CO2-Gesetz ist ein solider Kompromiss

Aufgrund der Berichterstattung und eines Leserbriefs in der Limmattaler Zeitung der letzten Tage zum Referendum gegen das neue CO2-Gesetz, habe ich den folgenden Leserbrief geschrieben, der dort gestern veröffentlicht wurde. Nachdem das Parlament jahrelang an einem gutschweizerischen Kompromiss gearbeitet hat und das neue CO2-Gesetz die Grundlagen für eine klima- und gleichzeitig gewerbefreundliche Wirtschaftspolitik gelegt hat, an dem ich ebenfalls beteiligt war (sinnvolle Version einer Flugticketabgabe, neuer Art. 53, und Anrechenbarkeit synthetischer Treibstoffe bei den CO2-Sanktionen, neuer Art. 18), ist es mir wichtig, dass dieses Gesetz nicht am Referendum scheitert.

Clean Fuel Now Aktion auf dem Bundesplatz – Betankung eines konventionellen Autos mit synthetischem Diese von Sunfire; organisiert von meiner Campaigning Firma

CO2-Gesetz ist ein solider Kompromiss
Diverse Artikel zu den Beratungen über das CO2-Gesetz

Die Gegner des CO2-Gesetzes mobilisieren, indem sie das Gesetz mit Begriffen verunglimpfen, die nichts mit der Sache zu tun haben. Wie bei jedem gutschweizerischen Kompromiss gibt es immer ein gewisses Mass an Unzufriedenheit auf beiden Seiten. Der welschen Klimajugend kann man dies mit jugendlichem Leichtsinn nachsehen. Aber die Erdöllobby macht sich unglaubwürdig. Avenergy machte noch vor kurzem Werbung damit, dass sie die Zukunft der Branche in synthetischen Treibstoffen sieht. Diese werden aber nur dann eine Chance haben, wenn das Gesetz angenommen wird, denn ohne (den neuen) Artikel 18 haben synthetische Treibstoffe keine Chance auf dem Markt. Dieser Artikel sieht deren Befreiung von den CO2-Sanktionen vor, eine wichtige Voraussetzung für deren Finanzierbarkeit beim Aufbau der neuen Industrie. Und Auto Schweiz fällt mit dem Referendum einem seiner Mitglieder in den Rücken, das eine Anlage für die Produktion synthetischer Treibstoffe bauen möchte, was ebenfalls nur mit Artikel 18 machbar ist. Alles in allem handelt es sich beim neuen CO2-Gesetz um einen soliden Kompromiss, auf den man bauen kann und der Arbeitsplätze im Gewerbe schaffen wird. Wer jetzt Unterschriften dagegen sammelt, sollte sich dessen bewusst sein, dass er damit wichtige Investitionen abwürgt und der Zukunft der Schweiz einen Bärendienst erweist.

Peter Metzinger, Gemeinderat FDP, Dietikon

CO2-Gesetz: friends of swisscleantech wollen Big Oil kontern

Jahrelang hat das Schweizer Parlament am neuen CO2-Gesetz gearbeitet. Im September wurde es als gut schweizerischer Kompromiss verabschiedet. An Teilen davon (gute Rahmenbedingungen für synthetische Treibstoffe und synthetisches Kerosin beziehungsweise Power-to-X) habe ich mitgewirkt.

In meinen Augen und denen der friends of swisscleantech legt das Gesetz ein solides Fundament für die Schweizer Klimapolitik der nächsten Jahre. (Die friends of swisscleantech ist die Organisation der Einzelmitglieder des schweizerischen Wirtschaftsverbands swisscleantech, an deren Gründung ich ebenfalls mitgewirkt habe.)

Big Oil ergreift das Referendum

Umso bestürzter sind wir nun alle über die Ankündigung von Big Oil, auf Kosten der kommenden Generationen das Referendum zu ergreifen. Auch dass sie dabei Unterstützung durch einen Teil der Klimajugend bekommen, macht die Sache nicht besser. Ein Nein würde die Schweizer Klimapolitik um Jahre zurückwerfen und keine Verbesserung bringen.

Die friends of swisscleantech rufen nun zum Top-the-Vote-Challenge auf. Per sms «IVote» an die Nummer 488 (CHF 2 ) sollen doppelt so viele Stimmen für das CO2-Gesetz gesammelt werden, wie es für ein Referendum brauchen würde. Der Ertrag wird für die Kampagne zur Rettung der Schweizer Klimapolitik verwendet.

Ich habe schon abgestimmt. Bitte gib‘ auch Du Deine Stimme für den Klimaschutz und verbreite diese Information in Deinem Umkreis, so dass wir unser Ziel erreichen. Vielen Dank.

Weitere Informationen:
https://top-the-vote.ch

Photo by Heather Mount on Unsplash

«Jetzt geben wir gemeinsam Gas für eine saubere Energiezukunft.»

So steht es auf der Website der KVA Limeco in Dietikon. Und weiter: „In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit acht Schweizer Energieversorgern und der Stadtwerke-Allianz Swisspower realisiert Limeco in Dietikon die erste industrielle und kommerziell betriebene Power-to-Gas-Anlage der Schweiz. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir zur treibenden Kraft für die Energiewende.“

Power-to-Gas bedeutet, dass überschüssiger, erneuerbarer Strom, den man nicht speichern kann, neu genutzt wird, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Den Wasserstoff kann man direkt verwenden oder lässt ihn noch mit CO2 aus der Luft reagieren und erhält dann synthetisches Erdgas (Methan). Produziert man – mit einem anderen Anlagetyp – Diesel, Benzin, Kerosin, Wachs, Plastik oder Paraffin, spricht man von Power-to-Liquid oder Power-to-X, was der übergeordnete Begriff für alle möglichen Endprodukte ist.

Auf dem Areal des Limmattaler Regiowerks Limeco in Dietikon entsteht nun die bis anhin grösste Power-to-Gas-Anlage der Schweiz mit einer Elektrolyse-Leistung von 2,5 Megawatt (MW). Ab Winter 2021/22 wird sie erstmals synthetisches erneuerbares Gas ins Netz einspeisen.

Beim Projekt handelt es sich um eine Zusammenarbeit mit acht Schweizer Energieversorgern und der Stadtwerke-Allianz Swisspower. Mit dem gestrigen Spatenstich haben die Projektpartner einen Meilenstein erreicht. Das Projekt soll aufzeigen, wie Power-to-Gas-Anlagen die erneuerbare Stromproduktion ergänzen und dabei wirtschaftlich betrieben werden können.

Seit 2013 engagiere ich mich beruflich und privat für geeignete politische Rahmenbedingungen zur Förderung von Power-to-Gas. Diese Schlüsseltechnologie für die Energiezukunft hat erst dann eine Chance, wenn die Preisverzerrungen auf dem Markt zugunsten fossiler Energien beseitigt werden.

Fast jedes Mal, wenn ich in diesen Jahren zwischen Rapperswil und Bern an einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema teilnahm, fiel der Name Dietikon als leuchtendes Beispiel für den Bau der ersten industriellen Power-to-Gas-Anlage. Das neue Projekt der Limeco leistet also nicht nur einen Beitrag an die Energiewende, sondern auch an die Promotion unserer Heimatstadt Dietikon als Wirtschaftsstandort mit einem geplanten Cluster für Umwelt und Energie. Man kann also durchaus von einer „runden Sache“ sprechen.

Nun wäre es noch schön, wenn man in Bern merken würde, dass einheimische Energie ein wenig Unterstützung braucht, durch eine Verlängerung der Steuererleichterungen für biogene Treibstoffe («Mineralölsteuerbefreiung») bis 2030 statt nur bis 2023 und dass Power-to-Gas vom Netzentgelt befreit werden muss, möchte man es im grossen Stil nutzen.

Dann wird es eines Tages heissen, dass diese Schlüssel-Technologie ihren Durchbruch in Dietikon erlebte.

— Weiterlesen www.cleanfuelnow.com/post/jetzt-geben-wir-gemeinsam-gas-für-eine-saubere-energiezukunft

Veranstaltungshinweis: Covid-19 – Nachhaltiger Wiederaufbau mit bis zu 70’000 Jobs möglich

Der Verein energie-wende-ja und Greenpeace haben vor kurzem ein Impulsprogramm veröffentlicht, um die aktuelle Krise als Chance für die Energiewende zu nutzen. Die beiden Organisationen kommen zum Schluss, dass der Umbau auf eine nachhaltige Energieversorgung bis zu 70’000 Stellen schaffen würde.

Wie realistisch dies ist, können Sie am 1. September in der Umweltarena Spreitenbach aus erster Hand erfahren. energie-wende-ja lädt dann von 14:00 – 17:15 Uhr zur „Covid-19 Studie – Diskussion“ ein. Nach Einstiegsreferaten zum Thema gibt es eine Podiumsdiskussion mit:

  • Delphine Klopfenstein Broggini, Conseillère nationale, Genève.
  • Peter Metzinger, Gemeinderat Dietikon (FDP), Unternehmer.
  • Beat Ruff, economiesuisse, Stv. Leiter Infrastruktur, Energie & Umwelt
  • Gabriela Suter, Nationalrätin Kt. Aargau
  • Walter Schmid, Energiepionier/Initiant Umwelt Arena

Weitere Informationen und Anmeldung (bis 28. August bitte) hier: energie-wende-ja.ch

Im folgenden noch die Medienmitteilung zum Impulsprogramm und am Ende zwei Download-Links.

„Veranstaltungshinweis: Covid-19 – Nachhaltiger Wiederaufbau mit bis zu 70’000 Jobs möglich“ weiterlesen

Norsk E-Fuel will erneuerbaren Treibstoff für Flugzeuge produzieren

Das Industriekonsortium Norsk E-Fuel baut in Norwegen zusammen mit weiteren Projektpartnern die erste kommerzielle Anlage zur Herstellung synthetischen Kerosins. Die Produktion wird ausschliesslich mit Ökostrom angetrieben. Schon in 6 Jahren will man so viel synthetisches Kerosin betreiben, dass damit 5% des jährlichen Bedarfs von Zürich-Kloten gedeckt werden könnten.

Die Wende kommt schneller als gedacht. Auch die Schweiz wäre ein guter Standort, denn nachdem der Nationalrat beschlossen hat, dass ein erheblicher Teil der Flugticketabgabe dafür verwendet werden kann, synthetisches Kerosin gegenüber fossilem konkurrenzfähig zu machen (eine Idee von ETH-Prof. Anthony Patt, Nationalrat Martin Bäumle und mir, wie Martin Bäumle hier im Nationalrat verdeutlicht), hat die Schweiz politisch weltweit die besten Rahmenbedingungen, um sowohl das Klima zu schützen als auch den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft voranzutreiben und entsprechend neue Arbeitsplätze zu schaffen und alte im Gewerbe zu erhalten, so dass wir „den Fünfer und das Weggli“ haben können.

Voraussetzung: es gibt kein Referendum gegen das neue CO2-Gesetz oder das Referendum scheitert an der Urne. Deshalb Ja zum neuen CO2-Gesetz.

— Weiterlesen www.erneuerbareenergien.de/norsk-e-fuel-will-erneuerbaren-treibstoff-fuer-flugzeuge-produzieren

Forschungsresultat: Synthetisches Kerosin setzt 30- bis 100-mal weniger Russvorläufer frei als herkömmliches

Seit ich am 7. Juni 2019 zum ersten Mal die Idee lancierte, man könne eine Flugticketabgabe statt nur zur Lenkung auch dazu nutzen, die Mehrkosten für den Umstieg auf synthetisches Kerosin zu finanzieren, kam immer wieder das Argument, es würde nicht ausreichen, CO2-neutral zu fliegen.

Denn die Russpartikel beziehungsweise Aerosole, die aufgrund der unreinen Verbrennung ausgestossen werden, führen zur Bildung von Wolken, die einen zusätzlichen Treibhauseffekt verursachen, wodurch man eigentlich 2.5 Mal so viel CO2 vermeiden beziehungsweise der Atmosphäre entziehen müsste, als nur das direkt ausgestossene.

Mir war aber schon immer klar, dass das so nicht ganz stimmen kann. Denn synthetische, mit Power-to-X produzierte Treibstoffe sind viel reiner als fossile, weil man die Qualität bei der Produktion viel besser steuern kann. Somit sollten sie auch deutlich weniger Aerosole freisetzen.

Wie viel, hat nun eine Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Kopernikus-Projekt P2X gezeigt: bis zu 30- bis 100-mal weniger. Damit dürfte das Argument vom Tisch sein. Wenn überhaupt, braucht es nur noch ein wenig zusätzliche Kompensation. Wie viel genau, werden wir sicher auch bald wissen.

Somit heisst es, weitermachen auf dem Weg zur CO2-neutralen Fliegerei mit synthetischem Kerosin.

Hier geht es zur Analyse.

Wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur CO2-neutralen Luftfahrt erreicht

Die nationalrätliche Umweltkommission hat heute bekanntgebeten, dass sie den von ETH-Prof. Anthony Patt, Nationalrat Martin Bäumle und mir lancierten Vorschlag unterstützt, durch steigende Beimengungs-Quoten den Airlines zu ermöglichen, bis zum Jahr 2050 CO2-neutral mit synthetischem Kerosin zu fliegen. Nur so schaffen wir es, zum notwendigen Zeitpunkt auch die Langstrecken-Fliegerei CO2-neutral zu machen. Die einzige Alternative wäre ein totales Flugverbot für alle. Dass das nicht in Frage kommt, muss ich wohl nicht extra erwähnen.

„Um umweltschonende Technologien im Flugsektor vorwärtszubringen, erwähnt die Kommission diese ausdrücklich im Gesetzestext. Ihren Beschluss vom Januar, wonach Forschung und Innovation im Bereich der Luftfahrt gefördert werden soll, hat sie präzisiert: Die Fondsmittel sollen auch für die Entwicklung von erneuerbarem Flugtreibstoff eingesetzt werden können. Dabei dürften die Förderbeiträge für erneuerbare Treibstoffe bis zu 80 Prozent der Mehrkosten gegenüber fossilem Kerosin decken. Anfänglich sind maximal 100 Millionen Franken pro Jahr dafür vorgesehen. Erweist sich die Technologie als erfolgreichen Weg, kann der Unterstützungsbeitrag auf 300 Millionen Franken ansteigen. Dafür hat sich die Kommission mit 17 zu 6 Stimmen bei 2 Enthaltungen entschieden.“

Somit kann die Flugticketabgabe einen effektiven Beitrag zur Reduktion der Klimabelastung durch die Fliegerei leisten, selbst wenn die Lenkungswirkung zu gering ausfallen sollte. Zudem kann die Schweiz nach Verabschiedung des Gesetzes international eine Vorreiterrolle spielen und anderen Ländern einen gangbaren Weg in eine klimaneutrale Wirtschaft aufzeigen. Ganz sicher wird dies auch die Innovation beflügeln und zu neuen, wirtschafts- und umweltfreundlichen Lösungen führen.

Die vollständige Medienmitteilung von heute gibt es hier.

Weitere Informationen zu unserem Vorschlag gibt es hier: https://petermetzinger.com/2019/09/08/co2-neutral-fliegen-bis-2050-so-geht-das-guenstig-und-ohne-widerstand

https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2019/06/blog-nachhaltiges-fliegen-patt.html

https://martin-baeumle.ch/article/3360/medieninformation-co2-neutral-fliegen-bis-2050

Fliegen muss sauber werden – die Schweiz könnte dazu einen echten Beitrag leisten, statt mit der Klimaabgabe das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen

Die NZZ berichtet heute über das Engagement von Prof. Patt, Nationalrat Martin Bäumle und mir für eine sinnvolle Verwendung der geplanten Flugticketabgabe.

«Wenn die Klimaabgabe auf Flugtickets schon eingeführt wird, sollte man damit CO2-neutrales Fliegen fördern und nicht beliebige Subventionstöpfe füllen. Die Schweiz könnte etwas bewirken. … Eine Gruppe um GLP-Nationalrat Martin Bäumle, ETH-Professor Anthony Patt sowie FDP-Kommunalpolitiker und Energieexperte Peter Metzinger hat im vergangenen Herbst in einem Ideenpapier skizziert, wie das gehen soll.»

— Weiterlesen www.nzz.ch/meinung/fliegen-muss-sauber-werden-ld.1537660

Satt von Luft oder eher betrunken?

Der folgende Artikel aus der Limmattaler Zeitung zeigt, dass dem Einfallsreichtum innovativer Unternehmer bei der Bekämpfung der Klimakrise keine Grenzen gesetzt sind.

Eine ausgewachsene Buche entzieht der Atmosphäre pro Jahr 12,5 Kilogramm CO2. Dafür müsste man 25 Flaschen ­Wodka trinken. Was einen vernachläs­sigbaren Nutzen für das Klima, aber gravie­rende Folgen für die eigene Gesundheit hätte. Klammert man den ökolo­gischen Fussabdruck gewisser tiefsibirischer Ethnien aus, so ist der Wodka für den Klimawandel ein bescheidenes Problem. Insofern wird die Welt mit dem ­Saufen von CO2-negativem Wodka nicht gerettet werden können.

Mehr dazu:

epaper-service.azmedien.ch/Nachrichten/issue-SaW-LIZ-20200125-article-0256513937-p1191822.html

easyJet wird weltweit alle Flüge mit Netto-Null-Emissionen durchführen

easyJet wird weltweit alle Flüge mit Netto-Null-Emissionen durchführen. Damit dies möglich ist, fordert die Airline politische Rahmenbedingungen, die in wesentlichen Punkten mit dem Vorschlag von Prof. Patt, Martin Bäumle und mir übereinstimmen. Spannend!

— Weiterlesen www.cleanfuelnow.com/single-post/2019/11/19/easyJet-wird-weltweit-alle-Flüge-mit-Netto-Null-Emissionen-durchführen

Und hier nochmals alle Beiträge zum Vorschlag Bäumle-Patt-Metzinger:

https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2019/06/blog-nachhaltiges-fliegen-patt.html

https://martin-baeumle.ch/article/3360/medieninformation-co2-neutral-fliegen-bis-2050 

CO2-neutral Fliegen bis 2050 – so geht das günstig und ohne Widerstand