Posts Tagged ‘Strategic Planning’

Am 19. November gab Apple bekannt, dass nun auch AC/DC auf iTunes vertreten sind. Dies nachdem die Band sich mehr als zehn Jahre geweigert hatte, bei iTunes mitzumachen. Vor allem aber kurz nachdem mein neuestes Buch, “Das AC/DC Prinzip“, gerade eben fertig war, in dem ich unter anderem darauf eingehe, dass und warum AC/DC so lange nicht bei iTunes waren.

Laut eigenen Angaben sieht sich die Band als Album-Band. Sie wollten angeblich nicht, dass man auf iTunes einzelne Songs kaufen kann. Tatsächlich bietet iTunes den dort vertretenen Bands aber die Wahl, nur ganze Alben zu verkaufen. Dass AC/DC davon keinen Gebrauch machen, sondern auf iTunes einzelne Songs anbieten, wirft eine ganze Menge Fragen auf.

Hat die Band ihre Strategie aufgegeben und verraten?

Und sollte ich mein Buch nun kurz nach der Erstveröffentlichung schon umschreiben neu auflegen? – Ich habe mich dagegen entschieden. Zum einen hat die Band sehr lange am Konzept festgehalten, so dass die wesentlichen Aussagen in meinem Buch durch diese jüngste Entwicklung nur unwesentlich beeinträchtigt werden. Zum anderen kennen wir die Gründe nicht. Jede Strategie funktioniert nur so lange, wie die dominierenden Umfeldfaktoren sich nicht wesentlich verändern. Vielleicht gab es also gute Gründe, diesen einen Schritt zu machen, um den Kern der Strategie beibehalten zu können.

In den kommenden Jahren werden wir vielleicht mehr erfahren.

Als ich letzte Woche an der Social Media Akademie SOMEXCLOUD über Strategielehre dozierte, kam mir ein Artikel in den Sinn, den ich schon 2007 für das Wirtschaftsmagazin geschrieben hatte, und der an Bedeutung nichts verloren hat. Langer Rede kurzer Sinn: ich veröffentliche ihn hier nochmals. Für alle, die ihn noch nicht kennen.

Die Werbung kommt nicht an. Das interne Change-Projekt verfehlt seine Wirkung. Die Website wird schnell weggeklickt. Die Ideen gehen aus. So verschieden die Themen, sie haben eins gemeinsam: Keiner weiss so richtig, wie man wirkungsvoll seine Zielgruppe erreicht. Wie aber kommt man zu guten Ideen für die richtige Zielgruppenansprache?

Zürich Limmatquai, Januar 2004. In den Marktforschungsstudios von «management tools» findet ausnahmsweise keine Marktforschung im eigentlichen Sinne statt. Zur Entwicklung einer Strategie für eine Produkteinführung hat 4C business campaigning GmbH (die Agentur wurde vor ein paar Jahren umbenannt und heisst heute business campaigning Switzerland) das Studio gemietet und acht Studenten eingeladen. Sie sollen gemeinsam mit den Strategieexperten der Agentur den Rohstoff für eine «business campaigning»Strategie erarbeiten. Dieser Rohstoff wird später in der Agentur zum fertigen Konzept weiterverarbeitet. Die Erfahrung zeigt: Werden Strategien mit der Zielgruppe zusammen entwickelt, ist der Erfolg so gut wie garantiert.

Win-win

(more…)

In his book Brand Like A Rock Star that I am currently reading, Steve Jones is using ABBA as an example how important it is for a business to focus on their real strengths, to maintain and manage them and not to get distracted by nice opportunities that would in the long term only dilute your brand. (in fact Strategic Guideline No. 6, to stick with your strategy,  is playing a role here as well). Jones explains why ABBA dismissed every request to go back on stage together. Rumours are that one offer was a billion USD for playing 100 concerts… He writes

ABBA did a wonderful job of selling to the world a brand that was young, exuberant, and full of energy and ambition. They made music that was unique and fresh. If they reunited today, could the sixty-five-year-old Ulvaeus lead the band with the same vigour? … ABBA can serve as a model for brands in terms of focus. ABBA remains focused on being the band that their fans remember, but many biuiinesses lack the commitment to focus on exactly what their customers want from them. … Logic seems to always lead us in the opposite direction. Wefocus on the areas of our business where we are weak instead of where  we are strong. Rock star brands, like ABBA, focus on strengths. What do our fans think we are great at? What do we need to stop doing in order to be better at that?”

This is exactly what the Strategic Campaigning Guidelines No. 3, 4 and 6 demand from us: focus, build upon your strengths and stick with your strategy. Campaigning like Rock’n’Roll

Das nenne ich echte Leistung und Engagement. Martin Gallmann, Betriebswirtschafter und Personalberater, der mich kürzlich als Referent im MAS Communication Management an der Hochschule Luzern erlebte, hat es geschafft, mein business campaigning Modell auf einer einzigen DIN A4 Seite unterzubringen, ohne etwas wesentliches auslassen zu müssen. Ich war wirklich tief beeindruckt, als ich diese Darstellung zum ersten Mal sah, und möchte mich bei dieser Gelegenheit bei Martin bedanken und die Grafik anderen Interessierten zur Verfügung stellen. Hier geht’s zum Download: business campaigning Modell à la Martin Gallmann (pdf).

Kürzlich bekam ich ein Feedback zum letzten Campaigning-Seminar, das ich hier anonymisiert wiedergebe:

“Liebe Mit-Campaigner, ich habe gestern meinen Input zum “(Name des Projekts)” in der Vorstandssitzung präsentiert. Mein Vorschlag für “back to the roots” d.h. Ansetzen bei der Vision (was will die (Name der Organisation)? was wollen die (Name des Projekts)-Kunden?), ist – nach einer lebhaften Diskussion – auf fruchtbaren Boden gefallen. Sich der “vier Ebenen” (Vision, strategisch, operativ, taktisch) bewusst zu werden, hilft sehr, (scheinbar) festgefahrene Probleme nochmals neu anzugehen. Es ist halt oft so, dass man die eigentlichen Ziele während des taktischen “Feuerlöschens” aus den Augen verliert und sich dann möglicherweise irgendwo wiederfindet, wo man gar nicht hin wollte…”

Und weil’s so schön ware, biete ich gerade nochmal ein Seminar an, am 14. und 15. Januar 2013:  http://www.amiando.com/CampaigningSeminar

Am 13. Juni wird pro:campaigning 10 Jahre alt!

In diesen zehn Jahren haben wir Qualitätskriterien entwickelt und viel Erfahrungsaustausch betrieben. Grund genug, zu feiern, und die interessierte Öffentlichkeit dazu einzuladen.

Und zwar am Montag, den 11. Juni

16:30 – 17:00 Referat 1: Rock’n’Roll like Campaigning – AC/DC und die 14 Strategischen Campaigning GrundsätzePeter Metzinger
Die 14 Strategischen Campaigning Grundsätze sind eine Liste von Spielregeln, die die Erfolgswahrscheinlichkeit von Kampagnen und Veränderungsprozessen erhöhen, wenn man sich daran hält. Peter Metzinger wird am Beispiel AC/DC aufzeigen, wie das aussehen kann. Kein Wunder, denn das Motto seiner Agentur business campaigning Switzerland GmBH lautet «Campaigning like Rock’n’Roll».
17:00 – 17:15 Pause
17:15 – 17:45 Referat 2: Corporate Publishing in Zeiten von Social Media, Martin Fritsche
Martin Fritsche von infel wird aufzeigen, wie der Shift von ‘bought media’ zu ‘owned media’  Corporate Publishing auf den Kopf stellt:
1. neue Anforderungen an Medienmix (von print zu digital und interaktiv)
2. neue Anforderungen an Content (von Issues zu Streaming)
3. neue Anforderungen an die Strategie (seedening, deepening, broadening).
Anschliessend Diskussion, Erfahrungsaustausch, Bier, SIR MOUNT H, Currywurst nach Berliner Originalrezept, 10-Jahresfeier mit Rock’n’Roll, Open End (am besten den 12. Juni morgens freinehmen)

SCG 14: Goldene Brücken bauen

Mit diesem Blogpost beende ich die 14teilige Serie über AC/DC und die 14 Strategischen Campaigning Grundsätze. Ich hoffe, ich konnte möglichst verständlich aufzeigen, wie diese Spielregeln, die die Erfolgswahrscheinlichkeit von Kampagnen und Unternehmen erhöhen, auch für Musikbands gelten, wie man sie erfolgreich in die Praxis umsetzen kann, und vor allem, wie sie überhaupt zu verstehen sind. Und vielleicht versteht jetzt auch der eine oder andere, wieso ich als Claim für meine Agentur “Campaigning like Rock’n’Roll” gewählt habe.

Auf Anregung aus der AC/DC-Fan-Community heraus (um ehrlich zu sein, ich hatte die Idee selbst schon) werde ich diese Serie in Buchform veröffentlichen. Bis dahin bin ich dankbar für jeden zusätzlichen Input in Form von Verständnisfragen, Informationen zu AC/DC, die ich nicht kannte, für weniger wichtig hielt oder vielleicht einfach vergessen habe, und auch für Kritik, wenn irgendetwas nicht stimmt. Jeder Beitrag wird im Buch verdankt.

Sollte ich mit dem Buch etwas verdienen, werde ich 10% der Einnahmen dafür einsetzen, junge Musikbands zu unterstützen, die den Geist von AC/DC weiterleben und in uns das Vertrauen wachsen lassen, dass es vielleicht eines Tages doch noch ein Leben nach AC/DC geben wird. Allen voran die spanische Band ´77, die ich persönlich als die Fortsetzung von AC/DC aus den Siebzigern bezeichne.

Beim Grundsatz «Goldene Brücken bauen» geht es im Prinzip darum, es der Zielgruppe so leicht wie möglich zu machen, das zu tun, was man von ihr will (eine Auswahl):

  • Technische Hürden abbauen
  • Emotionale Hürden abbauen
  • Sinn gebende, echte Mehrwerte erzeugen und sinnvolle, wenn möglich emotionale Anreize schaffen
  • Authentizität, Benutzerfreundlichkeit und Wahrhaftigkeit pflegen
  • Vertrauensbildende Massnahmen entwickeln
  • Kunden und Mitarbeitende als Partner, Freunde, Verbündete, Unterstützer und Anhänger betrachten
  • Die Grenzen des Zumutbaren nicht überschreiten
  • Offene Kommunikationskanäle
  • Kontaktaufnahme für Anhänger so leicht wie möglich gestalten
  • Bei Fehlleistungen freiwillig und grosszügig eine Wiedergutmachung gewähren. Kulanz zeigen
  • Der Konkurrenz immer einen Rückzugsweg offenlassen und Gesichtsverlust ersparen
  • Professionell arbeiten und auftreten

AC/DC weckt die richtigen Emotionen durch die richtige Musik und baut dadurch emotionale Hürden ab, für die Band einzustehen und sich für sie zu engagieren. Dass die Musik so klar und einfach ist, macht die Sache leichter. Man muss sich nur umschauen, wenn in einer Bar AC/DC läuft – mindestens die Hälfte der Anwesenden hat auf einmal ein deutliches oder leichtes Lächeln im Gesicht. Die Leute freuen sich einfach.

Durch die Arbeit mit wenigen, eindeutigen und für diese Band ganz typische Symbole machen sie es den Leuten einfach, sich selbst als Werbeträger zu betätigen, zum Beispiel in Form von T-Shirts, Mützen oder Tätowierungen.

Auch dadurch, dass die Band sich als „Jungs wie Du und ich“ präsentieren, werden emotionale Hürden abgebaut. Es gibt eigentlich nur zwei Unterschiede zwischen AC/DC und ihren Fans: AC/DC stehen auf der Bühne, die Fans davor und die Mitglieder von AC/DC  tragen selten AC/DC-T-Shirts.

Die Texte handeln oft von realen Erlebnissen, wie jeder sie erleben kann, und meistens aus der Sicht der Fans. Beispielsweise handeln die Songs It‘s A Long Way To The Top und Waitin Round To Be A Millionaire vom Wunsch, reich zu sein, obwohl die Band es schon lange war, als sie die Songs immer noch spielte. Und Downpayment Blues handelt von chronischem Geldmangel.

AC/DC hat auch immer die Nähe zum Publikum gesucht. Wie schon weiter oben beschrieben, hatte die Band eine kleine Krise, als das Publikum – und damit die Bühne und Distanz zum Publikum – immer grösser wurde.

AC/DC ist authentisch, die Mitglieder sind immer freundlich gegenüber den Fans. Nach den Konzerten verteilen sie das Backstage-Essen unter ihnen. Viele Fans bekommen die Chance, sich mit einem der Mitglieder fotografieren zu lassen. Auf Facebook wimmelt es von entsprechenden Profilfotos.

Die Band arbeitete von Anfang an höchst professionell, man kennt die Mitglieder als hart arbeitend, direkt, ehrlich und äusserst zuverlässig. Bei AC/DC weiss man einfach, was man erwarten darf – was im übrigen auch auf die Musik selbst zutrifft. Man kennt den Stil, und so klingen auch neue Songs sofort vertraut.

Angus geht auch dann auf die Bühne, wenn er krank ist, wenn andere sich schon lange hätten krank melden lassen.

Kommentare über die Konkurrenz beschränken sich auf die Aussage, man verstünde sie nicht und könne deshalb nichts dazu sagen. Man mache halt einfach nur guten, alten Rock’n’Roll.

Ende. (Feedback erwünscht)

Wer mehr zu den 14 Strategischen Campaigning Grundsätzen, hat vielleicht noch Glück und ergattert den letzten freien Platz im Seminar Campaigning am 21. und 22. Mai (hier klicken).