«Jetzt geben wir gemeinsam Gas für eine saubere Energiezukunft.»

So steht es auf der Website der KVA Limeco in Dietikon. Und weiter: „In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit acht Schweizer Energieversorgern und der Stadtwerke-Allianz Swisspower realisiert Limeco in Dietikon die erste industrielle und kommerziell betriebene Power-to-Gas-Anlage der Schweiz. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir zur treibenden Kraft für die Energiewende.“

Power-to-Gas bedeutet, dass überschüssiger, erneuerbarer Strom, den man nicht speichern kann, neu genutzt wird, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Den Wasserstoff kann man direkt verwenden oder lässt ihn noch mit CO2 aus der Luft reagieren und erhält dann synthetisches Erdgas (Methan). Produziert man – mit einem anderen Anlagetyp – Diesel, Benzin, Kerosin, Wachs, Plastik oder Paraffin, spricht man von Power-to-Liquid oder Power-to-X, was der übergeordnete Begriff für alle möglichen Endprodukte ist.

Auf dem Areal des Limmattaler Regiowerks Limeco in Dietikon entsteht nun die bis anhin grösste Power-to-Gas-Anlage der Schweiz mit einer Elektrolyse-Leistung von 2,5 Megawatt (MW). Ab Winter 2021/22 wird sie erstmals synthetisches erneuerbares Gas ins Netz einspeisen.

Beim Projekt handelt es sich um eine Zusammenarbeit mit acht Schweizer Energieversorgern und der Stadtwerke-Allianz Swisspower. Mit dem gestrigen Spatenstich haben die Projektpartner einen Meilenstein erreicht. Das Projekt soll aufzeigen, wie Power-to-Gas-Anlagen die erneuerbare Stromproduktion ergänzen und dabei wirtschaftlich betrieben werden können.

Seit 2013 engagiere ich mich beruflich und privat für geeignete politische Rahmenbedingungen zur Förderung von Power-to-Gas. Diese Schlüsseltechnologie für die Energiezukunft hat erst dann eine Chance, wenn die Preisverzerrungen auf dem Markt zugunsten fossiler Energien beseitigt werden.

Fast jedes Mal, wenn ich in diesen Jahren zwischen Rapperswil und Bern an einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema teilnahm, fiel der Name Dietikon als leuchtendes Beispiel für den Bau der ersten industriellen Power-to-Gas-Anlage. Das neue Projekt der Limeco leistet also nicht nur einen Beitrag an die Energiewende, sondern auch an die Promotion unserer Heimatstadt Dietikon als Wirtschaftsstandort mit einem geplanten Cluster für Umwelt und Energie. Man kann also durchaus von einer „runden Sache“ sprechen.

Nun wäre es noch schön, wenn man in Bern merken würde, dass einheimische Energie ein wenig Unterstützung braucht, durch eine Verlängerung der Steuererleichterungen für biogene Treibstoffe («Mineralölsteuerbefreiung») bis 2030 statt nur bis 2023 und dass Power-to-Gas vom Netzentgelt befreit werden muss, möchte man es im grossen Stil nutzen.

Dann wird es eines Tages heissen, dass diese Schlüssel-Technologie ihren Durchbruch in Dietikon erlebte.

— Weiterlesen www.cleanfuelnow.com/post/jetzt-geben-wir-gemeinsam-gas-für-eine-saubere-energiezukunft

Gibt es einen Zielkonflikt zwischen Gesundheit und Wirtschaft?

Die COVID-19 Task Force hat soeben ihre Einschätzung zu dieser Frage veröffentlicht. Weil sie nur als pdf online gestellt wurde, veröffentliche ich sie hier als Text:


Wir analysieren die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Studien zeigen, dass mit einer vollständigen Erholung erst zu rechnen ist, wenn die Epidemie unter Kontrolle ist. Die getroffenen Massnahmen verursachen zwar erhebliche wirtschaftliche Kosten, aber die Wirtschaftsleistung wäre auch ohne sie stark beeinträchtigt. Staatliche Unterstützungsleistungen an Unternehmen und Bevölkerung sind wirksame Strategie, die Schäden zu begrenzen und einen Aufschwung zu ermöglichen.

Die Covid-19-Pandemie und die Massnahmen, die zu ihrer Eindämmung ergriffen wurden, haben erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) schätzt den Rückgang des Schweizer BIP im zweiten Quartal 2020 auf 8,4% und prognostiziert für 2020 einen Rückgang um 4,9%, d.h. einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um rund 45 Milliarden Franken. Die direkten Gesundheitskosten (Pflege- und Krankheitskosten) sind dabei deutlich geringer als die makroökonomischen Effekte (Rückgang der Produktion und des Konsums, Arbeitslosigkeit usw.). Ein grosser Teil (rund die Hälfte im Fall der Schweiz) ist der internationalen Entwicklung geschuldet. Darin enthalten sind der Einbruch der Nachfrage nach Schweizer Gütern und Unterbrechungen der Lieferketten

Die staatlichen Massnahmen zur Kontrolle der Epidemie (Lockdown, Verbot von Grossanlässen, soziale Distanzierung, Maskenpflicht usw.) sind aus gesundheitspolitischer Sicht unerlässlich, zeitigen aber hohe wirtschaftliche Kosten. Diese genau abzuschätzen ist äusserst schwierig, weil sie mit einer hypothetischen Situation verglichen werden müssten, in der gar keine Massnahmen ergriffen worden wären. Auch ohne verordnete Massnahmen ändern Bevölkerung und Firmen ihr Verhalten teilweise stark, sie konsumieren und investieren weniger. So ist in Schweden, das auf einen Lockdown verzichtet hat, der Konsum um 25% eingebrochen, verglichen mit 29% in Dänemark.

Nach der ersten Welle ist das Ziel, auf drastische Massnahmen wie ein Lockdown zu verzichten. Dazu braucht es allerdings neben weicheren Massnahmen wie Masken und Abstandsregeln griffige Eindämmungsstrategien. «Testen, Rückverfolgung, Isolation und Quarantäne» (TRIQ) ist mit erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteilen verbunden, da sie die Zahl der Infektionen wirksam und mit geringeren wirtschaftlichen Kosten reduziert als ein Lockdown.

Die verschiedenen Wirtschaftssektoren sind in hohem Masse voneinander abhängig. Eine Massnahme, die einen bestimmten Tätigkeitsbereich (z. B. Gastronomiebetriebe) betrifft, wirkt sich indirekt auch auf andere Sektoren (Zulieferer) aus. Die Bewilligung eines Grossanlasses kann dazu führen, dass zahlreiche Personen in Quarantäne geschickt werden müssen. In vielen Ländern plädieren daher die ÖkonomInnen, Massnahmen dort zu ergreifen, wo die Anzahl der Kontakte hoch und der Beitrag zur wirtschaftlichen Leistung relativ gering ist (im Freizeitbereich, zum Beispiel).

Eine rasche Wiedereröffnung verringert kurzfristig zwar die Auswirkungen auf die Wirtschaft, kann sich aber als kontraproduktiv herausstellen, wenn sie zu einer Zunahme der Fälle führt und die vollständige wirtschaftliche Erholung verzögert. Diese kann erst dann stattfinden, wenn das Vertrauen der Bevölkerung vollständig wiederhergestellt ist. Bis dahin sind staatliche Unterstützungsmassnahmen von Unternehmen und Bevölkerung dank den geringen Kreditkosten ein äusserst wirksam, um die negativen Auswirkungen der Krise zu mildern und Investitionen und Konsum zu stützen.


Diese Einschätzung wird auch von StopCovidCH geteilt, einer Gruppe, der ich angehöre, und die mit einer Petition eine konsequente Eindämmungsstrategie mit einem 12-Punkte-Programm fordert.

Zur Petition: https://act.campax.org/efforts/stopcovidch

Veranstaltungshinweis: Covid-19 – Nachhaltiger Wiederaufbau mit bis zu 70’000 Jobs möglich

Der Verein energie-wende-ja und Greenpeace haben vor kurzem ein Impulsprogramm veröffentlicht, um die aktuelle Krise als Chance für die Energiewende zu nutzen. Die beiden Organisationen kommen zum Schluss, dass der Umbau auf eine nachhaltige Energieversorgung bis zu 70’000 Stellen schaffen würde.

Wie realistisch dies ist, können Sie am 1. September in der Umweltarena Spreitenbach aus erster Hand erfahren. energie-wende-ja lädt dann von 14:00 – 17:15 Uhr zur „Covid-19 Studie – Diskussion“ ein. Nach Einstiegsreferaten zum Thema gibt es eine Podiumsdiskussion mit:

  • Delphine Klopfenstein Broggini, Conseillère nationale, Genève.
  • Peter Metzinger, Gemeinderat Dietikon (FDP), Unternehmer.
  • Beat Ruff, economiesuisse, Stv. Leiter Infrastruktur, Energie & Umwelt
  • Gabriela Suter, Nationalrätin Kt. Aargau
  • Walter Schmid, Energiepionier/Initiant Umwelt Arena

Weitere Informationen und Anmeldung (bis 28. August bitte) hier: energie-wende-ja.ch

Im folgenden noch die Medienmitteilung zum Impulsprogramm und am Ende zwei Download-Links.

„Veranstaltungshinweis: Covid-19 – Nachhaltiger Wiederaufbau mit bis zu 70’000 Jobs möglich“ weiterlesen

Norsk E-Fuel will erneuerbaren Treibstoff für Flugzeuge produzieren

Das Industriekonsortium Norsk E-Fuel baut in Norwegen zusammen mit weiteren Projektpartnern die erste kommerzielle Anlage zur Herstellung synthetischen Kerosins. Die Produktion wird ausschliesslich mit Ökostrom angetrieben. Schon in 6 Jahren will man so viel synthetisches Kerosin betreiben, dass damit 5% des jährlichen Bedarfs von Zürich-Kloten gedeckt werden könnten.

Die Wende kommt schneller als gedacht. Auch die Schweiz wäre ein guter Standort, denn nachdem der Nationalrat beschlossen hat, dass ein erheblicher Teil der Flugticketabgabe dafür verwendet werden kann, synthetisches Kerosin gegenüber fossilem konkurrenzfähig zu machen (eine Idee von ETH-Prof. Anthony Patt, Nationalrat Martin Bäumle und mir, wie Martin Bäumle hier im Nationalrat verdeutlicht), hat die Schweiz politisch weltweit die besten Rahmenbedingungen, um sowohl das Klima zu schützen als auch den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft voranzutreiben und entsprechend neue Arbeitsplätze zu schaffen und alte im Gewerbe zu erhalten, so dass wir „den Fünfer und das Weggli“ haben können.

Voraussetzung: es gibt kein Referendum gegen das neue CO2-Gesetz oder das Referendum scheitert an der Urne. Deshalb Ja zum neuen CO2-Gesetz.

— Weiterlesen www.erneuerbareenergien.de/norsk-e-fuel-will-erneuerbaren-treibstoff-fuer-flugzeuge-produzieren

Wieso ich im Parlament eine Maske trage

Nachdem die Limmattaler Zeitung heute zum zweiten Mal darüber informierte, dass ich im Dietiker Gemeinderat, dem hiesigen Stadtparlament, als einziger eine Schutzmaske trage, nehme ich dies gerne zum Anlass, das zu tun, weshalb ich diese Maske überhaupt trage: darauf hinweisen, wie hilfreich es wäre, wenn in geschlossenen Räumen alle Personen eine Maske tragen würden.

Persönlich habe ich keine Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19, auch wenn der wirtschaftliche Schaden gross wäre, würde ich über mehrere Wochen ausfallen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich zu den wenigen gehören würde, die mit einem milden Verlauf der Erkrankung davonkommen würden. Ich gehöre zu keiner Risikogruppe und wenn eine Grippewelle durchs Land rollt, die viele Personen für zwei Wochen ins Bett zwingt, spüre ich meistens nur ein leichtes Kratzen im Hals, habe vielleicht eine verstopfte Nase und manchmal auch ein wenig leicht erhöhte Temperatur. Nur ganz selten muss ich – für maximal einen Tag – ins Bett. Und COVID-19 soll ja auch nicht schlimmer als eine Art Grippe sein… (Ich weiss natürlich, dass das nicht stimmt, aber wenn mein Immunsystem mit einem Virus gut zurechtkommt, besteht doch gewisse Hoffnung, dass es das auch mit einem anderen tut.)

Seit Jahren habe ich mir angewöhnt, bei (milden) Anzeichen einer Grippeinfektion Besprechungen zu verschieben und mir die Hände zu desinfizieren, wenn ich unbedingt raus muss. Denn auch eine normale Grippe tötet Menschen und ich möchte nicht ein Glied in der Kette der Infektionen sein. Aber bei einer Grippe spürt man es wenigstens, wenn man infektiös ist.

Bei COVID-19 ist es anders. Hier finden viele Übertragungen statt, lange bevor der Infizierte seine Erkrankung bemerkt. Dies kann man nur verhindern, indem man generell die Wahrscheinlichkeit reduziert, durch die Massnahmen, die wir nun genügend kennen.

Aber eine Massnahme, die ebenfalls einen erheblichen Beitrag leisten könnte, wird einfach zu wenig unterstützt: das Tragen von Masken. Würden alle Personen in geschlossenen Räumen eine Maske tragen, würden sie sich weniger ins Gesicht und an die Augen fassen und vor allem würden sie beim Sprechen, Husten und Niesen ihre Tröpfchen weniger weit schleudern und viele davon würden einfach in den Masken hängenbleiben. Dies kann ganz konkret Infektionen und so genannte Superspreader-Events verhindern.

Darauf möchte ich mit dem Tragen einer Maske in geschlossenen Räumen explizit hinweisen. Deshalb werde ich auch weiterhin im Gemeinderat eine Maske tragen und hoffe, dass ich Nachahmer finde, denn als Volksvertreter sollten wir uns vorbildlich verhalten, hat erst vor kurzem einer der Stadträte im Gemeinderat gesagt.

Um diesen Artikel abzurunden noch ein Leserbrief, der heute in der Limmattaler Zeitung stand:

Nicht ohne Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr

Coronakrise: Diverse Artikel zur Lockerung des Lockdowns

Nun also kommt die lang­ersehnte Lockerung aus dem Lockdown. Schiffe, Postauto, Bergbahnen und Gondeln etc. laden zu Ausflügen ein. Für uns ältere Generation ist daran jedoch nicht zu denken, solange der Bundesrat keine Maskenpflicht verfügt. Wir sind gezwungen, auf solche Ausflüge zu verzichten, wollen wir nicht eine Ansteckung im überfüllten ÖV riskieren, wo ein Zweimeterabstand reine Illusion ist. Warum verzichtet der Bundesrat hier auf eine klare Verordnung? Sein höchstes Ziel ist doch, die Ansteckungsgefahr auf ein Minimum zu reduzieren und uns trotzdem wieder etwas Normalität zurückzugeben. Hier vermisse ich einen klaren Entscheid zu Gunsten der Sicherheit in touristischen Angeboten, die wir gerne ohne Ansteckungsgefahr nützen würden.

Paula Rigassi, Basel

Forschungsresultat: Synthetisches Kerosin setzt 30- bis 100-mal weniger Russvorläufer frei als herkömmliches

Seit ich am 7. Juni 2019 zum ersten Mal die Idee lancierte, man könne eine Flugticketabgabe statt nur zur Lenkung auch dazu nutzen, die Mehrkosten für den Umstieg auf synthetisches Kerosin zu finanzieren, kam immer wieder das Argument, es würde nicht ausreichen, CO2-neutral zu fliegen.

Denn die Russpartikel beziehungsweise Aerosole, die aufgrund der unreinen Verbrennung ausgestossen werden, führen zur Bildung von Wolken, die einen zusätzlichen Treibhauseffekt verursachen, wodurch man eigentlich 2.5 Mal so viel CO2 vermeiden beziehungsweise der Atmosphäre entziehen müsste, als nur das direkt ausgestossene.

Mir war aber schon immer klar, dass das so nicht ganz stimmen kann. Denn synthetische, mit Power-to-X produzierte Treibstoffe sind viel reiner als fossile, weil man die Qualität bei der Produktion viel besser steuern kann. Somit sollten sie auch deutlich weniger Aerosole freisetzen.

Wie viel, hat nun eine Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Kopernikus-Projekt P2X gezeigt: bis zu 30- bis 100-mal weniger. Damit dürfte das Argument vom Tisch sein. Wenn überhaupt, braucht es nur noch ein wenig zusätzliche Kompensation. Wie viel genau, werden wir sicher auch bald wissen.

Somit heisst es, weitermachen auf dem Weg zur CO2-neutralen Fliegerei mit synthetischem Kerosin.

Hier geht es zur Analyse.

FDP-Fachkommission Umwelt & Energie des Kantons Zürich steht hinter der Flugticketabgabe

Unter dem Titel «Verabschiedung des CO2-Gesetzes» hat die NZZ heute den folgenden Leserbrief von mir veröffentlicht, im Namen der FDP-Fachkommission Umwelt & Energie des Kantons Zürich:

Die NZZ vom 24. 4. 20 berichtet, dass bürgerliche Politiker die Einführung einer Flugticketabgabe verschieben wollen. Als Mitglieder der FDP-Fachkommission Umwelt & Energie des Kantons Zürich lehnen wir eine solche Verschiebung klar ab. Die Umweltproblematik ist eine ernsthafte Gefahr für die Zukunft der Menschen. An dieser Gewissheit hat sich durch die Corona-Krise nichts geändert. Deshalb unterstützen wir weiterhin eine rasche Verabschiedung des CO2-Gesetzes, das sich auf der Zielgeraden befindet – Flugticketabgabe inklusive. Im vergangenen Jahr hatte sich die FDP dazu bekannt, der Umwelt- und Energiepolitik mehr Gewicht beizumessen und griffige, liberale Ansätze zu entwickeln.

So stimmten am 22. Juni die Delegierten mit grosser Mehrheit für eine Flugticketabgabe, die einen Klimaschutzfonds mitfinanzieren soll. Die Idee basierte auf einem Vorschlag, den der Schreibende zusammen mit ETH-Professor Anthony Patt und Nationalrat Martin Bäumle ausgearbeitet hatte, unterstützt von den FDP-Ständeräten Damian Müller und Ruedi Noser. Demnach soll die Flugticketabgabe als Anschubfinanzierung dienen, um den Aufbau einer industriellen Produktion von CO2-neutralem, erneuerbarem Kerosin zu ermöglichen. Experten sind sich einig, dass einzig der Einstieg in die Fliegerei mit synthetischem Kerosin einen Ausweg aus der Klimakrise bietet. Wir sollten nun also die Chance in der Corona-Krise nutzen und den Wiederaufbau der Wirtschaft so nachhaltig gestalten, dass wir dabei auch Lösungen für die Klimakrise vorantreiben, anstatt zu versuchen, die beiden Krisen gegeneinander auszuspielen. Die rasche und vor allem vollständige Umsetzung der Revision des CO2-Gesetzes spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Peter Metzinger, für die FDP-Fachkommission Umwelt & Energie des Kantons Zürich

Weitere Beiträge von mir zum Thema Flugticketabgabe finden sich hier.

«Eine ganz andere Wucht»: Drosten warnt vor zweiter Corona-Welle

Nicht nur ich, sondern auch die deutsche «Kanzlerin ist von den „Öffnungsdiskussionsorgien“ genervt. Weil die Distanzierungsmaßnahmen jetzt von allen Seiten in Frage gestellt würden, warnt Virologe Christian Drosten vor einer zweiten Infektionswelle, die außer Kontrolle geraten könnte.»

«Ließe man dem Coronavirus jetzt «freien Lauf, würde dies unser Gesundheitssystem überfordern. Man muss also Wege finden, R so lange unter 1 zu halten, bis ein Impfstoff gefunden und großflächig verfügbar ist. Drosten erklärt, warum dieses Unterfangen durch übereilte Lockerungen nicht nur zunichte gemacht werden, sondern auch in einem Desaster enden könnte. Auch bei einem Reproduktionswert unter 1 verbreite sich das Virus „unter der Decke“ weiter, warnt er.

Das bedeute, dass es sich in Deutschland über die kommenden Wochen und Monate nahezu unbemerkt verteile, während Covid-19-Fälle zuvor überwiegend in Hotspots aufgetreten seien. Würde die Zahl R durch Leichtsinn und voreilig zurückgenommene Distanzregeln wieder über 1 steigen und sich das Virus damit wieder exponentiell verbreiten, hätte dies voraussichtlich verheerende Folgen. Weil die Infektionswelle dann überall gleichzeitig starte, hätte sie „eine ganz andere Wucht“, so Drosten. Die bekannten Gegenmaßnahmen reichten dann zu einer Eindämmung nicht mehr aus, die Pandemie gerate außer Kontrolle. »

Gleiches gilt natürlich analog auch für die Schweiz.

— Weiterlesen www.n-tv.de/panorama/Drosten-warnt-vor-zweiter-Corona-Welle-article21726926.html

COVID-19 – eine Zwischenbilanz und Analyse der Moral, der medizinischen Fakten und der politischen Entscheidungen

Warum COVID-19 absolut gar nicht mit einer Grippe verglichen werden kann und warum eine aktive Durchseuchung der nicht-Risiko-Gruppen mit dem COVID-19-Virus mit Sicherheit ein absolutes Hirngespinst Ist, das nur Leuten in den Sinn kommen kann, die keine Ahnung von Biologie, Medizin und Ethik haben. Das Beste, was ich bisher zur Pandemie und dem Versagen unserer Behörden gelesen habe. Von einem, der an der Front arbeitet und wirklich weiss, was Sache ist.

Weiterlesen: http://www.mittellaendische.ch/2020/04/07/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zukünftigen-politischen-entscheidungen

Genug gejammert… COVID-19 als Chance

Mit diesem Beitrag könnte ich mich bei manchen Leuten sehr unbeliebt machen. Deshalb möchte ich eines vorwegstellen:

  1. Ich unterstütze das Wirtschaftspaket des Schweizer Bundesrats, genauso wie die von ihm angeordneten Massnahmen zum Schutz des Gesundheitssystems.
  2. Ich bin und bleibe in meinen Ansichten ein liberal denkender Mensch, dem unnötige Vorschriften und Bürokratie zutiefst zuwider sind.
  3. Ich möchte auch möglichst schnell den Lockdown beenden.
Meine Firma hiess einmal «4C», was sowohl für Campaigning and Crisis Communication Consulting stand, als auch für das englische «foresee» (vorausschauen).

Aber trotzdem sehe ich momentan keine andere Möglichkeit, unsere Krankenhäuser und das Gesundheitssystem zu schützen, als den Lockdown so lange fortzusetzen, bis eine wissenschaftlich fundierte und geordnete Ausstiegsstrategie gefunden und umfassend vorbereitet wurde. Das kann noch dauern.

Deshalb hat der Bundesrat meine fast volle Unterstützung. Nur «fast», weil ich der Meinung bin, man hätte besser vorbereitet sein und die harten Massnahmen früher treffen sollen und können, und man könnte und müsste die Kommunikation besser machen.

Dass man nicht vorbereitet war, kann ich ganz und gar nicht verstehen, denn die WHO hat 15 Jahre lang vor einer solchen Pandemie gewarnt.

Genauso wenig Verständnis habe ich aber auch für das Gejammere der so genannten Wirtschaft, für zu viele von denen, die von der Krise überrascht wurden und nun wirtschaftliche Hilfe zulasten des Steuerzahlers brauchen.

Ich finde es unfassbar, dass teilweise die gleichen Leute, die jahrelang (zurecht) Steuersenkungen und immer weniger Staat verlangten (was ich voll und ganz unterstütze), nun in Windeseile beim Staat anklopfen und um Hilfe betteln (was ich unterstützen muss, weil es nicht anders geht, aber zutiefst im Innern ablehne).

Was haben die denn die letzten 15 Jahre getan? Warum haben die die Warnungen der WHO nicht wahr- oder ernstgenommen?

Wieso haben sie keine Reserven aufgebaut? Hätte nicht jeder, der sich Unternehmer schimpft, mit einem solchen Szenario konfrontiert, für mindestens 3 Monate Reserven aufbauen müssen, wenn sein Geschäft bei einem Lockdown sofort wegbricht?

(Ausnahmen, die wirklich nicht vorbereiten konnten und einfach Pech hatten, bestätigen die Regel.)

Und haben nicht sehr viele, die nun nicht Home-Office-fähig sind, es schlicht und einfach mutwillig und fahrlässig versäumt, im Unternehmen die Digitalisierung voranzutreiben, von der seit Jahren (fast nur) geredet wird? Und nun müssen die Steuerzahler für die Folgen dieser Fahrlässigkeit aufkommen…

Wo sind die unternehmerischen Vorräte an Schutzmasken und Desinfektionsmitteln, mit denen man die Mitarbeitenden im Notfall hätte ausstatten können?

(Um die Frage zu beantworten, die sich manche/r nun sicher stellt: ja, ich habe die Warnungen ernstgenommen und meine Firma war vorbereitet, bei uns läuft das business «as usual», ausser dass ich um einiges produktiver bin, weil Meetings endlich online durchgeführt werden und ich nicht mehr so viel hin und her reisen muss. Wir arbeiten seit über 11 Jahren mit Cloud-Lösungen, dezentral, mobil, mit Videokonferenzen und Collaboration Tools, hatten Desinfektionsmittel und Schutzmasken.)

Wer nicht so vorgesorgt hatte, braucht jetzt Hilfe, das ist klar und das unterstütze ich auch. Zähneknirschend…

Aber gleichzeitig ärgert es mich, dass der gleiche Staat, dessen Einmischung wir immer unisono kritisieren, nun für unternehmerische Versäumnisse einspringen muss.

Ein guter Liberalismus oder einfach nur gutes Unternehmertum hätte dieser «Einmischung des Staates in den Markt» – denn um nichts anderes handelt es sich hier – vorausschauend vorgebeugt. Dann hätte sich der Wert des unternehmerischen Denkens zeigen können, der Wert von «Verantwortung übernehmen», «voraussschauend denken» und von «Gemeinsinn».

Die Chance dieser Krise liegt nun darin, daraus für den Wiederaufbau die richtigen Lehren zu ziehen und eine resilientere Wirtschaft aufzubauen, wenn der Spuk vorbei ist.

Denn eins ist klar: Fortsetzung folgt («Klimawandel»)…

P.S. Nachtrag

Aufgrund von Feedback auf Facebook möchte ich folgendes noch ergänzen.

Es gibt Risiken, die kann man tatsächlich unmöglich noch managen. Vor allem, wenn sie dann noch zu unwahrscheinlich sind, muss man sie ignorieren.

Hier wende ich eine Priorisierungsmatrix an, die zwei Kriterien beinhaltet:
1. Wie leicht ist es, sich vorzubereiten?
2. Wie gross sind die Auswirkungen?
Als drittes Kriterium könnte man dann noch die Eintretenswahrscheinlichkeit nehmen.

Risiken mit einer grossen Auswirkung, auf die man sich leicht vorbereiten kann, sind die, auf die man sich vorbereiten sollte. Atomare Super-Gaus und Asteroideneinschläge gehören nicht dazu. Denn man kann sie nicht managen.

Aber Risiken mit einer praktisch 100igen Wahrscheinlichkeit müssen dazu gehören, wenn man sie managen kann.

Ein langer Blackout wäre nicht zu managen, gerade weil wir schon zu sehr vom Strom abhängig sind. Ein vorübergehender wäre zu managen, erfordert dann lediglich ein Notstromaggregat. Er kommt sicher, spätestens beim nächsten grossen Sonnensturm auf der erdzugewandten Sonnenseite. Die Frage ist einzig wann.

Gleiches gilt für eine Pandemie: dass sie kommen würde, war sicher, nur nicht wann. Hier aber waren die Massnahmen entweder einfach (Vorrat an Desinfektionsmitteln und Masken) oder – wenn auch nicht ganz so einfach – sowieso ein Gebot der Stunde (Digitalisierung).

Im Grund genommen geht es mir um die Kernaussage, dass wir als Unternehmer/innen im Hinblick auf die Zukunft unsere eigenen Versäumnisse thematisieren müssen, statt einfach nur sofort nach dem Staat zu schreien.

Denn die nächste Katastrophe – der Klimawandel – ist ja auch schon lange angekündigt.