Kommentar zur Antwort des Stadtrats auf meine Interpellation Standortförderung Limmatstadt AG

Gestern Abend durfte ich im Gemeinderat Stellung nehmen zur Antwort des Stadtrats auf meine kritischen Fragen (Interpellation) zur Vergabe der Standortförderung für das Limmattal an die Limmatstadt AG.

Wie ich schon Anfang Oktober der Limmattaler Zeitung erläuterte, bin ich mit der Antwort nicht zufrieden, allerdings mittlerweile noch aus ganz anderen Gründen. Kurz zusammengefasst habe ich mittlerweile klare Indizien dafür, dass man mit der Limmatstadt AG nicht den kompetenten der möglichen Anbieter gewählt hat und dass der Öffentlichkeit kein reiner Wein zum eigentlichen Geschäftsmodell der Limmatstadt AG eingeschenkt wird. Und der Stadtrat schreibt es selbst: nicht der beste Standortförderer wurde ausgewählt, sondern der am besten vernetzte. In meinen Augen ist das nicht tragbar und im Sinne einer liberalen Wirtschaftspolitik fordere ich für die Vergabe des Auftrags 2020 freien Wettbewerb, indem auch fähige Standortförderer sich für den Auftrag bewerben dürfen. Hier mein Votum im Original und in voller Länge. Wer sie lieber hören möchte, kann dies in den kommenden Tagen hier tun.

Am 2. Oktober war ich beim Wirtschaftsfrühstück hier in Dietikon, wo sich die Limmatstadt AG präsentierte. Das Limmattal wurde uns ins Bildern gezeigt. Wir durften lernen, dass es hier wirklich schön ist. Das behaupten allerdings auch andere Regionen von sich.

Auch die Vision wurde prominent vorgestellt: das Limmattal … soll … eine starke Marke werden.

Aha!

Eine starke Marke… soll das Limmattal also werden. Aber … was meinen die denn damit?

Nun weiss ich nicht ganz zufällig, dass man streng genommen zwischen Standortpromotion und Standortförderung unterscheidet.

Weil Standortförderung der Firmenansiedlung dient, vor allem durch Anreize und Subventionen, soll die Standortpromotion den Standort bewerben – beispielsweise durch Imagekampagnen, Events, Messeauftritte oder die Kontaktpflege mit potenziellen Investoren.

Da die Limmatstadt AG als private Firma wohl kaum Anreize und Subventionen schaffen wird, gehe ich im folgenden davon aus, dass sie wohl eher Standortpromotion machen soll.

Um einen Standort zu bewerben, ist es aber essentiell, auch das weiss ich nicht ganz zufällig, sich bis ins letzte Detail zu überlegen, wofür eine Marke in den Köpfen der Zielgruppe stehen soll und welche Emotionen sie auslösen soll.

Also habe ich nachgefragt.

Antwort: Die Marke ist die Limmatstadt.

(Was dazu wohl die Gemeinden rechts der Limmat darüber denken werden?, schoss es mir spontan durch den Kopf…)

Wenn Limmatstadt die Marke sein soll, müsste wenigstens dieser Begriff eindeutig – und vor allem einzigartig – definiert werden.

Aber wenn man Limmatstadt googlet, findet man 56’500 Suchergebnisse.

Und auf der ersten Seite findet man ausser einer englischen Übersetzung des Begriffs nur Websites, die mit der Halter AG verbändelt sind. Bei den nächsten 10 Suchergebnissen findet man dann immerhin noch zwei Artikel, in denen Zürich als Limmatstadt gehandelt wird. Auch sonst nur Halter AG.

Ist das die Vision der Limmatstadt AG? – Dass unser schönes Limmattal als Spin-Off der Halter AG wahrgenommen wird?…

Als ich dann nachfragte, wofür der Begriff Limmatstadt stehen soll, gab es leider, wie mittlerweile zu befürchten war, auch keine richtige Antwort. Die Region zwischen Zürich und Brugg kann man wohl kaum so benennen. Fragen Sie mal in Oetwil nach…

Mit Verlaub, verehrte Anwesende: wenn ein Standortförderer nicht weiss, für welche Werte und Besonderheiten der Standorts bzw. seine Marke steht, was sie ausstrahlen und welche Emotionen sie vermitteln soll, dann ist das aus professioneller Sicht eine Katastrophe.

Ein solcher Standortförderer ist unfähig, seinen Job zu machen.

Aber in die Hände eines solchen Standortförderers sollen wir nun die Vermarktung unserer attraktiven Region mit ihrem ganzen Potential legen…

Nein, sehr geehrter Stadtrat – ich bin nicht zufrieden mit der Antwort auf meine Interpellation.

Ich hatte gefragt:

1. Wie genau finanziert sich die Limmatstadt AG und was ist deren Business Modell?

Die Antwort auf diese Frage enthält immerhin eine interessante Zahl: 500’000 bis 600’000 Franken jedes Jahr hat Balz Halter vorfinanziert.

„Der Baulöwe war schon da, als die Herde kam – Wie Halter das Limmattal mitentwickelte“ lautet ein erhellender Artikel, der in der Limmattaler Zeitung am 1. September 2018 zu lesen war.

Der Stadtrat hätte davon Kenntnis haben können. Dort steht nämlich schwarz auf weiss: „während der Bauboom im Westen Zürichs durch den Bau der Limmattalbahn neuen Schub erhalten könnte, hat sich Balz Halter für die weitere Entwicklung schon mal in Stellung gebracht: Er lancierte letztes Jahr die Limmatstadt AG, die als Standortförderer die ganze Region von Zürich bis Baden abdecken will. Halter ist ihr Verwaltungsratspräsident“.

Dieser zentrale Aspekt im Businessmodell der Limmatstadt AG – dass sie primär Balz Halter dazu dient, sich neue Überbauungen zu sichern – fehlt in der Antwort komplett. Wieso?

Nicht erwähnt ist, dass er auch die IG Niderfeld präsidiert. Ein Ratskollege hat mir kürzlich wortwörtlich gesagt „Wir haben das Limmatfeld noch nicht verdaut, vielleicht sollten wir beim Niderfeld erstmal auf die Bremse treten“.

Man weiss doch mittlerweile zur Genüge, dass Balz Halter vor allem anderen auf den eigenen Vorteil bedacht ist und dabei auch nicht davor zurückschreckt, Versprechen nur zu haltern.

Stichwort Parkplätze im Limmatfeld, wo unsere Behörden die Interessen der Gemeinde nun nur noch auf juristischem Weg durchsetzen können, wenn überhaupt.

Es soll mir keiner sagen, er habe völlig uneigennützig so viel Geld in die Limmatstadt AG investiert. Ich bin der Meinung, die Öffentlichkeit muss über die wahren Beweggründe und das eigentliche Businessmodell informiert sein, nicht nur über das, was in schönen Hochglanzbroschüren zu lesen ist, die kaum das Papier wert sind, auf dem sie stehen.

2. Wie kann sichergestellt werden, dass die Limmatstadt AG die Interessen der Gemeinden immer gegenüber den eigenen Priorität einräumen?

3. Wie stellen die Gemeinden des Limmattals – bzw. der Stadtrat von Dietikon – sicher, dass Interessenkonflikte zwischen Bauunternehmen immer zugunsten der Gemeinden entschieden werden?

Die Fragen 2 und 3 wurden praktisch identisch beantwortet, ihr Kern ist es ebenfalls: wie kann die Qualität der Leistung beurteilt werden.

Aufgrund meiner anfänglich geschilderten Erfahrung mit dem Branding-Knowhow bei der Limmatstadt AG stelle ich in Frage, dass eine Leistungsvereinbarung genügt, solange man mir nicht aufzeigen kann, dass bei den Behörden das Knowhow vorhanden ist, die Güte der Leistungen – oder vielleicht ja auch Fehlleistungen – der Limmatstadt AG zu beurteilen.

Ganz abgesehen davon sollte man die Förderung eines so heterogenen Standorts nicht monosektoriell so nahe an eine einzige Branche binden.

4. Wird der Limmatstadt AG eine Monopolstellung im Limmattal eingeräumt oder können sich auch andere, private Standortförderer oder Standortvermarktungsfirmen um das Mandat bewerben?

Die Antwort auf meine Frage, ob sich auch andere Standortförderer um das Mandat bewerben können, ist entlarvend: man hat sich demnach nicht für die Limmatstadt AG entschieden, weil sie fachlich der beste Anbieter ist, sondern weil sie – Zitat – breit abgestützt und vernetzt ist.

Letzteres mag ja Balz Halter freuen, der sich davon neue Überbauungen und ein breites Netzwerk verspricht, aber wie bitte sehr soll eine Vernetzung innerhalb des Limmattals dazu beitragen, dass unsere Region da draussen richtig und gut vermarktet wird? Bräuchte es dazu nicht vielmehr das der Limmatstadt AG offensichtlich fehlende Branding-Knowhow?

5. Falls ja, ab wann gibt es eine öffentliche Ausschreibung?

Ich nehme bedauernd zur Kenntnis, dass der Auftrag nicht ausgeschrieben und somit kein freier Wettbewerb ermöglicht wird. Im Sinne einer liberalen Wirtschaftspolitik, die daran glaubt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, würde ich bei einem strategisch so wichtigen Auftrag – minddestens so wichtig wie der Stadtdialog, um den sich mehrere Firmen bewerben durften – jedoch eine Ausschreibung oder wenigstens Einladung mehrerer Firmen mehr als begrüssen, damit die beste Firma diesen Auftrag bekommt und nicht die am besten vernetzte.

Ich werde die Situation nun genau beobachten und behalte mir einen weiteren Vorstoss vor.

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