Norsk E-Fuel will erneuerbaren Treibstoff für Flugzeuge produzieren

Das Industriekonsortium Norsk E-Fuel baut in Norwegen zusammen mit weiteren Projektpartnern die erste kommerzielle Anlage zur Herstellung synthetischen Kerosins. Die Produktion wird ausschliesslich mit Ökostrom angetrieben. Schon in 6 Jahren will man so viel synthetisches Kerosin betreiben, dass damit 5% des jährlichen Bedarfs von Zürich-Kloten gedeckt werden könnten.

Die Wende kommt schneller als gedacht. Auch die Schweiz wäre ein guter Standort, denn nachdem der Nationalrat beschlossen hat, dass ein erheblicher Teil der Flugticketabgabe dafür verwendet werden kann, synthetisches Kerosin gegenüber fossilem konkurrenzfähig zu machen (eine Idee von ETH-Prof. Anthony Patt, Nationalrat Martin Bäumle und mir, wie Martin Bäumle hier im Nationalrat verdeutlicht), hat die Schweiz politisch weltweit die besten Rahmenbedingungen, um sowohl das Klima zu schützen als auch den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft voranzutreiben und entsprechend neue Arbeitsplätze zu schaffen und alte im Gewerbe zu erhalten, so dass wir „den Fünfer und das Weggli“ haben können.

Voraussetzung: es gibt kein Referendum gegen das neue CO2-Gesetz oder das Referendum scheitert an der Urne. Deshalb Ja zum neuen CO2-Gesetz.

— Weiterlesen www.erneuerbareenergien.de/norsk-e-fuel-will-erneuerbaren-treibstoff-fuer-flugzeuge-produzieren

Wieso ich im Parlament eine Maske trage

Nachdem die Limmattaler Zeitung heute zum zweiten Mal darüber informierte, dass ich im Dietiker Gemeinderat, dem hiesigen Stadtparlament, als einziger eine Schutzmaske trage, nehme ich dies gerne zum Anlass, das zu tun, weshalb ich diese Maske überhaupt trage: darauf hinweisen, wie hilfreich es wäre, wenn in geschlossenen Räumen alle Personen eine Maske tragen würden.

Persönlich habe ich keine Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19, auch wenn der wirtschaftliche Schaden gross wäre, würde ich über mehrere Wochen ausfallen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich zu den wenigen gehören würde, die mit einem milden Verlauf der Erkrankung davonkommen würden. Ich gehöre zu keiner Risikogruppe und wenn eine Grippewelle durchs Land rollt, die viele Personen für zwei Wochen ins Bett zwingt, spüre ich meistens nur ein leichtes Kratzen im Hals, habe vielleicht eine verstopfte Nase und manchmal auch ein wenig leicht erhöhte Temperatur. Nur ganz selten muss ich – für maximal einen Tag – ins Bett. Und COVID-19 soll ja auch nicht schlimmer als eine Art Grippe sein… (Ich weiss natürlich, dass das nicht stimmt, aber wenn mein Immunsystem mit einem Virus gut zurechtkommt, besteht doch gewisse Hoffnung, dass es das auch mit einem anderen tut.)

Seit Jahren habe ich mir angewöhnt, bei (milden) Anzeichen einer Grippeinfektion Besprechungen zu verschieben und mir die Hände zu desinfizieren, wenn ich unbedingt raus muss. Denn auch eine normale Grippe tötet Menschen und ich möchte nicht ein Glied in der Kette der Infektionen sein. Aber bei einer Grippe spürt man es wenigstens, wenn man infektiös ist.

Bei COVID-19 ist es anders. Hier finden viele Übertragungen statt, lange bevor der Infizierte seine Erkrankung bemerkt. Dies kann man nur verhindern, indem man generell die Wahrscheinlichkeit reduziert, durch die Massnahmen, die wir nun genügend kennen.

Aber eine Massnahme, die ebenfalls einen erheblichen Beitrag leisten könnte, wird einfach zu wenig unterstützt: das Tragen von Masken. Würden alle Personen in geschlossenen Räumen eine Maske tragen, würden sie sich weniger ins Gesicht und an die Augen fassen und vor allem würden sie beim Sprechen, Husten und Niesen ihre Tröpfchen weniger weit schleudern und viele davon würden einfach in den Masken hängenbleiben. Dies kann ganz konkret Infektionen und so genannte Superspreader-Events verhindern.

Darauf möchte ich mit dem Tragen einer Maske in geschlossenen Räumen explizit hinweisen. Deshalb werde ich auch weiterhin im Gemeinderat eine Maske tragen und hoffe, dass ich Nachahmer finde, denn als Volksvertreter sollten wir uns vorbildlich verhalten, hat erst vor kurzem einer der Stadträte im Gemeinderat gesagt.

Um diesen Artikel abzurunden noch ein Leserbrief, der heute in der Limmattaler Zeitung stand:

Nicht ohne Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr

Coronakrise: Diverse Artikel zur Lockerung des Lockdowns

Nun also kommt die lang­ersehnte Lockerung aus dem Lockdown. Schiffe, Postauto, Bergbahnen und Gondeln etc. laden zu Ausflügen ein. Für uns ältere Generation ist daran jedoch nicht zu denken, solange der Bundesrat keine Maskenpflicht verfügt. Wir sind gezwungen, auf solche Ausflüge zu verzichten, wollen wir nicht eine Ansteckung im überfüllten ÖV riskieren, wo ein Zweimeterabstand reine Illusion ist. Warum verzichtet der Bundesrat hier auf eine klare Verordnung? Sein höchstes Ziel ist doch, die Ansteckungsgefahr auf ein Minimum zu reduzieren und uns trotzdem wieder etwas Normalität zurückzugeben. Hier vermisse ich einen klaren Entscheid zu Gunsten der Sicherheit in touristischen Angeboten, die wir gerne ohne Ansteckungsgefahr nützen würden.

Paula Rigassi, Basel

Forschungsresultat: Synthetisches Kerosin setzt 30- bis 100-mal weniger Russvorläufer frei als herkömmliches

Seit ich am 7. Juni 2019 zum ersten Mal die Idee lancierte, man könne eine Flugticketabgabe statt nur zur Lenkung auch dazu nutzen, die Mehrkosten für den Umstieg auf synthetisches Kerosin zu finanzieren, kam immer wieder das Argument, es würde nicht ausreichen, CO2-neutral zu fliegen.

Denn die Russpartikel beziehungsweise Aerosole, die aufgrund der unreinen Verbrennung ausgestossen werden, führen zur Bildung von Wolken, die einen zusätzlichen Treibhauseffekt verursachen, wodurch man eigentlich 2.5 Mal so viel CO2 vermeiden beziehungsweise der Atmosphäre entziehen müsste, als nur das direkt ausgestossene.

Mir war aber schon immer klar, dass das so nicht ganz stimmen kann. Denn synthetische, mit Power-to-X produzierte Treibstoffe sind viel reiner als fossile, weil man die Qualität bei der Produktion viel besser steuern kann. Somit sollten sie auch deutlich weniger Aerosole freisetzen.

Wie viel, hat nun eine Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Kopernikus-Projekt P2X gezeigt: bis zu 30- bis 100-mal weniger. Damit dürfte das Argument vom Tisch sein. Wenn überhaupt, braucht es nur noch ein wenig zusätzliche Kompensation. Wie viel genau, werden wir sicher auch bald wissen.

Somit heisst es, weitermachen auf dem Weg zur CO2-neutralen Fliegerei mit synthetischem Kerosin.

Hier geht es zur Analyse.

FDP-Fachkommission Umwelt & Energie des Kantons Zürich steht hinter der Flugticketabgabe

Unter dem Titel «Verabschiedung des CO2-Gesetzes» hat die NZZ heute den folgenden Leserbrief von mir veröffentlicht, im Namen der FDP-Fachkommission Umwelt & Energie des Kantons Zürich:

Die NZZ vom 24. 4. 20 berichtet, dass bürgerliche Politiker die Einführung einer Flugticketabgabe verschieben wollen. Als Mitglieder der FDP-Fachkommission Umwelt & Energie des Kantons Zürich lehnen wir eine solche Verschiebung klar ab. Die Umweltproblematik ist eine ernsthafte Gefahr für die Zukunft der Menschen. An dieser Gewissheit hat sich durch die Corona-Krise nichts geändert. Deshalb unterstützen wir weiterhin eine rasche Verabschiedung des CO2-Gesetzes, das sich auf der Zielgeraden befindet – Flugticketabgabe inklusive. Im vergangenen Jahr hatte sich die FDP dazu bekannt, der Umwelt- und Energiepolitik mehr Gewicht beizumessen und griffige, liberale Ansätze zu entwickeln.

So stimmten am 22. Juni die Delegierten mit grosser Mehrheit für eine Flugticketabgabe, die einen Klimaschutzfonds mitfinanzieren soll. Die Idee basierte auf einem Vorschlag, den der Schreibende zusammen mit ETH-Professor Anthony Patt und Nationalrat Martin Bäumle ausgearbeitet hatte, unterstützt von den FDP-Ständeräten Damian Müller und Ruedi Noser. Demnach soll die Flugticketabgabe als Anschubfinanzierung dienen, um den Aufbau einer industriellen Produktion von CO2-neutralem, erneuerbarem Kerosin zu ermöglichen. Experten sind sich einig, dass einzig der Einstieg in die Fliegerei mit synthetischem Kerosin einen Ausweg aus der Klimakrise bietet. Wir sollten nun also die Chance in der Corona-Krise nutzen und den Wiederaufbau der Wirtschaft so nachhaltig gestalten, dass wir dabei auch Lösungen für die Klimakrise vorantreiben, anstatt zu versuchen, die beiden Krisen gegeneinander auszuspielen. Die rasche und vor allem vollständige Umsetzung der Revision des CO2-Gesetzes spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Peter Metzinger, für die FDP-Fachkommission Umwelt & Energie des Kantons Zürich

Weitere Beiträge von mir zum Thema Flugticketabgabe finden sich hier.

«Eine ganz andere Wucht»: Drosten warnt vor zweiter Corona-Welle

Nicht nur ich, sondern auch die deutsche «Kanzlerin ist von den „Öffnungsdiskussionsorgien“ genervt. Weil die Distanzierungsmaßnahmen jetzt von allen Seiten in Frage gestellt würden, warnt Virologe Christian Drosten vor einer zweiten Infektionswelle, die außer Kontrolle geraten könnte.»

«Ließe man dem Coronavirus jetzt «freien Lauf, würde dies unser Gesundheitssystem überfordern. Man muss also Wege finden, R so lange unter 1 zu halten, bis ein Impfstoff gefunden und großflächig verfügbar ist. Drosten erklärt, warum dieses Unterfangen durch übereilte Lockerungen nicht nur zunichte gemacht werden, sondern auch in einem Desaster enden könnte. Auch bei einem Reproduktionswert unter 1 verbreite sich das Virus „unter der Decke“ weiter, warnt er.

Das bedeute, dass es sich in Deutschland über die kommenden Wochen und Monate nahezu unbemerkt verteile, während Covid-19-Fälle zuvor überwiegend in Hotspots aufgetreten seien. Würde die Zahl R durch Leichtsinn und voreilig zurückgenommene Distanzregeln wieder über 1 steigen und sich das Virus damit wieder exponentiell verbreiten, hätte dies voraussichtlich verheerende Folgen. Weil die Infektionswelle dann überall gleichzeitig starte, hätte sie „eine ganz andere Wucht“, so Drosten. Die bekannten Gegenmaßnahmen reichten dann zu einer Eindämmung nicht mehr aus, die Pandemie gerate außer Kontrolle. »

Gleiches gilt natürlich analog auch für die Schweiz.

— Weiterlesen www.n-tv.de/panorama/Drosten-warnt-vor-zweiter-Corona-Welle-article21726926.html

COVID-19 – eine Zwischenbilanz und Analyse der Moral, der medizinischen Fakten und der politischen Entscheidungen

Warum COVID-19 absolut gar nicht mit einer Grippe verglichen werden kann und warum eine aktive Durchseuchung der nicht-Risiko-Gruppen mit dem COVID-19-Virus mit Sicherheit ein absolutes Hirngespinst Ist, das nur Leuten in den Sinn kommen kann, die keine Ahnung von Biologie, Medizin und Ethik haben. Das Beste, was ich bisher zur Pandemie und dem Versagen unserer Behörden gelesen habe. Von einem, der an der Front arbeitet und wirklich weiss, was Sache ist.

Weiterlesen: http://www.mittellaendische.ch/2020/04/07/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zukünftigen-politischen-entscheidungen

Genug gejammert… COVID-19 als Chance

Mit diesem Beitrag könnte ich mich bei manchen Leuten sehr unbeliebt machen. Deshalb möchte ich eines vorwegstellen:

  1. Ich unterstütze das Wirtschaftspaket des Schweizer Bundesrats, genauso wie die von ihm angeordneten Massnahmen zum Schutz des Gesundheitssystems.
  2. Ich bin und bleibe in meinen Ansichten ein liberal denkender Mensch, dem unnötige Vorschriften und Bürokratie zutiefst zuwider sind.
  3. Ich möchte auch möglichst schnell den Lockdown beenden.
Meine Firma hiess einmal «4C», was sowohl für Campaigning and Crisis Communication Consulting stand, als auch für das englische «foresee» (vorausschauen).

Aber trotzdem sehe ich momentan keine andere Möglichkeit, unsere Krankenhäuser und das Gesundheitssystem zu schützen, als den Lockdown so lange fortzusetzen, bis eine wissenschaftlich fundierte und geordnete Ausstiegsstrategie gefunden und umfassend vorbereitet wurde. Das kann noch dauern.

Deshalb hat der Bundesrat meine fast volle Unterstützung. Nur «fast», weil ich der Meinung bin, man hätte besser vorbereitet sein und die harten Massnahmen früher treffen sollen und können, und man könnte und müsste die Kommunikation besser machen.

Dass man nicht vorbereitet war, kann ich ganz und gar nicht verstehen, denn die WHO hat 15 Jahre lang vor einer solchen Pandemie gewarnt.

Genauso wenig Verständnis habe ich aber auch für das Gejammere der so genannten Wirtschaft, für zu viele von denen, die von der Krise überrascht wurden und nun wirtschaftliche Hilfe zulasten des Steuerzahlers brauchen.

Ich finde es unfassbar, dass teilweise die gleichen Leute, die jahrelang (zurecht) Steuersenkungen und immer weniger Staat verlangten (was ich voll und ganz unterstütze), nun in Windeseile beim Staat anklopfen und um Hilfe betteln (was ich unterstützen muss, weil es nicht anders geht, aber zutiefst im Innern ablehne).

Was haben die denn die letzten 15 Jahre getan? Warum haben die die Warnungen der WHO nicht wahr- oder ernstgenommen?

Wieso haben sie keine Reserven aufgebaut? Hätte nicht jeder, der sich Unternehmer schimpft, mit einem solchen Szenario konfrontiert, für mindestens 3 Monate Reserven aufbauen müssen, wenn sein Geschäft bei einem Lockdown sofort wegbricht?

(Ausnahmen, die wirklich nicht vorbereiten konnten und einfach Pech hatten, bestätigen die Regel.)

Und haben nicht sehr viele, die nun nicht Home-Office-fähig sind, es schlicht und einfach mutwillig und fahrlässig versäumt, im Unternehmen die Digitalisierung voranzutreiben, von der seit Jahren (fast nur) geredet wird? Und nun müssen die Steuerzahler für die Folgen dieser Fahrlässigkeit aufkommen…

Wo sind die unternehmerischen Vorräte an Schutzmasken und Desinfektionsmitteln, mit denen man die Mitarbeitenden im Notfall hätte ausstatten können?

(Um die Frage zu beantworten, die sich manche/r nun sicher stellt: ja, ich habe die Warnungen ernstgenommen und meine Firma war vorbereitet, bei uns läuft das business «as usual», ausser dass ich um einiges produktiver bin, weil Meetings endlich online durchgeführt werden und ich nicht mehr so viel hin und her reisen muss. Wir arbeiten seit über 11 Jahren mit Cloud-Lösungen, dezentral, mobil, mit Videokonferenzen und Collaboration Tools, hatten Desinfektionsmittel und Schutzmasken.)

Wer nicht so vorgesorgt hatte, braucht jetzt Hilfe, das ist klar und das unterstütze ich auch. Zähneknirschend…

Aber gleichzeitig ärgert es mich, dass der gleiche Staat, dessen Einmischung wir immer unisono kritisieren, nun für unternehmerische Versäumnisse einspringen muss.

Ein guter Liberalismus oder einfach nur gutes Unternehmertum hätte dieser «Einmischung des Staates in den Markt» – denn um nichts anderes handelt es sich hier – vorausschauend vorgebeugt. Dann hätte sich der Wert des unternehmerischen Denkens zeigen können, der Wert von «Verantwortung übernehmen», «voraussschauend denken» und von «Gemeinsinn».

Die Chance dieser Krise liegt nun darin, daraus für den Wiederaufbau die richtigen Lehren zu ziehen und eine resilientere Wirtschaft aufzubauen, wenn der Spuk vorbei ist.

Denn eins ist klar: Fortsetzung folgt («Klimawandel»)…

P.S. Nachtrag

Aufgrund von Feedback auf Facebook möchte ich folgendes noch ergänzen.

Es gibt Risiken, die kann man tatsächlich unmöglich noch managen. Vor allem, wenn sie dann noch zu unwahrscheinlich sind, muss man sie ignorieren.

Hier wende ich eine Priorisierungsmatrix an, die zwei Kriterien beinhaltet:
1. Wie leicht ist es, sich vorzubereiten?
2. Wie gross sind die Auswirkungen?
Als drittes Kriterium könnte man dann noch die Eintretenswahrscheinlichkeit nehmen.

Risiken mit einer grossen Auswirkung, auf die man sich leicht vorbereiten kann, sind die, auf die man sich vorbereiten sollte. Atomare Super-Gaus und Asteroideneinschläge gehören nicht dazu. Denn man kann sie nicht managen.

Aber Risiken mit einer praktisch 100igen Wahrscheinlichkeit müssen dazu gehören, wenn man sie managen kann.

Ein langer Blackout wäre nicht zu managen, gerade weil wir schon zu sehr vom Strom abhängig sind. Ein vorübergehender wäre zu managen, erfordert dann lediglich ein Notstromaggregat. Er kommt sicher, spätestens beim nächsten grossen Sonnensturm auf der erdzugewandten Sonnenseite. Die Frage ist einzig wann.

Gleiches gilt für eine Pandemie: dass sie kommen würde, war sicher, nur nicht wann. Hier aber waren die Massnahmen entweder einfach (Vorrat an Desinfektionsmitteln und Masken) oder – wenn auch nicht ganz so einfach – sowieso ein Gebot der Stunde (Digitalisierung).

Im Grund genommen geht es mir um die Kernaussage, dass wir als Unternehmer/innen im Hinblick auf die Zukunft unsere eigenen Versäumnisse thematisieren müssen, statt einfach nur sofort nach dem Staat zu schreien.

Denn die nächste Katastrophe – der Klimawandel – ist ja auch schon lange angekündigt.

Wo man hinschaut, da fährt man hin. Wohin wollen wir?

Jede Motorradfahrerin und jeder Motorradfahrer lernt, in einer Kurve nicht direkt nach vorne zu schauen, sondern ganz weit nach vorne in die Richtung, in die man fahren will. Denn dort, wo man hinschaut, da fährt das Motorrad fast automatisch hin. Es handelt sich um ein sehr einfaches Prinzip, das einem sicher durch die Kurve hilft. Daran sollten wir auch jetzt denken, während der vermutlich schlimmsten Pandemie des Jahrhunderts. (Hoffen wir, dass nicht noch eine schlimmere kommt.)

In welche Richtung wollen wir?

Matthias Horx, «der renommierteste Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum» hat in den Medien seine Erwartungen an die Zeit nach Corona zum Besten gegeben und ich stimme ihm weitgehend zu.

«Ich werde derzeit oft gefragt, wann Corona denn „vorbei sein wird“, und alles wieder zur Normalität zurückkehrt. Meine Antwort: Niemals. Es gibt historische Momente, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Wir nennen sie Bifurkationen. Oder Tiefenkrisen. Diese Zeiten sind jetzt. …

Die Welt as we know it löst sich gerade auf. Aber dahinter fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest erahnen können. Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre führten viele von sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Das hat schon mancher erlebt, der zum Beispiel Intervallfasten probierte – und dem plötzlich das Essen wieder schmeckte. Paradoxerweise erzeugte die körperliche Distanz, die der Virus erzwang, gleichzeitig neue Nähe. Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde, sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.

Wir werden uns wundern, wie schnell sich plötzlich Kulturtechniken des Digitalen in der Praxis bewährten. Tele- und Videokonferenzen, gegen die sich die meisten Kollegen immer gewehrt hatten (der Business-Flieger war besser) stellten sich als durchaus praktikabel und produktiv heraus. Lehrer lernten eine Menge über Internet-Teaching. Das Homeoffice wurde für Viele zu einer Selbstverständlichkeit – einschließlich des Improvisierens und Zeit-Jonglierens, das damit verbunden ist.

Gleichzeitig erlebten scheinbar veraltete Kulturtechniken eine Renaissance. Plötzlich erwischte man nicht nur den Anrufbeantworter, wenn man anrief, sondern real vorhandene Menschen. Das Virus brachte eine neue Kultur des Langtelefonieren ohne Second Screen hervor. Auch die „messages“ selbst bekamen plötzlich eine neue Bedeutung. Man kommunizierte wieder wirklich. Man ließ niemanden mehr zappeln. Man hielt niemanden mehr hin. So entstand eine neue Kultur der Erreichbarkeit. Der Verbindlichkeit.

Menschen, die vor lauter Hektik nie zur Ruhe kamen, auch junge Menschen, machten plötzlich ausgiebige Spaziergänge (ein Wort, das vorher eher ein Fremdwort war). Bücher lesen wurde plötzlich zum Kult. …

Erstaunlicherweise machen viele in der Corona-Krise genau diese Erfahrung. Aus einem massiven Kontrollverlust wird plötzlich ein regelrechter Rausch des Positiven. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst entsteht eine innere Kraft. Die Welt „endet“, aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren. Mitten im Shut-Down der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

Wandel beginnt als verändertes Muster von Erwartungen, von Wahr-Nehmungen und Welt-Verbindungen. Dabei ist es manchmal gerade der Bruch mit den Routinen, dem Gewohnten, der unseren Zukunfts-Sinn wieder freisetzt. Die Vorstellung und Gewissheit, dass alles ganz anders sein könnte – auch im Besseren.

Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen. 2020 wird der CO2-Ausstoss der Menschheit zum ersten Mal fallen. Diese Tatsache wird etwas mit uns machen.

Wenn das Virus so etwas kann – können wir das womöglich auch? Vielleicht war der Virus nur ein Sendbote aus der Zukunft. Seine drastische Botschaft lautet: Die menschliche Zivilisation ist zu dicht, zu schnell, zu überhitzt geworden. Sie rast zu sehr in eine bestimmte Richtung, in der es keine Zukunft gibt.»

Ganz ähnliche Gedanken hatte ich mir auch schon gemacht. Denn was Matthias Horx da beschreibt, passiert schon jetzt. Ich könnte viele Beispiele nennen. Gestern schrieb mir ein Kollege aus dem Gemeinderat Dietikon, er beobachte gerade ein Elstern-Paar, das ein Nest baute. Wann zuvor hatte er wohl das letzte Mal die Musse, einfach nur aus dem Fenster zu schauen? Die Menschen gehen auf einmal wieder hinaus in die Natur, weil sie genug von den Horror-News haben und die Kneipen geschlossen sind.

Wir erleben einerseits eine Entschleunigung des Alltags und andererseits eine erhebliche Steigerung der Produktivität; bei den Firmen, die noch Arbeit haben und digital gerüstet sind.

Zumindest mir geht es so, denn nach Jahren des Werbens für Video-Meetings statt physischer Meetings, machen meine Klienten und Partner endlich mit (es bleibt ihnen ja auch gar nichts mehr übrig). Seit der dritten Februarwoche, als wir uns freiwillig in Quarantäne begaben, um nicht zur viralen Verbreitung beizutragen, habe ich ganz viel Reisezeit eingespart und in den ersten beiden Wochen so viel Fortschritt bei bei meinem vierten Buch gemacht, einem Campaigning-Manual, wie zuvor nicht in zwei Jahren.

Sehr viele von uns haben nun mehr Zeit zum Lesen, zur Achtsamkeit auf die kleinen Dinge und für die Pflege der mitmenschlichen Beziehungen. Denn im Videochat kann man sich spontaner treffen, als in der Realität. (Das ist kein Widerspruch zum Gegentrend, dem Ansteigen häuslicher Gewalt und von Depressionen. Es passiert beides. )

Wir sollten uns nun auch Zeit zum Nachdenken nehmen und uns die Frage des Motorradfahrers stellen: In welche Richtung soll es gehen?

In jeder Krise stecken neben den Gefahren auch noch Chancen. Das chinesische Schriftzeichen für Krise besteht deshalb aus zwei Zeichen, einem für Gefahr und einem für Chance.

Liegt es am Bewusstsein hierfür, dass die asiatische Welt, anders als die westliche, so schnell und entschlossen reagiert hat? Weil man die Chancen im vorübergehenden Opfern der Produktivität erkannte?

Die kleine Schweiz ist aktuell weltweit an 9. Stelle bei der absoluten Zahl der offiziell Erkrankten. Obwohl diese Zahl sicher noch zu klein ist, weil sie in Bern noch mit dem Zählen von Faxen beschäftigt sind. («Kontrollverlust beim Bundesamt für Gesundheit: «Die Zahl der Todesfälle haben wir aus Wikipedia entnommen») Im besten Fall werden wir über 5’000 Tote beklagen zu haben, wahrscheinlich sind sogar zehntausende.

Eine Bekannte sagte vorgestern, in Italien hätten sie die Wirtschaft geopfert, um die Menschen zu schützen, in der Schweiz die Menschen, um die Wirtschaft zu schützen. Ich bin mir da nicht so sicher. Unsere Regierung hätte zwar schneller handeln müssen, konnte es aber nicht, weil sich zu viele Bürgerinnen und Bürger weigerten, die alte Welt loszulassen, die schon nicht mehr zu retten war, als der erste Infizierte im Tessin diagnostiziert war. Die alte Welt vor Corona, wie wir sie kannten und die wir für so unerschütterlich sicher hielten, ist vorbei. Ich würde eher sagen, wir haben unsere Menschen und – weil wir zu lange zögerten auch noch – unsere Wirtschaft geopfert, um eine Nostalgie zu schützen, die sowieso schon hoffnungslos verloren war, nämlich die Welt vor Corona.

Mit dem Blick auf die Chancen hätte man vielleicht schneller handeln können. Seit zwei Tagen gibt es in China keine Neuansteckungen mehr, in Italien sterben die Menschen aber immer noch, das Land hat China bei der Zahl der Toten schon überholt.

Was also nun tun, in welche Richtung wollen wir uns bewegen?

Seit Jahrzehnten fordern Wissenschaftler und Umweltschützer, dass die Klimakrise ernst genommen wird. Dabei erging es uns wie dem Arzt in Wuhan, der vor dem neuen Corona-Virus warnte. Man hat uns nicht ernst genommen. Dann kam Greta. Nun Corona. Man darf Fehler machen, aber man sollte daraus lernen.

Die durch menschliche Aktivitäten verursachten CO2-Emissionen legen 2020 eine Pause an, aber wenn wir nichts ändern, werden sie weiter ansteigen und die Welt wird auf bestem Weg sein, sich um 3° C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu erwärmen (globale Durchschnittstemperatur).

Die Klimakrise ist langsam und – aber nicht weniger real und nicht weniger tödlich als Corona. So wie wir eigentlich wussten, dass es jederzeit zu einer Pandemie globalen Ausmassen kommen könnte und zu lange die Augen davor verschlossen haben, haben wir auch die notwendigen Massnahmen gegen die Klimakatastrophe auf die lange Bank geschoben.

Die Coronakrise beweist, dass es möglich ist, dramatische Veränderungen zustande zu bringen, um Leben zu retten. Anders als beim Coronavirus müssen wir beim Klimawandel aber nicht so überstürzt handeln. Wir können uns ein klein wenig mehr Zeit lassen.

«Nach» Corona müssen wir unsere Wirtschaft neu gestalten. Wir werden sie digitalisieren und hoffentlich rundum erneuern, um in Zukunft besser gewappnet zu sein.

Ganz sicher braucht es dazu Konjunkturprogramme und andere unterstützende Massnahmen durch den Staat.

Wenn wir dies schon tun müssen, dann sollten wir die Transformation ausnahmslos so gestalten, dass sie in Richtung Klimawandel-Minimierung und nachhaltige Kreislaufwirtschaft führt.

Eine solche Chance wie jetzt, nachdem uns zuerst ein kleines Mädchen die Augen geöffnet hat und dann ein kleines Virus eine Vollbremsung verpasste, werden wir rechtzeitig nicht mehr bekommen. Die Coronakrise beinhaltet deshalb auch einen Funken Hoffnung, dass wir beim Klimawandel die Kurve vielleicht doch noch kratzen. Nutzen wir sie. Mit Zuversicht in die Zukunft.

Nachbarschaftshilfe im Limmatfeld steht

Medienmitteilung Quartierverein Limmatfeld

Dietikon, 20. März 2020. Der Quartierverein Limmatfeld hat eine COVID-19- Nachbarschaftshilfe organisiert. Kranke Quartierbewohner und Mitglieder von COVID-19-Risikogruppen sollen primär mit Einkäufen versorgt werden. Auf der Website und der Facebook-Seite des Quartiervereins gibt es aktuelle Informationen. Koordiniert wird die Nachbarschaftshilfe von Vereins-Mitgliedern und Limmatfeld-Bewohnern, unterstützt durch den Vorstand
.

Nach einem Aufruf am Montag haben sich bisher rund zwei Dutzend Helferinnen und Helfer gemeldet. Der Quartierverein hat diese in einer WhatsApp-Gruppe zusammengeschlossen, über die die Einkäufe organisiert werden. Risikopersonen und an COVID-19 Erkrankte können ihre Einkaufslisten per E-Mail (qv.limmatfeld@gmail.com) oder Telefon beziehungsweise WhatsApp oder sms auf die Nummer +41767390725 anmelden. Die Bezahlung erfolgt dann per Banküberweisung oder Twint.
Weiterführende Informationen werden nach Möglichkeit auf www.limmatfeld.com immer wieder aktualisiert.

Weitere Informationen:
Peter Metzinger
Präsident Quartierverein Limmatfeld

Corona-Leitfaden für KMU

Es sind turbulente Zeiten für uns alle. Der ausgerufene Notstand und die damit verbundenen Ladenschliessungen bedeuten für viele kleine und mittlere Unternehmen, aber auch Selbständige, eine Vollbremsung und stellt sie vor viele Herausforderungen.

Wir wollen helfen und darum hat die FDP Kanton Zürich, zusammen mit Kantonsrat Marc Bourgeois, einen Leitfaden für Unternehmerinnen und Unternehmer erstellt.

Helfen auch Sie mit und senden Sie den Leitfaden an Unternehmerinnen und Unternehmer in Ihrem Umfeld.

Hier herunterladen.