Die Zukunft des Strassenverkehrs: Innovation als Fluch oder Segen?

Innovation – welch ein kleines Wort im Vergleich zu den vielfältigen und oftmals gravierenden Veränderungen, die wir gerade durchleben. Diese Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich heute Morgen in der Dezember-Ausgabe des Magazins „Spektrum der Wissenschaft“ einen Artikel zum Thema autonome Fahrzeuge las. Wie werden sie die Situation in unseren Städten verändern? Steckt in ihnen die Lösung für die Staus in der Heimstrasse, bei der Post, am Kronenplatz oder an den anderen neuralgischen Punkten in Dietikon? Schon die S-Bahnstation in Silbern könnte einen so wichtigen Beitrag leisten – was können dann erst die autonomen Fahrzeuge?

(Übrigens, die S-Bahnstation Silbern ist für die Region dringlich, denn durch eine S-Bahnstation Dietikon Silbern könnte der Stau in Dietikon massiv verringert werden, weil PendlerInnen bis zu 34 Minuten Reisezeit einsparen könnten, würden sie auf den Zug umsteigen. Da liegt Potential. Dazu kommen viele weitere Vorteile.)

Innovation stellt Stadtplanung vor neue Herausforderung

Doch zurück zum erwähnten Artikel. Die Autoren, nämlich Carlo Ratti und Assaf Biderman, nehmen zunächst Bezug auf das letzte Jahrhundert: Damals stellten die aufkommenden Autos die Städteplanung vor eine ähnliche Herausforderung – keiner der Architekten zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte eine derartige Verbreitung der Automobile auf dem Schirm, die vorgesehenen Straßen und Plätze erwiesen sich logischerweise als viel zu klein dimensioniert. Und nun stehen wir wieder an einer Schwelle, hinter der eine neue Etappe in der menschlichen Entwicklung auf unsere Gesellschaft wartet:

Einerseits gehen die Autoren davon aus, dass sich der durch die Städte zu leitende Transportbedarf bis zum Jahr 2050 verdoppeln wird – selbst die modernsten Straßen werden somit weit über ihre Grenzen hinaus belastet und verstopfen, steigt das Verkehrsaufkommen auf das Doppelte. Andererseits wird sich der öffentliche und private Verkehr durch Innovation drastisch ändern, setzen sich die künstliche Intelligenz, Robotik und IT-Technologien erst so richtig durch.

Wenn Autos die Regie im Strassenverkehr führen

Denken wir nur an die eine Innovation, die ganze Industriezweige beeinflussende und in ernsthafte Schwierigkeiten bringen kann: die selbstfahrenden Fahrzeuge. Längst sind wir an den Komfort, den uns die schon heute computerunterstützten modernen Autos eröffnen, gewöhnt. Sensoren erfassen innen und außen die unterschiedlichsten Daten, um unsere Sicherheit zu gewährleisten und den Fahrzeugbetrieb zu optimieren. Übernehmen die Autos erst ganz allein die Regie, brauchen wir weder einen Führerschein oder kostenintensive Verkehrsleittechnik, noch ist überhaupt ein Privatfahrzeug notwendig: Wie wäre es, wenn eine Flotte autonomer Fahrzeuge, die selbstverständlich miteinander kommunizieren und so die Abläufe auf den Strassen sicherstellen, jederzeit abrufbar wäre? Der private Fahrzeugbestand, der unsere Innenstädte zuparkt und nur während eines Bruchteils des Tages überhaupt im Einsatz ist, wäre schlichtweg überflüssig.

Das ganze Thema Verkehrssteuerung müsste neu gedacht werden – oder übernehmen auch das die Fahrzeuge selbst? Kinder könnten von diesen Fahrzeugen ebenso sicher befördert werden wie ältere Mitbürger, die unter normalen Umständen gar nicht mehr fahren dürften. Die Strassen wären dann ausschliesslich von selbstfahrenden Vehikeln bevölkert, Unfälle können somit ebenso vermieden werden wie Staus oder Behinderungen – so weit die Vision. Genau hier melden sich dann die Zweifel: Eine derart automatisierte Fahrzeugwelt und Infrastruktur wäre absolut anfällig gegen Hackerangriffe, die sämtlichen Verkehr lahmlegen könnte. Es gibt also noch vieles zu bedenken, bis diese Vision marktfähig ist. Und doch eröffnet sich hier durch die nicht aufzuhaltende Innovation ein vollkommen neuer Gestaltungsspielraum für unsere Städte, den wir auf keinen Fall aus dem Auge verlieren und unbedingt mit Experten vertiefen sollten. Innovation ist gut und richtig, solange sie den Menschen dient.

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