Wo man hinschaut, da fährt man hin. Wohin wollen wir?

Jede Motorradfahrerin und jeder Motorradfahrer lernt, in einer Kurve nicht direkt nach vorne zu schauen, sondern ganz weit nach vorne in die Richtung, in die man fahren will. Denn dort, wo man hinschaut, da fährt das Motorrad fast automatisch hin. Es handelt sich um ein sehr einfaches Prinzip, das einem sicher durch die Kurve hilft. Daran sollten wir auch jetzt denken, während der vermutlich schlimmsten Pandemie des Jahrhunderts. (Hoffen wir, dass nicht noch eine schlimmere kommt.)

In welche Richtung wollen wir?

Matthias Horx, «der renommierteste Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum» hat in den Medien seine Erwartungen an die Zeit nach Corona zum Besten gegeben und ich stimme ihm weitgehend zu.

«Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird“, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt. …

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die „messages“ selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult. …

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt „endet“, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren. Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO2-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.»

Ganz ähnliche Gedanken hatte ich mir auch schon gemacht. Denn was Matthias Horx da beschreibt, passiert schon jetzt. Ich könnte viele Beispiele nennen. Gestern schrieb mir ein Kollege aus dem Gemeinderat Dietikon, er beobachte gerade ein Elstern-Paar, das ein Nest baute. Wann zuvor hatte er wohl das letzte Mal die Musse, einfach nur aus dem Fenster zu schauen? Die Menschen gehen auf einmal wieder hinaus in die Natur, weil sie genug von den Horror-News haben und die Kneipen geschlossen sind.

Wir erleben einerseits eine Entschleunigung des Alltags und andererseits eine erhebliche Steigerung der Produktivität; bei den Firmen, die noch Arbeit haben und digital gerüstet sind.

Zumindest mir geht es so, denn nach Jahren des Werbens für Video-Meetings statt physischer Meetings, machen meine Klienten und Partner endlich mit (es bleibt ihnen ja auch gar nichts mehr übrig). Seit der dritten Februarwoche, als wir uns freiwillig in Quarantäne begaben, um nicht zur viralen Verbreitung beizutragen, habe ich ganz viel Reisezeit eingespart und in den ersten beiden Wochen so viel Fortschritt bei bei meinem vierten Buch gemacht, einem Campaigning-Manual, wie zuvor nicht in zwei Jahren.

Sehr viele von uns haben nun mehr Zeit zum Lesen, zur Achtsamkeit auf die kleinen Dinge und für die Pflege der mitmenschlichen Beziehungen. Denn im Videochat kann man sich spontaner treffen, als in der Realität. (Das ist kein Widerspruch zum Gegentrend, dem Ansteigen häuslicher Gewalt und von Depressionen. Es passiert beides. )

Wir sollten uns nun auch Zeit zum Nachdenken nehmen und uns die Frage des Motorradfahrers stellen: In welche Richtung soll es gehen?

In jeder Krise stecken neben den Gefahren auch noch Chancen. Das chinesische Schriftzeichen für Krise besteht deshalb aus zwei Zeichen, einem für Gefahr und einem für Chance.

Liegt es am Bewusstsein hierfür, dass die asiatische Welt, anders als die westliche, so schnell und entschlossen reagiert hat? Weil man die Chancen im vorübergehenden Opfern der Produktivität erkannte?

Die kleine Schweiz ist aktuell weltweit an 9. Stelle bei der absoluten Zahl der offiziell Erkrankten. Obwohl diese Zahl sicher noch zu klein ist, weil sie in Bern noch mit dem Zählen von Faxen beschäftigt sind. («Kontrollverlust beim Bundesamt für Gesundheit: «Die Zahl der Todesfälle haben wir aus Wikipedia entnommen») Im besten Fall werden wir über 5’000 Tote beklagen zu haben, wahrscheinlich sind sogar zehntausende.

Eine Bekannte sagte vorgestern, in Italien hätten sie die Wirtschaft geopfert, um die Menschen zu schützen, in der Schweiz die Menschen, um die Wirtschaft zu schützen. Ich bin mir da nicht so sicher. Unsere Regierung hätte zwar schneller handeln müssen, konnte es aber nicht, weil sich zu viele Bürgerinnen und Bürger weigerten, die alte Welt loszulassen, die schon nicht mehr zu retten war, als der erste Infizierte im Tessin diagnostiziert war. Die alte Welt vor Corona, wie wir sie kannten und die wir für so unerschütterlich sicher hielten, ist vorbei. Ich würde eher sagen, wir haben unsere Menschen und – weil wir zu lange zögerten auch noch – unsere Wirtschaft geopfert, um eine Nostalgie zu schützen, die sowieso schon hoffnungslos verloren war, nämlich die Welt vor Corona.

Mit dem Blick auf die Chancen hätte man vielleicht schneller handeln können. Seit zwei Tagen gibt es in China keine Neuansteckungen mehr, in Italien sterben die Menschen aber immer noch, das Land hat China bei der Zahl der Toten schon überholt.

Was also nun tun, in welche Richtung wollen wir uns bewegen?

Seit Jahrzehnten fordern Wissenschaftler und Umweltschützer, dass die Klimakrise ernst genommen wird. Dabei erging es uns wie dem Arzt in Wuhan, der vor dem neuen Corona-Virus warnte. Man hat uns nicht ernst genommen. Dann kam Greta. Nun Corona. Man darf Fehler machen, aber man sollte daraus lernen.

Die durch menschliche Aktivitäten verursachten CO2-Emissionen legen 2020 eine Pause an, aber wenn wir nichts ändern, werden sie weiter ansteigen und die Welt wird auf bestem Weg sein, sich um 3° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu erwärmen (globale Durchschnittstemperatur).

Die Klimakrise ist langsam und – aber nicht weniger real und nicht weniger tödlich als Corona. So wie wir eigentlich wussten, dass es jederzeit zu einer Pandemie globalen Ausmassen kommen könnte und zu lange die Augen davor verschlossen haben, haben wir auch die notwendigen Massnahmen gegen die Klimakatastrophe auf die lange Bank geschoben.

Die Coronakrise beweist, dass es möglich ist, dramatische Veränderungen zustande zu bringen, um Leben zu retten. Anders als beim Coronavirus müssen wir beim Klimawandel aber nicht so überstürzt handeln. Wir können uns ein klein wenig mehr Zeit lassen.

«Nach» Corona müssen wir unsere Wirtschaft neu gestalten. Wir werden sie digitalisieren und hoffentlich rundum erneuern, um in Zukunft besser gewappnet zu sein.

Ganz sicher braucht es dazu Konjunkturprogramme und andere unterstützende Massnahmen durch den Staat.

Wenn wir dies schon tun müssen, dann sollten wir die Transformation ausnahmslos so gestalten, dass sie in Richtung Klimawandel-Minimierung und nachhaltige Kreislaufwirtschaft führt.

Eine solche Chance wie jetzt, nachdem uns zuerst ein kleines Mädchen die Augen geöffnet hat und dann ein kleines Virus eine Vollbremsung verpasste, werden wir rechtzeitig nicht mehr bekommen. Die Coronakrise beinhaltet deshalb auch einen Funken Hoffnung, dass wir beim Klimawandel die Kurve vielleicht doch noch kratzen. Nutzen wir sie. Mit Zuversicht in die Zukunft.

Nachbarschaftshilfe im Limmatfeld steht

Medienmitteilung Quartierverein Limmatfeld

Dietikon, 20. März 2020. Der Quartierverein Limmatfeld hat eine COVID-19- Nachbarschaftshilfe organisiert. Kranke Quartierbewohner und Mitglieder von COVID-19-Risikogruppen sollen primär mit Einkäufen versorgt werden. Auf der Website und der Facebook-Seite des Quartiervereins gibt es aktuelle Informationen. Koordiniert wird die Nachbarschaftshilfe von Vereins-Mitgliedern und Limmatfeld-Bewohnern, unterstützt durch den Vorstand
.

Nach einem Aufruf am Montag haben sich bisher rund zwei Dutzend Helferinnen und Helfer gemeldet. Der Quartierverein hat diese in einer WhatsApp-Gruppe zusammengeschlossen, über die die Einkäufe organisiert werden. Risikopersonen und an COVID-19 Erkrankte können ihre Einkaufslisten per E-Mail (qv.limmatfeld@gmail.com) oder Telefon beziehungsweise WhatsApp oder sms auf die Nummer +41767390725 anmelden. Die Bezahlung erfolgt dann per Banküberweisung oder Twint.
Weiterführende Informationen werden nach Möglichkeit auf www.limmatfeld.com immer wieder aktualisiert.

Weitere Informationen:
Peter Metzinger
Präsident Quartierverein Limmatfeld

Corona-Leitfaden für KMU

Es sind turbulente Zeiten für uns alle. Der ausgerufene Notstand und die damit verbundenen Ladenschliessungen bedeuten für viele kleine und mittlere Unternehmen, aber auch Selbständige, eine Vollbremsung und stellt sie vor viele Herausforderungen.

Wir wollen helfen und darum hat die FDP Kanton Zürich, zusammen mit Kantonsrat Marc Bourgeois, einen Leitfaden für Unternehmerinnen und Unternehmer erstellt.

Helfen auch Sie mit und senden Sie den Leitfaden an Unternehmerinnen und Unternehmer in Ihrem Umfeld.

Hier herunterladen.

So schützen wir uns… zu Tode – diese Kommunikation bringt Menschen um

Kommunikation kann Leben retten, Kommunikation kann aber auch Leben nehmen. Die Kommunikation unserer Behörden bringt Menschen um.

Mit Ihrer Botschaft «So schützen wir uns» sendet sie nämlich ein falsches Signal aus. Seit geraumer Zeit versuche ich in den Social Media dieses zu korrigieren, auch ans Bundesamt für Gesundheit adressiert. Heute ist mir der Kragen geplatzt.

Wieso ist die Kommunikation des BAG tödlich?

Weil sie vermittelt, es ginge um den Schutz des einzelnen Individuums. Dadurch fühlen sich alle Möchtegern-Helden angefeuert, ihren vermeintlichen Mut und ihre eingebildete Unerschütterlichkeit zu demonstrieren, indem sie sich weiterhin in der Öffentlichkeit in Gruppen treffen, wie wenn nichts wäre. Und alle, die nun einen wirtschaftlichen Schaden erleiden, können ebenfalls Stimmung gegen drastische Massnahmen machen, weil das Risiko für den Einzelnen ja nur bei weniger als 5% liegt.

Damit tragen sie aber dazu bei, dass COVID-19 sich ungebremst und exponentiell mit einer Verdoppelung alle zwei Tage ausbreitet. Das Verständnis von exponentiellem Wachstum geht diesen Leuten wahrscheinlich ebenfalls ab.

Am Freitag hatten wir offiziell 1’125 Fälle. Experten schätzen, dass es in Wirklichkeit 12’000 waren. Nehmen wir als Basis nur die offiziellen Fälle.

Das Virus vermehrt sich alle zwei Tage, es werden kaum noch Leute getestet, bis Massnahmen sich auswirken vergehen deshalb zwei Wochen. Denn alle Infizierten ohne Symptome verbreiten in dieser Zeit das Virus weiter. Die Fälle, die wir heute sehen, haben sich vor bis zu zwei Wochen angesteckt.

Wenn es nun zwei Wochen lang alle 2 Tage eine Verdoppelung gibt, dann sind wir in 2 Wochen bei ca. 400’000 Fällen, und das nur aufgrund der offiziellen Zahlen. Die am Wochenende zehnfach höhere Dunkelziffer habe ich dabei nicht einmal berücksichtigt. (Wir wären sonst bei 2-3 Mio., was mir sowieso keiner glauben würde.)

400’000 Fälle, von denen 20’000 (5%) ein Bett und eine Beatmungsstation in einer Intensivstation brauchen, und zwar mehrere Wochen. 1’000 Betten haben wir… man rechne. Nicht berücksichtigt: alle Patienten, die nicht COVID-19 haben, aber nicht behandelt werden, weil das Krankenhauspersonal andere Prioritäten setzen muss.

Es geht nicht darum, sich selbst zu schützen!

Es geht um den Schutz unseres Gesundheitssystems, unserer Ärztinnen und Ärzte, unseres Pflegepersonals und all derer, die an den Kassen der Supermärkte Horden von Hamstern bedienen müssen. Es geht um den Schutz der Risikogruppen.

Und letztendlich geht es auch um den Schutz unseres Wohlstands, denn um harte Massnahmen wie in Italien kommen wir auf gar keinen Fall mehr herum und je länger mit dieser Entscheidung abgewartet wird, desto schlimmer die Folgen. Hätte man beim ersten Fall im Tessin die Schweiz zwei Wochen in Quarantäne versetzt und die Grenzen dicht gemacht, wäre das hart für viele KMU gewesen, aber verkraftbar. Was wir uns nun durch das Abwarten eingebrockt haben, ist eine Katastrophe für unser Gesundheitssystem und unsere Wirtschaft. Aber eben… wenn das Wörtchen Wenn nicht wäre…

Richtige Kommunikation hätte die Akzeptanz für rigorose Massnahmen schaffen können.

Eine bessere Botschaft in diesem Sinne wäre gewesen:
«So schützen wir unser Gesundheitssystem»

Ich bin sauer.

Ein kleiner Trost: nach der Katastrophe kommt der Aufbau. Und der bietet eine neue Chance.

Nach Jahrzehnten der fruchtlosen Aufklärung hat es ein Kleins , dass wir unsere Augen von der Klimakatastrophe nicht mehr abwenden konnten.

Dann hat es nur ein winziges Virus gebraucht, um uns unsere Verwundbarkeit vor Augen zu führen und unserer Wirtschaft eine Vollbremsung zu verpassen.

Nutzen wir die Chance beim Wiederaufbau, der irgendwann beginnen wird, und bauen eine neue Zukunft für die kommenden Generationen.

Wie beim COVID-19 geht es auch beim Klimawandel letztendlich um das ganze Wohl unserer Gesellschaft.

Wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur CO2-neutralen Luftfahrt erreicht

Die nationalrätliche Umweltkommission hat heute bekanntgebeten, dass sie den von ETH-Prof. Anthony Patt, Nationalrat Martin Bäumle und mir lancierten Vorschlag unterstützt, durch steigende Beimengungs-Quoten den Airlines zu ermöglichen, bis zum Jahr 2050 CO2-neutral mit synthetischem Kerosin zu fliegen. Nur so schaffen wir es, zum notwendigen Zeitpunkt auch die Langstrecken-Fliegerei CO2-neutral zu machen. Die einzige Alternative wäre ein totales Flugverbot für alle. Dass das nicht in Frage kommt, muss ich wohl nicht extra erwähnen.

„Um umweltschonende Technologien im Flugsektor vorwärtszubringen, erwähnt die Kommission diese ausdrücklich im Gesetzestext. Ihren Beschluss vom Januar, wonach Forschung und Innovation im Bereich der Luftfahrt gefördert werden soll, hat sie präzisiert: Die Fondsmittel sollen auch für die Entwicklung von erneuerbarem Flugtreibstoff eingesetzt werden können. Dabei dürften die Förderbeiträge für erneuerbare Treibstoffe bis zu 80 Prozent der Mehrkosten gegenüber fossilem Kerosin decken. Anfänglich sind maximal 100 Millionen Franken pro Jahr dafür vorgesehen. Erweist sich die Technologie als erfolgreichen Weg, kann der Unterstützungsbeitrag auf 300 Millionen Franken ansteigen. Dafür hat sich die Kommission mit 17 zu 6 Stimmen bei 2 Enthaltungen entschieden.“

Somit kann die Flugticketabgabe einen effektiven Beitrag zur Reduktion der Klimabelastung durch die Fliegerei leisten, selbst wenn die Lenkungswirkung zu gering ausfallen sollte. Zudem kann die Schweiz nach Verabschiedung des Gesetzes international eine Vorreiterrolle spielen und anderen Ländern einen gangbaren Weg in eine klimaneutrale Wirtschaft aufzeigen. Ganz sicher wird dies auch die Innovation beflügeln und zu neuen, wirtschafts- und umweltfreundlichen Lösungen führen.

Die vollständige Medienmitteilung von heute gibt es hier.

Weitere Informationen zu unserem Vorschlag gibt es hier: https://petermetzinger.com/2019/09/08/co2-neutral-fliegen-bis-2050-so-geht-das-guenstig-und-ohne-widerstand

https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2019/06/blog-nachhaltiges-fliegen-patt.html

https://martin-baeumle.ch/article/3360/medieninformation-co2-neutral-fliegen-bis-2050

22 Jahre Campaigning Training

Heute sind es ganz genau 22 Jahre her, seit ich das erste Mal ein Campaigning-Seminar durchgeführt habe. Grundlage waren Spielregeln und Erfolgsrezepte, deren ich mir während meiner Zeit bei Greenpeace bewusst geworden war.

Beim ersten Seminar überforderte ich die Teilnehmenden noch masslos mit viel zu viel Material, das sie in einem Tag gar nicht verarbeiten konnten. Ihr Feedback half mir dann, das Konzept weiterzuentwickeln, so dass das nächste Seminar im April 1998 schon wesentlich besser verarbeitet werden konnte.

Was ist seitdem passiert?

Im Rahmen von Seminaren und einzelnen Kurstagen als Bestandteil von Weiterbildungen habe ich schätzungsweise 2’500 bis 3’000 Personen in der Anwendung meines Campaigning-Modells unterrichtet, in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Vietnam und den USA. Ich habe zwei Bücher auf seiner Grundlage veröffentlicht und es vor kurzem nochmals weiter vereinfacht, in Form von vier Dreiecken, die es zu berücksichtigen gilt, wenn man etwas verändern will, egal ob Unternehmenskultur, Politik oder Marktverhalten.

The Science of Change Modell, Stand 12. Februar 2020

Ich habe mit meinem Campaigning-Modell hunderte von Klienten beraten, unter anderem das World Economic Forum in Davos mit dem Konzept für das Open Forum und eine politische Partei, die daraufhin 23.5 Prozent mehr Stimmen erhielt.

Dank meiner Frau konnten wir zwischen 2013 und 2019 sieben Mal den Campaigning Summit Switzerland durchführen, mit über 1’200 Teilnehmenden, von denen zahlreich allerdings mehrmals dabei waren (manche sogar an allen Veranstaltungen) und mit prominenten Rednern aus allen Kontinenten ausser Australien und der Antarktis. Darunter sogar einer der früher führenden Präsidentschaftswahlkämpfer aus den USA, Joe Trippi.

Das Umfeld hat sich verändert. Während ich noch 2003 bei der Erstauflage und 2006 im Rahmen der Zweitauflage meines ersten Buches beklagte, dass (Unternehmens-)Kommunikation in der Schweiz nur als einseitiger Prozess definiert ist, dass man keine Wirkungsmessungen vornimmt und statt Zielgruppen-orientiert Elite-orientiert kommuniziert (und Veränderungsprozesse plant), ist es mittlerweile Standard, zuerst einmal genau hinzuhören bevor man richtig loslegt und dann genau zu analysieren, was dabei herauskommt, um dazuzulernen. Der wichtigste Treiber für diese Veränderung war wohl nicht mein Buch, sondern das Aufkommen der sozialen Medien vor über 10 Jahren und die ganze Digitalisierung.

«Veränderung ist die einzige Konstante», dieses Zitat war für mich immer ein guter Leitsatz. Kein Wunder, dass ich den Firmennamen im Durchschnitt alle vier Jahre wechselte. Aber bei Mr. Campaigning wird es nun wohl für die nächsten 22 Jahre bleiben. Die positiven Rückmeldungen sind einfach zu gut und zahlreich.

Eine weitere Veränderung betrifft die Arbeit selbst. Künstliche Intelligenz nimmt mir heute einen enormen Teil der Analyse-Arbeit ab, Dienste wie Zapier und IFTTT helfen, Routinearbeiten zu automatisieren, insgesamt helfen mir diese neuen Technologien bei der Umsetzung mehr in der gleichen Zeit zu erledigen.

Die dadurch hinzu gewonnene Zeit nutze ich nun für «Campaigning For Good» Projekte, aktuell vor allem im Klimaschutz, sowie für meine lokalpolitische Arbeit.

In den kommenden Jahren werden wir noch mehr Automatisierung erleben und Künstliche Intelligenz wird uns noch mehr Arbeit abnehmen können.

Nutzen wir die hinzugewonnene Zeit, uns für einen Planeten zu engagieren, auf dem sich gut leben lässt, auch noch in sieben Generationen, wie indigene Völker es gerne formulieren.

Ich freue mich auf die nächsten 22 Jahre Campaigning!

Der Geist muss zurück in die Flasche

Ohne negative Emissionen sind die Klimaziele nicht zu schaffen. Dies macht der Bericht des Klimarats klar, und auch die Technik legt es nahe. Beim Strom, bei der Wärme und im Autoverkehr sind die Ansätze vorhanden, um die Dekarbonisierung zu schaffen. Anderswo sind Emissions­reduktionen schwieriger: in der Zement- und Stahlindustrie, beim Flug- und Schiffsverkehr und auch in der Land­wirtschaft, insbesondere der Viehzucht.

Die gute Nachricht ist: Die diversen Methoden zum Einfangen und Speichern von Kohlendioxid ergänzen sich nicht schlecht. In tropischen Regionen kann viel CO2 durch Aufforstung gebunden werden; in höheren Breiten sind technische Verfahren besser geeignet. Es macht darum Sinn, möglichst viele Optionen parallel voranzutreiben. Eine Methode allein wäre auch kaum in der Lage, die benötigten Mengen an negativen Emissionen zu generieren.

Kombiniert man die verschiedenen Methoden – was nicht in jedem Fall möglich ist: denn wo aufgeforstet wird, kann nicht gleichzeitig Mais als Rohstoff für Bioenergie angepflanzt werden –, so kommt man im Total auf die benötigte Grössen­ordnung an jährlich gespeichertem CO2

Die Abkehr von fossilen Energie­trägern bleibt daher zentral, wie die Republik in ihrer heutigen Ausgabe aufzeigt:

www.republik.ch/2020/02/11/der-geist-muss-zurueck-in-die-flasche

Fliegen muss sauber werden – die Schweiz könnte dazu einen echten Beitrag leisten, statt mit der Klimaabgabe das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen

Die NZZ berichtet heute über das Engagement von Prof. Patt, Nationalrat Martin Bäumle und mir für eine sinnvolle Verwendung der geplanten Flugticketabgabe.

«Wenn die Klimaabgabe auf Flugtickets schon eingeführt wird, sollte man damit CO2-neutrales Fliegen fördern und nicht beliebige Subventionstöpfe füllen. Die Schweiz könnte etwas bewirken. … Eine Gruppe um GLP-Nationalrat Martin Bäumle, ETH-Professor Anthony Patt sowie FDP-Kommunalpolitiker und Energieexperte Peter Metzinger hat im vergangenen Herbst in einem Ideenpapier skizziert, wie das gehen soll.»

— Weiterlesen www.nzz.ch/meinung/fliegen-muss-sauber-werden-ld.1537660

Satt von Luft oder eher betrunken?

Der folgende Artikel aus der Limmattaler Zeitung zeigt, dass dem Einfallsreichtum innovativer Unternehmer bei der Bekämpfung der Klimakrise keine Grenzen gesetzt sind.

Eine ausgewachsene Buche entzieht der Atmosphäre pro Jahr 12,5 Kilogramm CO2. Dafür müsste man 25 Flaschen ­Wodka trinken. Was einen vernachläs­sigbaren Nutzen für das Klima, aber gravie­rende Folgen für die eigene Gesundheit hätte. Klammert man den ökolo­gischen Fussabdruck gewisser tiefsibirischer Ethnien aus, so ist der Wodka für den Klimawandel ein bescheidenes Problem. Insofern wird die Welt mit dem ­Saufen von CO2-negativem Wodka nicht gerettet werden können.

Mehr dazu:

epaper-service.azmedien.ch/Nachrichten/issue-SaW-LIZ-20200125-article-0256513937-p1191822.html

Kaffee aus Kapseln oder Kolben? Eine andere Frage ist wichtiger

Der symbolträchtige Streit um Kapsel oder nicht Kapsel ist typisch für Diskussionen um Umweltbilanzen. Es gibt nicht einfach Gut und Böse, sondern es kommt immer auf die Randbedingungen an. Und je nachdem kann man dann jene Studie auswählen, die einem gerade ins Weltbild passt – oder in die Bequemlichkeit des Alltags.
— Weiterlesen www.higgs.ch/kaffee-aus-kapseln-oder-kolben-eine-andere-frage-ist-wichtiger/28308/