Verzicht auf Minergie kann sinnvoll sein

«Verzicht auf Minergie: Stadt erntet Kritik für überarbeitetes Bauprojekt» – so lautete kürzlich die Schlagzeile eines Artikels in der Limmattaler Zeitung. (Hier geht es zum Artikel.) Darin heisst es unter anderem:

Dass aus Kostengründen auf den Ausbaustandard Minergie verzichtet wird, überrascht. Ist Schlieren doch seit 1997 Trägerin des Labels Energiestadt und wurde seither drei weitere Male zertifiziert. Kritik kommt denn auch von den Ortsparteien, die sich für nachhaltige Bauweise einsetzen. Andreas Kriesi (GLP) etwa, findet, dass in diesem Projekt eine Sanierung zu Minergie-Standard sinnvoll sei. «Dies, wenn man davon ausgeht, dass die effektiven Kosten für den Minergie-Standard nicht mehr als zehn Prozent der Sanierung ausmachen sollten», sagt er.

Label geht nicht verloren
Aus Sicht von Manuela Stiefel ist es kein Problem, als Energiestadt auf eine Minergie-Sanierung zu verzichten. Zwar habe der Stadtrat vor anderthalb Jahren beschlossen, den Gebäudestandard 2015 von «Energiestadt Schweiz» zu übernehmen. «Es wurde jedoch explizit festgehalten, dass bei Renovationen nur dann Minergie zur Anwendung gelangt, wenn dies technisch und finanziell vertretbar ist», so Stiefel. Dies stehe nicht im Widerspruch zum Energielabel der Stadt. «Es besteht keine Gefahr, das Label zu verlieren, zumal die Stadt Schlieren in diversen anderen Bereichen wie Fernwärme, Photovoltaik-Anlagen und Holzbauten mit Material aus dem eigenem Wald punktet», sagt Stiefel.

Meine eigene Erfahrung stützt den Entscheid der Stadt. Auch der Limmat Tower verfügt über ein Minergie-Label. Dieses ist jedoch nicht über alle Zweifel erhaben. So schreibt zum Beispiel die NZZ am 27.1.2013:

Wie viel Energie die Minergie-Gebäude in der Praxis tatsächlich verbrauchen, steht auf einem anderen Blatt. Unabhängige Studien gibt es keine. Die Minergie-Zertifikate erhalten die Gebäude jedenfalls nicht nach einer systematischen Messung über einen längeren Zeitraum, sondern nur aufgrund eines zuvor berechneten Energieverbrauchs. Dieses Verfahren ist preiswert und unbürokratisch. Ob die ermittelten Werte aber der Realität entsprechen, weiss heute niemand so genau.

Und genau das ist bei uns ein Problem. Laut Kaufvertrag gelten beim Limmat Tower gewisse Normen. Eine davon besagt, wie lange es dauern darf, bis das Wasser aus der Leitung eine Minimaltemperatur von 50 Grad erreicht hat. Als unsere Wohnung gebaut wurde, hat der von der Halter AG beauftragte Totalunternehmer wohl gemerkt, dass die Leitung zu unserer Kücheninsel zu lange ist. Also hat man eine das Roher ummantelnde Heizung eingebaut, die das Wasser im Rohr permanent vorheizt, egal, ob wir gerade zuhause sind oder im Urlaub. Dadurch haben wir einen permanenten Energieverbrauch von angeblich 90 Watt, wenn nicht noch mehr. Die allermeiste Zeit stellt das einen völlig überflüssigen Energieverbrauch – die reinste Energieverschwendung in einem Minergie-Haus –dar, was aber für die Erteilung des Minergie-Zertifikats, das die Halter AG sehr gut für die Vermarktung gebrauchen konnte, keine Rolle spielt. Wir haben dies nun als Mangel gerügt und verlangen den Einbau eines Schalters, um diese Heizung bei Nicht-Bedarf abschalten zu können. Mal schauen, ob wir ihn bekommen. Bis heute wehren sich die Bauunternehmen dagegen.

Ein anderes Beispiel für beim Zertifikat nicht berücksichtigten Stromverbrauch sind Luftbefeuchter. Gerade jetzt, wo es so kalt ist, herrscht in Minergiegebäuden extreme Trockenheit, bei uns aktuell unter 20 Prozent. Luftbefeuchter kommen kaum dagegen an, weil die Luft im Gebäude so schnell zirkuliert, dass das bisschen Feuchtigkeit, das in die Luft gelangt, sofort wieder abgesaugt wird. Dennoch stehen in vermutlich allen Wohnungen im Limmat Tower Luftbefeuchter. den Stromverbrauch mag man gar nicht ausrechnen…

Unser Beispiel zeigt, wie Ideologien vernünftigen Lösungen im Weg stehen können. Im links-grünen Spektrum ist die Welt in Ordnung, wenn alles schön reguliert wird und in der Theorie stimmt. Die Realität sieht aber leider nicht selten anders aus. Wirklich nachhaltig wirtschaften können wir aber nur, wenn es uns gelingt, eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren und wenn Effizienz nicht nur auf dem Papier steht. Letztendlich sollte man die Fakten entscheiden lassen und nicht nur in der Theorie erfolgreiche Regulierungen.

Deshalb Liste 4 wählen und Philipp Müller in den Stadtrat und unbedingt heute noch den Stimmzettel ausfüllen und zur Post bringen. Heute ist der letzte Tag für die Briefwahl.

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