Pflichtstoff

Was der Widerstand gegen Masken gemeinsam hat mit dem Widerstand gegen die Gurtpflicht in den Siebzigern, sehr gut erklärt in der Republik: die Konfrontation mit der eigenen Angst.

www.republik.ch/2020/10/29/pflichstoff

COVID-19: Opfern sich die Alten für die Jungen?

Falls dieser Bericht von Watson stimmt, dann kann man nur vermuten, dass die Krankenhäuser nur deshalb noch nicht voll sind, weil sich sehr viele ältere Menschen für die jüngeren opfern. Ein Gedanke, der sehr traurig macht. Und etwas, mit dem die COVID-19 Taskforce wohl nicht rechnete, als sie voraussagte, dass die Krankenhäuser jetzt schon voll sein sollten.

Corona Schweiz: Das stille Sterben in den Heimen
von Reto Fehr
Im Kanton Zürich sterben mehr als 50 Prozent aller Corona-Opfer nicht im Spital, sondern im Altersheim. bild: shutterstock

Nicht alle, die wegen Covid-19 ins Spital müssten, um sich behandeln zu lassen, tun dies auch. Vor allem im Alters- oder Pflegeheim sterben je nach Kanton mehr als die Hälfte der Corona-Opfer.

Das Gesundheitssystem der Schweiz könnte an seine Grenzen stossen durch das Coronavirus. Je nach Berechnungen sollen Mitte November die Spitäler ausgelastet sein, wie die Task Force schon mehrmals berechnete.

Mit Stand vom 10. November um 9.30 Uhr hat es in den Spitälern noch rund 28 Prozent freie Betten auf den Akut- und Intensivstationen. 59,2 Prozent der Patienten auf der Intensivstation sind Covid-19-Patienten, wie Andreas Stettbacher, Delegierter des Bundesrates für den Koordinierten Sanitätsdienst (KSD), am Point de Presse des Bundes am Dienstag informierte.

Andreas Stettbacher zeigte am Dienstag auf: Aktuell hat es rund 28% freie Akut- und ebenfalls 28% freie Intensivbetten in den Schweizer Spitälern. Bild: keystone

Doch nicht alle, die wegen Covid-19 ins Spital eingeliefert werden müssten, tun dies auch. So sterben in den verschiedenen Kantonen der Schweiz bis zu 50 Prozent der Corona-Toten nicht in Spitälern und damit ohne die letzte Möglichkeit, die Krankheit zu besiegen.

Weiterlesen: https://www.watson.ch/!188669435

Wieso es seit dem 12. April in Taiwan nicht mehr zu lokalen Ansteckungen gekommen ist

Im Newsletter der Republik stand heute ein sehr eindrücklicher Artikel über die sehr effektive COVID-19-Bekämpfung in Taiwan. Demgegenüber sehen wir in der Schweiz aus wie im Mittelalter. Wer felsenfest der Meinung ist, wir müssten lernen, mit dem Virus zu lernen, muss jetzt nicht weiterlesen, denn er oder sie könnte Gefahr laufen, seine Meinung ändern zu müssen…

Jeden Tag müssen Menschen ins Spital, weil sie Covid-19 haben. Die Intensivbetten füllen sich. Und was ist unser Plan? Die Schweizer Covid-Strategie lautet: Einerseits sollen die Fallzahlen wieder zum Sinken gebracht werden, andererseits soll ein landesweiter Lockdown so lange wie irgend möglich vermieden werden. Kann das funktionieren? Es kann.

Wie? Daniel Binswanger hat sich im Ausland nach Vorbildern umgesehen:

Zwei Länder gibt es, welche die Epidemie im Griff haben, nie in den Lockdown gingen, einen geringen Wirtschaftseinbruch verzeichnen. Länder, in denen das Leben nur wenig beeinträchtigt weitergeht und die trotzdem geringe Todes- und Fallzahlen ausweisen. Es handelt sich um Südkorea und Taiwan. Wie schaffen sie das? Schauen wir nach Taiwan.

Der Inselstaat im Südchinesischen Meer hat seit Ausbruch der Krise bis heute insgesamt 569 nachgewiesene Fälle und 7 Tote zu verzeichnen. 7 Tote auf knapp 24 Millionen Einwohner, obwohl Taiwan in nächster Nähe zu China liegt, dem Ursprungsland der Pandemie. Der Unterschied dazu, wie die meisten westlichen Staaten sich schlagen, könnte kaum grösser sein.

Wie ist das erklärbar?

Einen Startvorteil können wir hier nicht reproduzieren: die Insellage. Taiwan liegt 180 Kilometer vor dem chinesischen Festland und hat eine Kontrolle über Ein- und Ausreisen, die ein Binnenland wie die Schweiz niemals ausüben könnte. Allerdings sollte man diesen Unterschied nicht überschätzen: Der Personenverkehr zwischen dem Festland und dem taiwanesischen Staatsgebiet ist intensiv. Am 25. Januar dieses Jahres, zwei Tage nachdem Wuhan in den Lockdown ging, kehrten rund 500’000 taiwanesische Staatsbürger von den Feiern zum chinesischen Neujahrsfest vom Festland nach Hause zurück. Dennoch stiegen die Covid-Infektionen bis zum 17. Februar nur auf 166 bestätigte Fälle und stabilisierten sich dann. Seit dem 12. April ist es innerhalb von Taiwan nicht mehr zu lokalen Ansteckungen gekommen – zu keiner einzigen. Zwar werden vereinzelt neue Fälle diagnostiziert, aber diese sind allesamt aus dem Ausland eingeschleppt – und werden sofort in Quarantäne gesetzt. Dem Land gelingt es nun seit Monaten, sämtliche Infektionsketten auf seinem Staatsgebiet zu unterbrechen. Wie ist das möglich?

Es gibt dazu eine Reihe von Mitteln:

  • Taiwan hat eine Regierungsagentur geschaffen, die im Ernstfall effizient agiert. Die Tatsache, dass das Land 2003 von der Sars-Epidemie stark betroffen war, kam ihm jetzt zugute. Im Anschluss an Sars wurde das CECC geschaffen, das Central Epidemic Command Center, das die Führung und Koordination zwischen den verschiedenen Behörden und Ministerien übernimmt und blitzschnell handeln kann. Geschwindigkeit ist matchentscheidend.
  • Bereits am 31. Dezember 2019 wurden in Taiwan Flugpassagiere aus Wuhan bei der Einreise einem Screening unterzogen – eine Woche bevor die chinesischen Behörden offiziell vermeldeten, dass in Wuhan auffällige Lungenentzündungen gehäuft auftraten. Das CECC war auf Online-Diskussionen unter Ärzten in Wuhan aufmerksam geworden – und handelte. Am 28. Januar mussten alle aus China ankommenden Reisenden in Quarantäne.
  • Im Februar wurden die Winter-Schulferien um 10 Tage verlängert. Staatsbedienstete bekamen Urlaub zur Kinderbetreuung. Bis heute gilt: Wenn in einer Schulklasse ein Kind oder eine Lehrkraft positiv getestet wird, kommt die ganze Klasse in Quarantäne. Wenn in einem Schulhaus oder einer Schulklasse 2 Kinder positiv sind, wird die ganze Schule in Quarantäne geschickt.
  • Bereits im Januar regulierte die Regierung die Maskenverteilung, zunächst durch rationierte Abgabe an die Bevölkerung. Im Februar wurden unter anderem Militärtruppen zur staatlichen Maskenproduktion eingesetzt. Masken sind in Taiwan sehr schnell zu einem Grundpfeiler der Hygieneregeln für alle geworden – Monate vor Europa.
  • Das Rückverfolgen der Kontakte ist lückenlos und schnell. Innerhalb von 24 Stunden werden alle Kontakte eines gemeldeten Infizierten ermittelt und kontaktiert. Im Schnitt vergehen in Taiwan zwischen dem Kontakt mit einer potenziellen Infektionsquelle und der In-Quarantäne-Setzung der exponierten Person 3 Tage. 88 Prozent der Personen, die sich lokal angesteckt haben, sind über das Contact-Tracing identifiziert worden, also in einer sehr frühen Phase ihrer Infektion. Die Strategie wird auch mit digitalen Hilfsmitteln vollzogen, insbesondere werden Bürger in Quarantäne mit Telefon-Tracking überwacht. Trotz sehr niedriger Fallzahlen kann Taiwan 400 bis 600 ausgebildete Tracer einsetzen und verfügt über eine digitale Tracing-IT-Plattform, die es erlaubt, verschiedenste Informationen automatisch abzugleichen. Bestimmte Datenschutzgarantien können im Epidemiefall ausser Kraft gesetzt werden.

Das Virus ist überall auf der Welt gleich ansteckend, gleich schwierig einzudämmen, gleich gefährlich. Taiwan wird dieses Jahr einen der mildesten Wirtschaftseinbrüche weltweit erleben. Die Regierung geht sogar von einem leichten Wachstum aus. Taiwan kann Corona – und es führt die Gründe vor Augen, weshalb viele andere Länder an der Kontrolle ohne Lockdown scheitern.

Und zum Schluss: Warum man im Moment (wie eigentlich immer) besonders vorsichtig sein sollte bei der Interpretation von Corona-Statistiken

Diverse Kantone, Testzentren und Spitäler haben nun den Zugang zu Coronavirus-Tests wieder eingeschränkt. So dürfen sich etwa im Kanton Waadt nur noch Personen mit eindeutigen Symptomen testen lassen. Der Grund: Die Kapazitäten (zumindest mit den genauen PCR-Tests) sind ausgereizt. Aus logistischen Überlegungen ergibt die Einschränkung also durchaus Sinn – sie schafft aber ein neues Problem. Die Basler Epidemiologin Emma Hodcroft warnt nun auf Twitter eindringlich vor den möglichen Auswirkungen auf die Datengrundlage. Weil in der Schweiz so wieder weniger Fälle erfasst würden, sei es schwierig zu beurteilen, ob die vom Bund und den Kantonen erfassten Massnahmen auch wirklich wirken. Oder anders gesagt: Stagniert die Zahl der Positiven, weil die Ansteckungen sinken oder weil weniger getestet wird? «Die Schweiz hat den Rand des Lichtkegels erreicht», schreibt Hodcroft. «Machen wir also keine Freudensprünge. Im Halbdunkeln sieht man schlecht.»

Bleiben Sie umsichtig. Bleiben Sie freundlich. Und bleiben Sie gesund.

Ökonomen fordern Lockdown zur Rettung der Wirtschaft

«Wir sind Ökonomen aus verschiedenen Fachgebieten und mit unterschiedlichen Ausrichtungen, die in vielen Fragen unterschiedlicher Meinung sind. Aber leider sind wir uns alle einig, dass die Schweiz trotz der zu erbringenden Opfer nun einen zweiten „Lockdown“ (dessen genauer Umfang in enger Zusammenarbeit mit Gesundheitsexperten entschieden werden muss) braucht, der von einer starken fiskalischen Unterstützung begleitet wird. Selbst wenn nur der wirtschaftliche Aspekt berücksichtigt wird, werden die Gesamtkosten einer gut geführten Eindämmung niedriger sein als die Kosten der derzeitigen leichteren Massnahmen, die das Virus eindeutig nicht eingedämmt haben. Die letztgenannten Maßnahmen, die bereits jetzt katastrophale wirtschaftliche Kosten verursachen, werden auch zu einer höheren Sterblichkeitsrate führen.

Das Virus breitet sich derzeit in der Schweiz mit einer der schnellsten Verbreitungsraten der Welt aus: Neue Fälle und Krankenhausaufenthalte haben mit beeindruckenden Raten zugenommen, und noch tragischer ist, dass auch die Zahl der Todesfälle exponentiell zugenommen hat. Leider zeigt dies unmissverständlich, dass die ergriffenen Massnahmen zur Eindämmung des Virus nicht ausreichten: Sie waren entweder zu zaghaft oder zu spät oder beides. Angesichts dieser beunruhigenden Entwicklungen und obwohl die Nachbarländer verschiedene Eindämmungsmassnahmen mit einer geringeren Gesundheitskrise ergriffen haben, empfehlen wir der Regierung, eine zweite Eindämmung durchzuführen und den Rat der epidemiologischen Experten der wissenschaftlichen Task Force COVID-19 hinsichtlich ihrer genauen Konturen, Umsetzung und Dauer genau zu befolgen.»

Zum Artikel:

https://www.letemps.ch/opinions/controler-pandemie-sauver-leconomie

Jeder Tag zählt. Ich unterstütze diese Petition:

https://act.campax.org/petitions/lockdown-jetzt-1?fbclid=IwAR2fJnn9JoJ1j9FtURDPDtVczoao6yi2-mi92MV2aXxGXqnMX9cbZvZkW0k