Aufklärungs- und Faktencheck-Kampagne wird er die Vor- und Nachteile (Chancen/ Risiken) der Vorlage sowie die Konsequenzen bei einem Ja und bei einem Nein aufzeigen.

Der ASIP setzt sich zum Ziel, das Verständnis bezüglich Vorsorgefragen zu verbessern und gleichzeitig Falschinformationen entgegenzuwirken. Wichtig für den ASIP ist eine ausgewogene und fachlich fundierte Meinungsbildung der Stimmbevölkerung. Zentrale Plattform bleibt die schon bestehende Website www.dringendereform.ch.
Weitere Informationen:
Auftraggeber: Schweizerischer Pensionskassenverband ASIP
Konzeptionen & Umsetzung: business campaigning GmbH

Kontakt:
Peter Metzinger (business campaigning GmbH)
Telefon +41 79 628 61 26
E-Mail peter@businesscampaigning.com
Website http://www.businesscampaigning.com
Twitter @campaigning

business campaigning GmbH ist die Nr. 1 für Campaigning in der Schweiz. Wir machen Kampagnen. Aber anders. Denn der Campaigning Ansatz basiert auf einer integrativen, cross-medialen und strategischen Denk- und Arbeitsweise und Campaigning ist die Kunst, alle Register ziehen zu können, um wirkungsvoll und effizient ein gegebenes Ziel zu erreichen und/oder Menschen zu bewegen.

 

It’s the numbers, stupid!

Am Freitag durfte ich mal wieder an der ZHAW in Winterthur innerhalb des CAS Kommunikationsmanagement das Thema Campaigning unterrichten; bzw. mein business campaigning® Modell.

Nach der Einführung in die Strategielehre des business campaigning® Modells gab es eine Gruppenaufgabe: eine Grob-Strategie für ein konkretes Projekt bzw. eine Kampagne ausarbeiten.

Was mir bei der Präsentation wieder einmal auffiel war, wie wichtig es ist, Ziele messbar in konkreten Zahlen auszudrücken.

Bei einer Gruppe ging es darum, ein bestimmtes Bevölkerungssegment dazu zu bewegen, deren Kinder an einem Bildungsangebot teilhaben zu lassen. Die Strategie enthielt dann ein Ziel, Denner für die Mitarbeit zu gewinnen, weil man dort dieses Bevölkerungssegment gut erreichen kann. Das klang plausibel, aber als ich nicht locker liess und nach den konkreten Zahlen fragte, stellte sich heraus, dass diese so klein war, dass man mit einer solche Zusammenarbeit mit Kanonen auf Spatzen geschossen hätte. Stattdessen genügte es völlig, mit ein paar Quartiervereinen und ähnlichen Institutionen in Zürich zusammenzuarbeiten. Das sollte genügend Eltern erreichen und bewegen können.

Was man daraus lernt: wenn man die Zahlen nicht konkret benennt, kann ein einfach zu lösendes (Kampagnen-/Marketing-/Kommunikations-/Change-) Problem gigantisch erscheinen. Und auch wenn die Zahlen gross sind, hat man dann immerhin die Möglichkeit, sie in mehrere kleinere Pakete herunterzureichen, die jedes für sich wiederum einfach(er) zu bewältigen sind.

Ziele müssen konkret und messbar formuliert sein, wie es der «LACKMUS-Test für die Zielformulierung» aus dem business campaigning® Modell fordert:

L ösungsneutral

A nspornend, motivierend

C hancenreich, multiplikativ

K lar und eindeutig

M essbar, überprüfbar

U msetzbar, realisierbar, erreichbar

S ystemkonform, konsistent, Zielkonflikte vermeidend

Wer wer wissen will oder eine Ausbildung im business campaigning® möchte, kann sich hier anmelden oder am 3. Juli zum Informationsabend kommen.

Economiesuisse hat aus dem USR-III-Debakel gelernt – aber da fehlt noch was

Die Neue Zürcher Zeitung berichtete gestern über eine Analyse des USR-III-Debakels durch den Wirtschaftsdachverband Economiesuisse.

Nach dem ersten Wundenlecken hat Economiesuisse intern und extern die Ursachen für die misslungene Kampagne eruieren lassen. Zuständig für die interne Analyse zeichnet die Geschäftsstelle, extern befasste sich Iwan Rickenbacher, der frühere CVP-Generalsekretär, mit dem Abstimmungsdebakel. Diese Woche hat sich der Vorstandsausschuss von Economiesuisse mit den Ergebnissen auseinandergesetzt. Der NZZ liegen die Schlussfolgerungen der Verantwortlichen vor.

Das klare Volksverdikt sei nicht allein auf die Kampagne zurückzuführen, urteilen sie. Massgebenden Einfluss hätten das Umfeld, also etwa Globalisierungsängste, und die Vorlage selber ausgeübt. Economiesuisse stellt sich insgesamt sogar ein gutes Zeugnis aus, spricht von nicht beeinflussbaren Faktoren, nur punktuellen Fehleinschätzungen und nur einzelnen handwerklichen Schwachstellen in der Kampagnenarbeit. Tiefgreifende Änderungen, so das Fazit, seien aufgrund der Analysen nicht nötig. Rickenbacher bilanziert: «Die Kampagne wurde professionell und engagiert geführt. Auch eine andere Kampagne hätte diese Vorlage voraussichtlich nicht zu einem Ja geführt.»

Engagiertere Wirtschaft

Aus Sicht des Wirtschaftsdachverbands spielte das «über Jahre geschürte Misstrauen gegenüber der Elite / Classe politique» eine wichtige Rolle: Werde über Vertrauensfragen abgestimmt, bleibe der geschürte Elite-Basis-Konflikt nicht ohne Folgen. Relevant sei überdies das Engagement der Wirtschaft. In der direkten Demokratie sei es notwendig, dass sich Unternehmen als Teil der Gesellschaft verstünden und Wirtschaftsvertreter einen permanenten Dialog pflegten – «nicht nur, wenn konkrete Interessen auf dem Spiel stehen». Der Verband konstatiert: Das politische Engagement der Wirtschaftsführer ist in den letzten Jahren kleiner geworden. Dies bleibe nicht folgenlos.

(…)

Geprüft hat Iwan Rickenbacher eine Aufteilung des Dachverbands in eine Lobby- und eine Kampagnenorganisation. Eine solche Aufstellung wäre heute nicht mehr zielführend, schreibt der Berater. Dieser Ansicht schliesst sich der Dachverband an: «Die Interessen der Wirtschaft könnten weniger effektiv durchgesetzt werden als mit dem heutigen Modell, das Lobbying und Campaigning verzahnt und aus einer Hand anbietet.»

Ich masse mir nicht an, diese Analyse in Zweifel zu ziehen oder gar zu kritisieren. Nur in einem Punkt muss ich widersprechen, nämlich bei der Gleichstellung von Lobbying und Campaigning. Campaigning ist eine Denkweise und somit überhaupt nicht vergleichbar mit Lobbying. Das wäre, wie wenn man eine Obstschüssel mit Äpfeln vergleicht. Und wie die Obstschüssel kann Campaigning im konkreten Fall Lobbying enthalten, wie auch andere Methoden (Werbung, PR, Digital Marketing usw.). Iwan Rickenbacher meint vermutlich Public Campaigning als modern wirkendes Synonym für Öffentlichkeitsarbeit. Dem wäre nichts entgegenzuhalten. Ohne das Wörtchen Public ist Campaigning aber immer «mehr als Kommunikation».

Interessanterweise kann man genau das sogar aus der Analyse herauslesen. Rickenbacher empfiehlt «Engagement der Wirtschaft», also konkrete Taten statt nur Worte. Dies wäre dann im Sinne des anderen Teils, der zur Definition von Campaigning gehört: Interventionen, konkrete Taten und Veränderungen, die nicht primär kommunikativen Charakter haben.

Campaigning = Kommunikation x Intervention
(meine Campaigning-Formel von 1998)

Schwarmintelligenz versus einsame Führung?

Kürzlich hörte ich am Worldwebforum das Referat von Jeff Eggers, früherer Navy Seal Kommandant und Sicherheitsberater von US-Präsident Obama. Darin erzählte er eine Geschichte über einen Einsatz, bei dem der befehlshabende Kommandeur, der weit weg vom Geschehen sass, eine Katastrophe verursacht hätte, hätte sein Team nicht vor Ort selbständig (und richtig) entschieden.

Bei einer anderen Geschichte war genau das Gegenteil der Fall. Nach Bekämpfung von Aufständischen auf einer Insel im Euphrat wollte die Navy Seals Einheit schon am Nachmittag zurück. Den Hinweg hatten sie morgens um 3:00 gemacht, weil sie wussten, dass die Route nur zu dieser Zeit halbwegs sicher war, weil die Aufständischen dann schliefen. Den Rest des Tages war es die gefährlichste Strecke im ganzen Irak. Eggers gab nach, weil seine Leute müde waren und er sie nicht enttäuschen wollte. Natürlich gerieten sie in einen Hinterhalt und verloren fast einen Mann.

Was kann man daraus lernen? – In der ersten Geschichte war es die Intelligenz des (kleinen) Schwarms, die die bessere Lösung fand, im zweiten hätte ein einzelner Befehlshaber die Entscheidung alleine für sich treffen und Abwarten befehlen sollen.

Oder anders: gemäss der ersten Interpretation des Strategischen Campaigning Grundsatzes Nr. 5 (Flexibilität bewahren) sollte man «Sowohl-als-auch-Mentalität („Ambivalenz“) bzw. in Paradoxien denken». Richtig entscheiden heisst nicht entweder zentral oder dezentral, sondern sowohl zentral als auch dezentral, je nachdem was die Situation erfordert. Zu entscheiden, welche der beiden Varianten die richtige ist, das ist die Kunst des richtig Führens.

Kampagne für die Unternehmenssteuerreform III: Wieso nicht???

Das Desaster (für die Befürworter) bei der Unternehmenssteuerreform III war angesichts der gegnerischen Kampagne ja deutlich abzusehen. Warum die Befürworter ihre Kampagne so führten, wie sie sie führten, ist immer von aussen kaum zu beurteilen, erst recht, wenn man keine Kenntnisse über die internen Debatten und strategischen Diskussionen hat.

Dennoch kam mir heute morgen mir ein Gedanke dazu, der mich nicht mehr loslässt. Und zwar der Gedanke, dass die Befürworter vermutlich eine gravierende strategische Nachlässigkeit begangen haben.

Es stellt sich nämlich die Frage, warum man nicht gut vernetzte Leute mit vielen Followers auf Social Media (in der Schweiz zähle mich dazu) versucht hat, zu Botschaftern zu machen. Ich wurde nie angefragt, ob ich mich engagieren will und man hat mir auch nie leicht verdauliche Argumente-Häppchen geliefert, die ich hätte verbreiten können.

Ohne diese wäre die Debatte aber zu kompliziert geworden. Ob ich mich überhaupt hätte engagieren wollen, sei dahingestellt und ist vor allem völlig nebensächlich. Aber man hätte es doch mindestens versuchen sollen. Oder hat man es versucht, aber aus irgendeinem Grund mich nicht erreicht? Waren die Maschen des Netzes zu gross oder hat man es an der falschen Stelle ausgeworfen? Hat man darauf verzichtet, im Detail zu analysieren, wer gut vernetzt ist und Einfluss nehmen könnte und stattdessen nur Targeting im Facebook-Stil gemacht? – Ich weiss es nicht.

Jedenfalls zeigen die US-Kampagnen seit Joe Trippis Kampagne für Howard Dean (2003)  – und auch die vielen Abstimmungskampagnen, die es in der Schweiz schon gegeben hat – dass das nicht nur wesentlich, sondern in Zeiten digitaler Vernetzung sogar sehr einfach wäre.

Nach der heutigen Abstimmung bleibt für mich deshalb vor allem diese eine Frage im Raum stehen: Wieso nicht?

Hat jemand eine Antwort und möchte sie hier teilen?

Nicht vergessen: die Tickets für den 5. Campaigning Summit Switzerland gehen weg wie nie zuvor. Wer eins haben will, sollte sich beeilen: 

www.CampaigningSummitSwitzerland.com

Sogar für Ratten gilt: rückwärts denken, um voran zu kommen

So lautet der Titel einer meiner Standard-Kurs-Folien. Gemeint ist damit, dass man zuerst das Ziel einer Kampagne ganz genau definieren muss, bevor man sich über Zielgruppen («die Leute, die einem helfen, das Ziel zu erreichen», nicht nur simple Informationsempfänger) oder gar über Instrumente wie Werbung, PR oder Change Management Gedanken machen sollte. Bzw. dass man genau in dieser Reihenfolge denken sollte: vom Ziel auf die Zielgruppe schliessen, diese so richtig gut kennenlernen – oder in die Planung involvieren (Target Community Labs™) – und dann erst die Instrumente festlegen.

Im Spektrum der Wissenschaft habe ich nun entdeckt, dass das auch für Ratten gilt: «Lernt das Gehirn Routen am besten rückwärts?»

Wer mehr über Kampagnenplanung lernen will, sollte nicht nur zum Campaigning Summit Switzerland 2017 am 31. März kommen, sondern sich auch noch den Tag vorher frei halten. Konkrete Informationen, was genau wir für dann planen, werden demnächst bekannt gegeben. 

«Magazin»-Autoren geben ihren Kritikern recht, aber ich keinen von beiden

«Wir haben teilweise überspitzt formuliert», schreiben Hannes Grassegger und Mikael Krogerus mit Blick auf die Kritik an ihrem Artikel im «Magazin». Die beiden erhoffen sich, mit ihrem Beitrag den Anstoss für eine «wichtige Debatte» gegeben zu haben.

So stand es gestern im persönlich-Magazin. Den dazugehörigen Artikel in ganzer Länge gibt es hier.

Meiner Meinung haben aber beide Seiten Unrecht. Nur zwei Beispiele:

  1. Dass ein einzelner Faktor den Wahlsieg nicht erklären kann, ist doch logisch. Dass man darüber überhaupt diskutiert ist das eigentlich Faszinierende an dieser Sache. Die Tatsache, dass die Sonne im Osten aufgeht und nicht im Westen löst ja auch keine emotionalen Diskussionen aus. (Zumindest nicht dass ich wüsste…)
  2. Die Kritik, bei Cruz hätte Cambridge Analytica keinen Erfolg gehabt und deshalb auch nicht bei Trump erfordert hingegen schon ein wenig mehr Nachdenken. Jedoich nicht viel, wie folgender Vergleich zeigt: Beweist die tatsache, dass ich mit 5 Jahren noch nicht Motorrad fahren konnte, dass ich es heute auch nicht kann? – Jedes neue Tool muss erst einmal getestet werden, bevor man es voll beherrscht und es seine ganze Wirkung entfalten kann. Anfängliche Untauglichkeit sagt oft nicht sehr viel aus über spätere Einsätze. Auch das ist eigentlich völlig logisch, und es ist mir ein Rätsel, wieso das als Argument ins Feld geführt wird.

Die ganze Debatte ist vollgespickt mit unlogischen Äusserungen und Schlussfolgerungen, die den Blick aufs Wesentliche verschliessen: dass die Büchse der Pandora offen ist. Dabei ist nicht das Microtargeting gemeint. Das haben wir auch schon 1992 gemacht, als ich bei der Planung der Abstimmungskampagne gegen eine unbefristete Bewilligung für das AKW Mühleberg nachschaute, welche Gemeinden bei der 3xJa-Abstimmung für die Atomkraft abgestimmt hatten. In diesen Gemeinden verteilten wir dann Informationen zu möglichen Alternativen zum Mühleberg-Strom, mit dem Ziel, die Wähler dort zu verunsichern und von der Urne fernzuhalten (was auch die Trump-Kampagne gegenüber Hillary-Wählern erreichen wollte). Und in den AKW-Gegner-Gemeinden verteilten wir Informationen, die zum Urnengang mobilisieren sollten. Wir gewannen die Abstimmung mit ca. 52% Nein zur unbefristeten Bewilligung für Mühleberg…

Was aus der genannten Büchse der Pandora zuerst rauskam ist wahrscheinlich unwesentlich gegenüber dem, was in Zukunft rauskommt. Und darauf kommt es an. Es konnte mir noch niemand glaubhaft widerlegen, dass die Kombination aus globaler Daten- und Dinge-Vernetzung mit Learning Artificial Intelligence keine völlig neue Qualität bedeutet, einen Bruch mit dem, was wir bisher für selbstverständliche und gegebene Ordnungen und Wertesysteme im Campaigning hielten.

Darum geht es doch wirklich bei dieser Sache.

Blick, Jolanda Spiess-Hegglin, Shitstorm und ich auf einmal mittendrin…

Montags habe ich immer durchgehend One-on-one-Meetings mit  Mitarbeitenden. Ich war letzten Montag in solch einem Meeting, als eine Journalistin des Blick anrief. Ausnahmsweise unterbrach ich die Besprechung, um abzunehmen und zu fragen, ob ich zurückrufen kann. Man weiss ja nie, wie dringend eine solche Anfrage ist. Und als Inhaber einer Campaigning-also-auch-Kommunikationsagentur sollte man sich um Medienanfragen immer sofort kümmern. Das allerdings erwies sich als Fehler. Denn ich tat genau das, wovon ich jeden anderen abhalten würde.

Die Journalistin wollte eine Stellungnahme zur Reporter-Sendung vom Vorabend, in der Frau Spiess-Hegglin Einblicke in ihr Leben gab, in der Wohnung filmen und auch ihren Mann zu Wort kommen liess. Vor allem aber stand, nach Aussage der Journalistin, die Geschichte, die Frau Spiess-Hegglin im ganzen Land berühmt gemacht hatte, im Zentrum der Dokumentation. Ich will diese Geschichte hier bewusst nicht aufwärmen, indem ich einen Link setze. Wer sie kennt, weiss worum es geht, und alle anderen dürfen jetzt aufhören zu lesen.

Ich sagte, dass ich wohl die falsche Person sei, weil ich weder die Sendung gesehen noch die Geschichte von damals gut genug kannte.

Vielleicht hätte ich dazu sagen sollen, dass ich letztere wohl vor allem deshalb nicht kannte, weil ich sie bewusst ignoriert hatte. Mir war aus der Arbeit der letzten 19 Jahre mit betroffenen Personen, Organiationen und Unternehmen – und auch aus der Zeit davor bei Greenpeace – bewusst genug, dass man nicht immer alles glauben darf, was in den Medien steht und dass es Journalisten bzw. Medien gibt, die vor nichts zurückschrecken, wenn sie eine skandalträchtige Geschichte wittern. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Und vor allem war ich ja in diesem Meeting und wollte das Telefongespräch kurzhalten.

Die Journalistin sagte, ich müsse weder den Film noch die Geschichte von Frau Spiess-Hegglin kennen, um ihre Frage zu beantworten. Sie wolle lediglich wissen, ob ich der Meinung sei, dass eine solche Dokumentation dazu geeignet sei, einen möglichen Reputationsschaden wieder gutzumachen. Darauf dachte ich antworten zu könnnen, denn das ist eine Frage im Stil von «Wird die Strasse nass, wenn es regnet?».

Meine Antwort war dann natürlich nicht so einfach, wie es im Artikel scheint. Ich sagte, ich kenne die Ziele nicht, die Sie mit der Dokumentation vielleicht erreichen wollte. Ohne diese Ziele zu kennen, falle es schwer, zu beurteilen, ob das eine gute Idee war oder nicht, und ich möchte dazu auch gar nichts sagen. 

Aber wenn es nur um den Wiederaufbau der Reputation ginge, dann wäre es sicher besser, Gras über die Sache wachsen zu lassen und sie langsam der Vergessenheit preiszugeben, indem sie sich neuen Themen zuwendet. 

Zu dieser Aussage stehe ich weiterhin, denn ohne neue Fakten wird es nicht gelingen, weniger gut Gesonnene von ihrer Sicht zu überzeugen, ihre Anhänger werden sie sowieso weiterhin unterstützen und die breite Masse dazwischen fragt sich nur, wieso die Geschichte dauernd wieder aufgewühlt wird. 

Letzteres kann für die Reputation sogar noch schädlicher sein, als nichts zu tun. 

Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass das nicht einfach ist, denn ich stand auch schon in der Schusslinie. Manchmal macht es dann Sinn, sich zu wehren und manchmal macht es die Sache nur noch schlimmer. 

Ich sagte aber auch, dass dies anders sei, wenn es neue Fakten gebe. Dann könne es sich unter Umständen lohnen, wieder aktiv zu werden. Aber wenn nicht, sei es besser, durch neue Themen die Sache vergessen zu machen. 

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich von Netzcourage.ch nichts. Hätte ich das gewusst, hätte ich ergänzt, dass sie die Erinnerung und an die damalige Geschichte vielleicht bewusst aufrecht erhalten unter Inkaufnahme des «Reputationsschadens», wenn man das überhaupt so nennen will, denn für manche UnterstützerInnen ist sie nun eher eine Heldin, die sich auflehnt und wehrt. Da können ihr die anderen ja vielleicht egal sein, die anders denken. 

Ich bin unbedacht in ein Fettnäpfchen getreten und habe mich dafür bei Frau Spiess-Hegglin mittlerweile entschuldigt. Denn das war sicher nicht meine Absicht. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Wüsste ich nicht, Verantwortung für mein Tun zu übernehmen, würde ich mich wahrscheinlich sogar vom Blick übertölpelt fühlen. Aber ich wusste ja, wie man sich richtig verhält. Dass ich es nicht getan habe, kann ich nicht auf den Blick schieben. 

Meine Lehre daraus wird deshalb sein, was ich anderen in solchen Situationen rate (in eigener Sache macht man ja immer alles falsch, so wie ein Arzt sich nicht selbst kurieren kann…): statt schnell zu antworten zuerst einmal recherchieren, mir ein umfangreiches Bild machen und erst dann, in Kenntnis auch der Dinge antworten, die mir sonst nicht bewusst gewesen wären. Einen Rückruf vereinbaren anstatt zwischen Tür und Angel sofort zu antworten.

Netzcourage.ch wünsche ich viel Mut, Kraft und ein gutes Urteilsvermögen, beim Engagement für Ausgewogenheit in der Berichterstattung und Frau Spiess-Hegglin, dass sie erreicht, was für sie und ihre Familie das Beste ist.