Wie misst man Innovation? – Gastbeitrag von Business Aktivist Sven Donhuysen

Der Tages-Anzeiger berichtete kürzlich über ein neues Buch von Nobelpreisträger Edmund Phelps (hier). Phelps erhielt den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften,  „für seine Analyse intertemporaler Zielkonflikte in makroökonomischer Politik“. Auch wenn ich mich dadurch bei dem einen oder der anderen unbeliebt mache, aber als Physiker streite ich ab, dass es sich bei den althergebrachten Wirtschaftswissenschaften tatsächlich um eine Wissenschaft handelt. Zu viele Grundsätze wurden da verletzt. Man muss nur an den nicht existenten Homo Oeconomicus denken, den zu widerlegen es erst richtiger wissenschaftlicher Experimente bedurfte, wo doch ausnahmsweise mal der gesunde Menschenverstand gereicht hätte. In diesem Zusammenhang sehe ich auch die Aussagen von Herrn Phelps zum Thema Innovation. In einer Zeit, in der ganze Branchen durch neue innovative Produkte und Businessmodelle umgekrempelt werden, und dank Internet praktisch jeder eine Firma gründen und weltweit handeln kann, behauptet dieser Ökonom doch allen Ernstes, wir hätten«den Schlüssel zur Innovation verloren». Die Innovation habe sich deutlich verlangsamt. Im Zentrum steht die folgende Aussage auf die Frage, wie man Innovation misst:

Indem man auf das Wachstum der Produktivität schaut. Das ermöglicht eine plausible Einschätzung der Innovationskraft.

Ich könnte dazu zwar einiges selbst schreiben. Aber ich unterhielt mich darüber mit Sven Donhuysen, Chairman der Megadon AG, den ich nun hier in einem Gastbeitrag zu Wort kommen lassen. Sven Donhuysen sieht sich als Business Aktivist, der Innovation fördert und sucht und innovative Startups mit seinem Netzwerk und seinem Wissen unterstützt. Darunter zum Beispiel das Startup Cashcloud mit einer mobile Payment App.

Gastbeitrag von Sven Donhuysen

Edmund Phelps behauptet in seinem Buch, dass das schwache Wachstum der Wirtschaft damit zusammenhängt, dass sich die Innovation seit der industriellen Innovation verlangsamt hat. Er misst Innovation am Wachstum der Produktivität. Merkt er nicht, dass er hier einen Zirkelschluss begeht, einen fatalen Fehler in der Logik, wenn er Wachstum auf Innovation zurückführt und es gleichzeitig als Messgrösse für Innovation definiert?

Aber was ist Innovation wirklich?

Herr Phelps stammt aus einer anderen Generation. Er hat offensichtlich nicht verstanden, wie sich die Welt in den letzten 20 Jahren aufgrund der digitalen Revolution verändert hat. Ganze Wirtschaftszweige wie z.B. das Verlagswesen, die Musikindustrie oder die Unterhaltungsindustrie haben einen grossen Umbruch erlebt. Sie mussten sich von der Basis an neu aufstellen um nicht unterzugehen.

Dank des Internets steht uns heute das gesamte Wissen der Welt per Knopfdruck zur Verfügung. Wir sind durch Facebook und Twitter mit Menschen und Institutionen auf der ganzen Welt vernetzt und werden ohne Zeitverzögerung über wichtige Neuigkeiten informiert. Wir können Meetings per skype abhalten anstatt rund um die Welt zu fliegen.

Ich behaupte sogar, dass es noch nie eine bessere Zeit als heute gab für Innovation.

Neue Ideen können schneller umgesetzt werden. Es wird dazu weit weniger Kapital und Ressourcen benötigt. Und dies geschieht nicht nur im Silicon Valley, sondern an vielen anderen Orten weltweit. Die digitale Revolution kommt nicht mit einem lauten Paukenschlag daher wie damals die industrielle Revolution, als grosse Maschinen in Fabriken aufgestellt wurden und man den Fortschritt unübersehbar vor Augen hatte.

Die digitale Revolution ist eine leise, schleichende Entwicklung, die sich teilweise im Hintergrund vollzieht und die immer noch immenses Entwicklungspotential besitzt. Wir können selbst heute noch nicht genau einschätzen, wohin sich das digitale Zeitalter auf lange Sicht hin entwickelt. Man denke nur an das grosse Potential von 3D-Druckern, die ein Ende der Massenproduktion einläuten könnten und die die Verwendung von Produkten weitgehend loskoppeln von Transportdistanzen.

Eins wissen wir jedoch. Produktivität ist kein messbarer Faktor mehr für den Erfolg einer Innovation, da die Innovation im digitalen Zeitalter nicht mehr an menschliche Arbeitsleistung gekoppelt ist.

Somit stellt sich die Frage, wie definiert man Innovation im heutigen Sinne?

Gesamthaft betrachtet ist sie mehr als die Summe der genialen, bahnbrechenden Ideen, die das Leben der Menschen vereinfachen, verbessern und/oder unterhaltsamer machen, und die den Erhalt der Umwelt fördern und richtungsweisend sind. Man bezeichnet diese auch als „disruptive“ Ideen. Dies wäre ein gutes Mass für Innovation. Der Diskurs ist eröffnet.

2 Gedanken zu “Wie misst man Innovation? – Gastbeitrag von Business Aktivist Sven Donhuysen

    1. Das mag sein. Dann stellt sich aber die Frage, wieso er sie nicht für relevant hält. Mir kommt das vor wie Steve Ballmer und der damalige Nokia-Chef (Name bezeichnenderweise vergessen…), als diese über das iPhone lachten.
      Das Problem von Phelps, wie auch der gesamten klassischen Wirtschaftswissenschaften, ist, dass sie keine sauberen Begriffsdefinitionen haben und mit Konzepten arbeiten, die nicht überprüfbar sind.
      Das Ausmass der Innovation an der Produktivität festzumachen ist ungefähr das gleiche wie die Schneemenge im Winter mit der Innovationskraft der Wintersportindustrie zu korrelieren. Ganz zusammenhanglos sind sie nicht. Aber das eine als Messgröße für das andere? Naja…

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