So schützen wir uns… zu Tode – diese Kommunikation bringt Menschen um

Kommunikation kann Leben retten, Kommunikation kann aber auch Leben nehmen. Die Kommunikation unserer Behörden bringt Menschen um.

Mit Ihrer Botschaft «So schützen wir uns» sendet sie nämlich ein falsches Signal aus. Seit geraumer Zeit versuche ich in den Social Media dieses zu korrigieren, auch ans Bundesamt für Gesundheit adressiert. Heute ist mir der Kragen geplatzt.

Wieso ist die Kommunikation des BAG tödlich?

Weil sie vermittelt, es ginge um den Schutz des einzelnen Individuums. Dadurch fühlen sich alle Möchtegern-Helden angefeuert, ihren vermeintlichen Mut und ihre eingebildete Unerschütterlichkeit zu demonstrieren, indem sie sich weiterhin in der Öffentlichkeit in Gruppen treffen, wie wenn nichts wäre. Und alle, die nun einen wirtschaftlichen Schaden erleiden, können ebenfalls Stimmung gegen drastische Massnahmen machen, weil das Risiko für den Einzelnen ja nur bei weniger als 5% liegt.

Damit tragen sie aber dazu bei, dass COVID-19 sich ungebremst und exponentiell mit einer Verdoppelung alle zwei Tage ausbreitet. Das Verständnis von exponentiellem Wachstum geht diesen Leuten wahrscheinlich ebenfalls ab.

Am Freitag hatten wir offiziell 1’125 Fälle. Experten schätzen, dass es in Wirklichkeit 12’000 waren. Nehmen wir als Basis nur die offiziellen Fälle.

Das Virus vermehrt sich alle zwei Tage, es werden kaum noch Leute getestet, bis Massnahmen sich auswirken vergehen deshalb zwei Wochen. Denn alle Infizierten ohne Symptome verbreiten in dieser Zeit das Virus weiter. Die Fälle, die wir heute sehen, haben sich vor bis zu zwei Wochen angesteckt.

Wenn es nun zwei Wochen lang alle 2 Tage eine Verdoppelung gibt, dann sind wir in 2 Wochen bei ca. 400’000 Fällen, und das nur aufgrund der offiziellen Zahlen. Die am Wochenende zehnfach höhere Dunkelziffer habe ich dabei nicht einmal berücksichtigt. (Wir wären sonst bei 2-3 Mio., was mir sowieso keiner glauben würde.)

400’000 Fälle, von denen 20’000 (5%) ein Bett und eine Beatmungsstation in einer Intensivstation brauchen, und zwar mehrere Wochen. 1’000 Betten haben wir… man rechne. Nicht berücksichtigt: alle Patienten, die nicht COVID-19 haben, aber nicht behandelt werden, weil das Krankenhauspersonal andere Prioritäten setzen muss.

Es geht nicht darum, sich selbst zu schützen!

Es geht um den Schutz unseres Gesundheitssystems, unserer Ärztinnen und Ärzte, unseres Pflegepersonals und all derer, die an den Kassen der Supermärkte Horden von Hamstern bedienen müssen. Es geht um den Schutz der Risikogruppen.

Und letztendlich geht es auch um den Schutz unseres Wohlstands, denn um harte Massnahmen wie in Italien kommen wir auf gar keinen Fall mehr herum und je länger mit dieser Entscheidung abgewartet wird, desto schlimmer die Folgen. Hätte man beim ersten Fall im Tessin die Schweiz zwei Wochen in Quarantäne versetzt und die Grenzen dicht gemacht, wäre das hart für viele KMU gewesen, aber verkraftbar. Was wir uns nun durch das Abwarten eingebrockt haben, ist eine Katastrophe für unser Gesundheitssystem und unsere Wirtschaft. Aber eben… wenn das Wörtchen Wenn nicht wäre…

Richtige Kommunikation hätte die Akzeptanz für rigorose Massnahmen schaffen können.

Eine bessere Botschaft in diesem Sinne wäre gewesen:
«So schützen wir unser Gesundheitssystem»

Ich bin sauer.

Ein kleiner Trost: nach der Katastrophe kommt der Aufbau. Und der bietet eine neue Chance.

Nach Jahrzehnten der fruchtlosen Aufklärung hat es ein Kleins , dass wir unsere Augen von der Klimakatastrophe nicht mehr abwenden konnten.

Dann hat es nur ein winziges Virus gebraucht, um uns unsere Verwundbarkeit vor Augen zu führen und unserer Wirtschaft eine Vollbremsung zu verpassen.

Nutzen wir die Chance beim Wiederaufbau, der irgendwann beginnen wird, und bauen eine neue Zukunft für die kommenden Generationen.

Wie beim COVID-19 geht es auch beim Klimawandel letztendlich um das ganze Wohl unserer Gesellschaft.

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