Rock’n’Roll like Campaigning: AC/DC und der Strategische Campaigning Grundsatz Nr. 4

SCG 4: Aufbauen auf bestehenden Stärken

Aufbauen auf bestehenden Stärken kann man dann, wenn man sich seiner eigenen und wichtigsten Stärken überhaupt bewusst ist, und dann gezielt darauf aufbaut, sie pflegt und weiter ausbaut. «Konzentration auf Symbole», «permanente, strategische Ausweitung von Vernetzung und Terrains – unter Beachtung der „Konzentration der Kräfte“», «offene und selbstkritische Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen, ohne Rücksicht auf Verluste», «Wiedererkennbarkeit und Redundanz in der Kommunikation», «never change a winning Team», sind weitere, im Zusammenhang mit AC/DC relevante, Interpretationen dieses Strategischen Campaigning Grundsatzes.

«Never change a winning team» ist die deutlichste der Interpretationen. Seit 1980 hat es – mit Ausnahme der mehrjährigen Auszeit von Schlagzeuger Phil Rudd – keinen Wechsel in der Band gegeben.  Und Phil kam zurück.

Wer die Musik von AC/DC versteht, weiss auch, wie wichtig das war. Oberflächlich betrachtet scheint es, wie wenn Lead-Gitarrist Angus Young und Sänger Brian Johnson die Hauptrollen spielen. In Wahrheit jedoch könnten diese beiden ihre Jobs bei weitem nicht so gut erledigen, wäre da nicht die Rhythmus-Sektion bestehend aus Phil Rudd, Malcom Young und Cliff Williams. Jeder einzelne von ihnen spielt eine derart individuelle und wichtige Rolle, dass die Musik von AC/DC einfach anders wäre, würde man sie austauschen. Wer genau zuhört, stellt zum Beispiel fest, dass Malcolm niemals genau auf den Takt anschlägt. Es gibt immer eine ganz leichte Verzögerung zwischen Schlagzeug und Rhythmus-Gitarre. Diese Verzögerung gehört zu dem, was die Musik von AC/DC so einzigartig und gleichzeitig wiedererkennbar macht. Sie baut auch die Spannung auf, durch die die Musik getragen wird. Sie ist mit ein Grund dafür, warum es nur wenigen Bands gelingt, so zu klingen, wie AC/DC, obwohl viele es versucht haben. Persönlich kenne ich nur eine einzige Band, die eigene Musik schreibt und trotzdem genau so klingt wie AC/DC, nämlich ´77 aus Barcelona.

Zwischen den letzten beiden grossen Tourneen von AC/DC vergingen sieben lange Jahre, während der die Fans warteten und warteten und warteten… Bassist Cliff Williams hatte sich beim Barbeque die Hand verbrannt, gerade als die Band über ein neues Album und eine neue Tournee nachdachte. Es war lange unklar, ob er jemals wieder würde Bass spielen können. Statt sich nach einem Ersatz umzuschauen, entschied die Band abzuwarten. AC/DC kennen ihre Stärken als Band und wissen ganz genau, warum es jeden einzelnen braucht und wofür. Lieber bringt man kurzfristig Opfer als langfristig zu verlieren.

«Konzentration auf Symbole», «Wiedererkennbarkeit und Redundanz in der Kommunikation»: Während jeder Tournee nehmen sie ihre ganze Geschichte mit auf die Bühne, die Glocke, die Kanonen, die Hörner, Rosie, Angus trägt immer noch seine Schuluniform. In Australien, rund um dessen 30. Todestag, zeigten sie Bilder und Videoaufnahmen von Bon Scott während sie High Vortage spielten. Zu Let There Be Rock lief eine Diashow mit allen oder den meisten ihrer Alben. Und Angus macht immer noch seinen Striptease, wenn auch nicht mehr zu Bad Boy Boogie, sondern zu The Jack, eine weitere ihrer zahlreichen Hymnen, die jeder Fan kennt. Sie setzen weiter auf die Symbole Hölle, Elektrizität, Gitarren.

«Einmal erreichten Impuls unbedingt aufrechterhalten.» – In den frühen Tagen waren sie ständig auf Tournee und wurden bekannt als die Band, die am meisten Schweiss versprühte. Der Song Highway To Hell widmet sich dieser höllisch-anstrengenden Zeit. Indem sie auf ihrer so gewonnen Fanbasis aufbauen und diese ständig vergrössern, indem sie jedes Mal ihre ganze Geschichte wieder aufleben lassen und ein einfaches und klares Konzept haben, können sie auf einmal Erreichtem aufbauen und langsam aber stetig ihre Basis vergrössern. Schon in den siebziger Jahren sagten sie, (wenn ich mich richtig erinnere) in einem Interview sinngemäss, sie seien eine Album-Band, keine Single-Band, und das bedeute halt langsames, aber dafür nachhaltiges Wachstum.

Dass AC/DC sich kritisch mit sich selbst auseinandersetzen, ist ebenfalls in zahlreichen Interviews zu erahnen. Indem sie ihre Musik ständig hinterfragen und permanent daran arbeiten, sie noch einfacher und noch besser zu machen, bauen sie auf bestehenden Stärken auf und werden dadurch auch gesamthaft ständig besser.

„Unsere musikalische Ambition ist es, das ganze Album aufzunehmen, wie wenn es von Little Richard damals in den Fünfzigern aufgenommen worden wäre, ohne Doube Tracking oder so. Wir sind zwar klein, aber wir machen eine Menge Lärm.“ Angus Young (aus: AC/DC Two Sides to Every Glory:, Paul Stenning)

Diese Aussage ist besonders interessant vor dem Hintergrund, dass AC/DC in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern einen regelrechten Durchhänger hatten. Das entscheidende Comeback feierten sie dann 1995 mit dem „Ballbreaker“-Album. Bezeichnend ist, was sie – unter anderem – für dessen Erfolg verantwortlich machen: „Wir wollten diesen klassischen AC/DC Sound zurück, den Sound, der am besten zu uns passt“, Cliff Williams (aus: AC/DC Two Sides to Every Glory:, Paul Stenning)

Es war die Rückbesinnung auf ihre alten Stärken, die AC/DC wieder auf Kurs und einen ungeahnten Höhenflug brachte.

„Wir spielen immer noch Hard Rock oder Rock and Roll Musik. Damit haben wir angefangen, und das spielen wir immer noch. Wir versuchen lediglich, neue Ausdrucksformen zu finden, und das ist jedes Mal eine Herausforderung – eine neue Idee zu haben und diese dann in AC/DC zu verwandeln und dabei unseren Stil beizubehalten. In all den Jahren haben wir eine Menge Material aufgezeichnet. Aber man muss sein eigener Herausgeber sein. Wir schauen uns alles an, aber wir veröffentlichen nicht jeden Song, den wir schreiben. Wir versuchen, das Beste von dem, was wir haben, auszuwählen.“ Angus Young (aus: AC/DC Two Sides to Every Glory:, Paul Stenning)

Fortsetzung folgt.

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