Was eigentlich ist AC/DC?

Diese Frage beschäftigt mich vermehrt seit die Band wieder auf Tournee ist.
In meinem Buch «Das AC/DC Prinzip» hatte ich Ende 2012 zum Strategischen Campaigning Grundsatz Nr. 4 (Aufbauen auf bestehenden Stärken) geschrieben:
«Aufbauen auf bestehenden Stärken kann man dann, wenn man sich seiner eigenen und wichtigsten Stärken überhaupt bewusst ist, und dann gezielt darauf aufbaut, sie pflegt und weiter ausbaut. «Konzentration auf Symbole», «permanente, strategische Ausweitung von Vernetzung und Terrains – unter Beachtung der „Konzentration der Kräfte”», «offene und selbstkritische Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen, ohne Rücksicht auf Verluste», «Wiedererkennbarkeit und Redundanz in der Kommunikation», «never change a winning Team», sind weitere, im Zusammenhang mit AC/DC relevante, Interpretationen dieses Strategischen Campaigning Grundsatzes.
«Never change a winning team» ist die offensichtlichste der Interpretationen. Seit 1980 hat es – mit Ausnahme der mehrjährigen Auszeit von Schlagzeuger Phil Rudd und einer kurzen Auszeit von Malcolm Young – keinen Wechsel in der Band gegeben. Und Phil kam zurück.»
Wer die Musik von AC/DC versteht, weiss auch, wie wichtig das war. Oberflächlich betrachtet scheint es, wie wenn Lead-Gitarrist Angus Young und Sänger Brian Johnson die Hauptrollen spielen. In Wahrheit jedoch könnten diese beiden ihre Jobs bei weitem nicht so gut erledigen, wäre da nicht die Rhythmus-Sektion, bestehend aus Phil Rudd, Malcom Young und Cliff Williams. Jeder einzelne von ihnen spielt eine sehr individuelle und wichtige Rolle. Die Musik von AC/DC wäre einfach anders, würde man sie austauschen. Wer genau zuhört, stellt zum Beispiel fest, dass Malcolm niemals genau auf den Takt anschlägt. Es gibt immer eine ganz leichte Verzögerung zwischen Schlagzeug und Rhythmus-Gitarre. Diese Verzögerung gehört zu dem, was die Musik von AC/DC so einzigartig und gleichzeitig wiedererkennbar macht. Sie baut auch die Spannung auf, durch die die Musik getragen wird. Diese Verzögerung ist einer der Gründe, warum es nur wenigen Bands gelingt, so zu klingen, wie AC/DC, obwohl viele es versucht haben.
Keine drei Jahre später stimmt diese Aussage nur noch teilweise. Denn der Gründer und «Kopf» von AC/DC – Malcolm Young – befindet sich mit Demenz in einem Pflegeheim und kann sich angeblich nicht einmal mehr daran erinnern, dass es AC/DC überhaupt gibt. An der Rhythmus-Gitarre steht nun sein drei Jahre jüngerer Neffe Stevie Young. Schlagzeuger Phil Rudd muss sich wegen Drogenbesitzes und Mordandrohung vor Gericht verantworten und wurde wieder durch Chris Slade ersetzt. Sowohl Chris als auch Stevie waren schon einmal für Malcolm und Phil eingesprungen, in den achtziger Jahren, als diese wegen Alkoholproblemen jeweils eine Auszeit nehmen mussten.
ACDC and RosieIn Nürnberg, an meinem ersten Konzert während dieser Tournee, konnte ich deutliche Unterschiede hören und dachte, AC/DC sind nun halt nicht mehr wie ich sie kenne, sie sind Teil der Geschichte und das war’s. Doch schon beim nächsten Konzert in Dresden änderte ich meine Meinung. Es war kein Unterschied mehr zu hören und auch in der neuen Besetzung – genau genommen ist Angus nun das einzige verbliebene Gründungsmitglied – wird die Band bis in die hinterste Reihe fast manisch gefeiert.
Die Riten der Konzerte haben sich ein wenig geändert. The Jack wird nicht mehr gespielt und Angus macht auch keinen Striptease mehr. Aber trotzdem ist jedes Konzert identisch. Auf AC/DC ist Verlass.
Was würde passieren, wäre auch Angus nicht mehr dabei? Oder Brian? Könnte die Band weitermachen, indem sich die Neuen die bekannten und eingespielten Rituale zu eigen machen, darauf aufbauen und sie höchstens nur langsam weiter entwickeln? Sind die Menschen ersetzbar, weil die Band etwas Grösseres verkörpert, das über die Summe der Personen hinausgeht? Was eigentlich macht AC/DC aus?
Ich werde diese Frage mit Michel Philipona diskutieren, der für das Brand Identity Angebot bei  business campaigning GmbH verantwortlich ist. Mal schauen, was er dazu sagt. Seine Antworten werde ich dann wieder hier veröffentlichen.
For those about to rock, we salute you!

Ein Gedanke zu “Was eigentlich ist AC/DC?

  1. Wie immer eine interessante Analyse. Übertragen auf ein Unternehmen stellt sich natürlich die Frage, inwieweit ein Unternehmen über sein Gründer identifiziert werden darf (eine Band ist ja auch eine Art Unternehmen).
    Ein Unternehmen hat ja mehrheitlich zum Ziel, nachhaltig zu sein und auch noch in einigen Jahrzehnten am Markt zu agieren.
    Bei einer Band ist dies ja etwas schwieriger, wie der Blog ja eindrücklich aufzeigt. Es gibt auch noch andere Beispiele (etwas anderer Musikstil – sorry), welche zeigen, dass der Zahn der der Zeit unausweichlich wirkt z.B. Chicago, The Eagles, Blood Sweat and Tears u.v.m.

    Für mich ergibt sich daraus folgendes Fazit:
    – Vision und Werte können unabhängig von einer bestimmten Person weitergelebt werden;
    – für eine Band kann das bedeuten, dass man zwar den Stil, die Spieltechnik kopieren kann, weil das ja den Sound ausmacht, egal welche Person das Instrument spielt;
    – als Fan (sprich Kunde), muss ich akzeptieren, dass ein Stil sich weiterentwickeln kann, wenn die Grundwerte (Grundsound) weiterhin erkennbar bleibt (dies ist bei Chicago The Band der Fall, obwohl diese schon lange nicht mehr in der Originalbesetzung spielen. Der «Chicago Sound» bleibt jedoch unverkennbar.

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